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THE SILENT HOUSE (Uruguay 2010)

von Björn Lahrmann

Original Titel. LA CASA MUDA
Laufzeit in Minuten. 79

Regie. GUSTAVO HERNÁNDEZ
Drehbuch. OSCAR ESTÉVEZ
Musik. nicht bekannt
Kamera. PEDRO LUQUE
Schnitt. GUSTAVO HERNÁNDEZ
Darsteller. FLORENCIA COLUCCI . GUSTAVO ALONSO . ABEL TRIPALDI u.a.

Review Datum. 2010-08-29
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Das Programmheft des Fantasy Film Fest (auf das man bekanntlich nie hören sollte) beschreibt THE SILENT HOUSE als einen Film, der "in Cannes für Furore" sorgte. So kann man es auch ausdrücken: Auf dem spanischen Blog Letras de Cine, wo alljährlich internationale Kritiker die Filme der Croisette im Zehnersystem benoten, erntete Gustavo Hernández' Debüt einen stattlichen Durchschnittswert von 1,87. "I can't imagine seeing a worse film at the festival", ließ MUBI-Autor Gabe Klinger verlauten, während Robert Koehler von Variety den wenig schmeichelhaften Ersatztitel "La Casa Mierda" vorschlug: Das beschissene Haus.

Machen wir's kurz: Recht haben sie. THE SILENT HOUSE ist konzeptlos hingeschmierter Digicam-Spökes, der sein niedriges Budget als Freibrief zum Zeitschinden mißversteht. Ein Vater und seine Tochter verbringen ohne rechten Grund die Nacht im abgelegenen Landhaus eines Freundes, wo es - und da fängt der Schwachsinn schon an - eben nicht still ist, sondern im Dachgeschoss holterdipoltert. Papa geht nachschauen und wird als totgeschlitztes Bündel retour geliefert, Tochter flennt ein bisschen rum und macht sich dann selber auf die Socken. Strom is nich, mit bläulicher Neonfunzel wird quadratmeterweise die Bude durchleuchtet, das dauert schön lange und kostet kein Geld. Hin und wieder ein fernes Rummsen zur Erinnerung, dass man nicht etwa das Mobiliar begutachten, sondern sich fürchten soll.

Handlungsmotivationen in Horrorfilmen zu hinterfragen ist ja generell schlecht beleumundet, von wegen "solche Leute sammeln auch Biermarken" etc. Wieso das arme Mädchen aber permanent auf dem Boden rumkriecht und in irgendwelchen Tinnefhaufen wühlt, um darin nichts, aber auch gar nichts von Informationswert zu finden, dafür hätte ich schon ganz gern eine Erklärung. Nicht, dass die am Ende überhastet zusammengeklatschte Auflösung des Spuks irgendwie originell wäre: wenn man aber komplett versäumt, visuell darauf hinzuarbeiten, wenigstens ein paar böse Omen und Vorzeichen zu streuen, bleibt von so einem Film nichts als eine Hausbesichtigung bei schlechten Lichtverhältnissen. (Wie man es richtig macht: siehe den großartigen THE HOUSE OF THE DEVIL aus dem letzten Jahr.)

Von unfreiwilligem Interesse ist allein die Kamera. Die liefert nicht nur ansehnlich hochauflösende Bilder, sondern liegt, von ihrer Wuseligkeit zu schließen, auch federleicht in der Hand. Mitunter gewinnt man den Eindruck, es mit einer eigenständigen Figur zu tun zu haben, zumal sich die gesamte Handlung in einem einzigen Take abspielt. Tatsächlich ist der Film aber nicht nur aus der Objektiven erzählt, sondern in Sachen Blickwinkel völlig unparteiisch: Munter wechselt die Kamera den Fokus, klebt mal der Protagonistin in Gesicht und Nacken, bleibt dann wieder allein im Raum zurück oder springt gar in die Ich-Perspektive einer dritten Person. Mag sein, dass es sich dabei schlicht um inszenatorische Schlampigkeit handelt - auch unmotivierte Schärfeverschiebungen und kläglich versäbelte Jump Scares weisen darauf hin -, jedoch ist bei einem so reizlosen Schnarchfest wie THE SILENT HOUSE jedes noch so zufällige Irritationsmoment eine willkommene Abwechslung.











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