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SHERLOCK HOLMES - SPIEL IM SCHATTEN (USA 2011)

von Hasko Baumann

Original Titel. SHERLOCK HOLMES: A GAME OF SHADOWS
Laufzeit in Minuten. 129

Regie. GUY RITCHIE
Drehbuch. MICHELE MULRONEY . KIERAN MULRONEY
Musik. HANS ZIMMER
Kamera. PHILLIPE ROUSSELOT
Schnitt. JAMES HERBERT
Darsteller. ROBERT DOWNEY JR. . JUDE LAW . NOOMI RAPACE . RACHEL MCADAMS u.a.

Review Datum. 2011-12-18
Kinostart Deutschland. 2011-12-22

Diese Pressevorführung stand von Anfang an unter einem schlechten Stern. Wie sich beim Betreten des Saals zeigte, sollten dieses Mal nicht nur die üblichen Verdächtigen (schlecht gelaunter Kalkofe, Pönack ganz hinten rechts, das Gesichtsgulasch in der ersten Reihe) die Sitzreihen bevölkern, sondern anonyme Massen unbekannten Fratzengeballers für ein ausgebuchtes Screening sorgen. Somit war ich dazu gezwungen, den Film eingepfercht zwischen zwei fetten, unangenehmen Frauen zu verbringen. Nach wenigen Sekunden stellte sich heraus, daß SHERLOCK HOLMES in der deutschen Fassung dargeboten wurde, was die Laune spontan unter Null zog. Die fette Frau zu meiner Linken verbrachte die zwei Stunden ausschließlich damit, sich auf widerwärtige Weise die Nägel zu kauen, Flusen aus den Haaren zu ziehen oder mittels einer Art von Gymnastik die Rübe nach oben, unten, links und rechts zu drehen. Ich bereue es immer noch, keine Ohrfeigen verteilt zu haben, um dem Spuk ein Ende zu machen. Nach der Vorführung ist man bei der Abholung seiner Habseligkeiten - die großen Verleiher unterstellen auch weiterhin, die Journaille würde mit ihren Mobiltelefonen Blockbuster abfilmen wollen - den Meinungsäußerungen anderer Menschen ausgesetzt, und so schnappte ich den Satz auf "Viel spannender als der Erste".

Nein, Spannung gibt es in Guy Ritchies Fortsetzung seines Kassenhits wahrlich keine. Überhaupt scheint ihn so recht nichts mehr zu interessieren an den Abenteuern des Meisterdetektivs, der von Robert Downey Jr. dieses Mal bis zur Unerträglichkeit affektiert als London-Version von Johnny Depps tuntigem Piratenkapitän gegeben wird. Ein schlaffes Drehbuch zweier Newcomer stellt Holmes dieses Mal, wie im Vorgänger angeteast, seinen Erzfeind Moriarty (konturlos: Jared Harris) entgegen und beschränkt sich in Sachen Ermittlungsarbeit auf den Tiefgang von Roger Moores späten 007-Abenteuern: Es geht von Ort zu Ort (in diesem Fall von CGI-Landschaft zu CGI-Landschaft), wo Holmes und Watson stets ein Feld der Verwüstung hinterlassen, aber allenfalls zufällig zu neuen Ergebnissen kommen (für den Zuschauer nachvollziehbar ist das Ganze eh nicht). Die im ersten Teil sympathische Zankapfel-Chemie zwischen Holmes und Jude Laws Watson wird über Bord geworden und durch gelegentliche gegenseitige Beleidigungen ersetzt - dies ist allein Downeys Show, und die darf er nicht für gewitztes Kombinieren nutzen, sondern in immer bescheuerteren, völlig überflüssigen Maskeraden (Tiefpunkt: Holmes als Transe) auf Sketchup-Spuren rumklamauken.

Ritchies Regie erwacht nur dann zum Leben, wenn er sein patentiertes Speed Change/Super SloMo-Prinzip anwenden kann. Holmes' Fähigkeit, die Abläufe von unausweichlichen Konfrontationen zu antizipieren, wird damit bis zum Erbrechen überstrapaziert. Einzig die Sequenz, in der Holmes, Watson und ihre Gefährten vor deutschen Geschützen durchs Gehölz fliehen, darf als wahrlich überragend angesehen werden; nur leider fällt sie so extrem aus dem sie umgebenden biederen Klimbim-Rahmen, daß man sich für zehn Minuten eher in einem gelungenen Imageclip für Kameratechnik und Postproduktionstools wähnt. So flach wie die Witze ist auch Hans Zimmers Musik, die beim Auftauchen eines Zigeuners sofort die Teufelsfiedel gniedelt, und wenn Downey auf einem Esel reitet, borgt man sich Morricones "Two Mules for Sister Sara". So originell wie in einem RTL2-Beitrag. Kurz vor Schluß kommt dann tatsächlich noch ein wenig Spannung auf, samt vorlagenähnlichen Höhepunkt, doch auch dies ist nur Makulatur - der gespielte Witz in der Schlußszene ist dann eben doch wichtiger als ein kohärentes Finish. Der verheizten Noomi Rapace hätte man auch einen würdigeren Hollywood-Einstand gewünscht.

Irgendwann schießt Watson mit einer Kanone einen Turm zu Schutt, aber das konnte ich leider nicht sehen, weil die fette Nägelkauerin da gerade zum Pott musste und ihren ausladenden Arsch nur mit Müh und Not durchs Bild zu schleppen in der Lage schien. Nein, das war kein schöner Abend.











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