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SCREAM 4 (USA 2011)

von Hasko Baumann

Original Titel. SCREAM 4
Laufzeit in Minuten. 111

Regie. WES CRAVEN
Drehbuch. KEVIN WILLIAMSON
Musik. MARCO BELTRAMI
Kamera. PETER DEMING
Schnitt. PETER MCNULTY
Darsteller. NEVE CAMPBELL . COURTNEY COX . DAVID ARQUETTE . EMMA ROBERTS u.a.

Review Datum. 2011-04-27
Kinostart Deutschland. 2011-05-05

SCREAM, das war nicht nur intellektuelles Vexierspiel mit den Konventionen des 1996 an einem toten Punkt angelangten Slasherfilms, das war auch der Todesstoß für jegliche zukünftigen Versuche, sich der Regeln des Genrefilms auf unironische Weise zu bedienen. Das begriffen auch der gewitzte Drehbuchautor Kevin Williamson, dessen oberschlauen Kniffe in SCREAM 2 mit der größtenteils reichlich konventionellen Regie Wes Cravens erneut eine wirksame Allianz eingingen. Das Sequel wilderte munter weiter in den Erwartungen und erfüllte diese angemessen, indem es sogar Raum für inszenatorische Herausforderungen bot (etwa die Sequenz im Tonstudio) und sich somit jede Menge Gags über Filmfortsetzungen an und für sich locker erlauben durfte. Drei Jahre später war dann allerdings der Ofen aus: Zusammen mit Williamson verließ auch jeglicher Reiz die Franchise, und Craven erkundete mit seinem neuen Autor Ehren Kruger ähnlich läppisch Metaebenen wie in seinem genauso vergeigten Klugscheißer-Flop NEW NIGHTMARE. Es gab nun wirklich keinerlei Grund mehr, sich auf eine weitere Fortsetzung zu freuen - was offensichtlich auch die amerikanischen Kinogänger so sahen, die SCREAM 4 mit einem ausgesprochen bescheidenen Einspielergebnis abstraften.

Aber nun klingelt wieder das Telefon, während das Dimension-Logo auf der Leinwand erscheint, und selbst der unwirscheste Geist kann sich nur schwer der Nostalgie erwehren. Erstaunlich aber, wie fröhlich SCREAM 4 danach sein Intro darbietet; will man bei den reichlich gezwungenen Dialogen über Torture Porn noch ungeduldig fragen "Meint Ihr das ernst?", so schnell erfährt man auch, daß die Antwort "Nein" lautet. Ein mehr als gewinnender Beginn, dem ein durchaus willkommenes Wiedersehen mit altbekannten Figuren folgt: Sidney Prescott (Neve Campbell) ist nach Woodsboro zurückgekehrt, um ihr Buch über die Geschehnisse der Vergangenheit vorzustellen, während Ex-Boulevardreporterin Gail (Courtney Cox) unter ihrer Schreibblockade und der Provinzialität ihres Mannes, Sheriff Dewey (David Arquette) leidet. Campbell spielt so regungslos wie eh und je; Cox gibt erneut eine unwiderstehliche Bitch, sieht aber leider von Hollywood-Schönheitsmetzgern monströs verunstaltet aus; und Arquette hat seine Mimik immer noch zu wenig unter Kontrolle, um Gefahr zu laufen, Dewey jemals nur auf den Dorftrottel zu reduzieren (auch wenn der arme Mann später mit einer Bettpfanne verprügelt werden wird).

Alles beim Alten also, der Ghostface Killer schlägt wieder zu, dieses Mal wird die neue Generation an High School-Opfern zu Gulasch verarbeitet. Das besondere Interesse des neuen Schlitzers gilt dieses Mal Sidneys Cousine Jill (Emma Roberts) und ihren Freundinnen (hier spielt sich eine ausgezeichnete Hayden Panettiere so sexy wie gewitzt in die erste Reihe; bitte befreit diese tolle Frau von ihrem tumben Klitschko-Freund!), aber manchmal schlägt das maskierte Unheil auch einfach da zu, wo es gerade paßt. Und rechtzeitig mit dieser Erkenntnis beginnt das anfängliche Interesse am Film mittig so langsam abzuflachen: SCREAM 4 erweist sich mehr und mehr als recht provinzielle Posse, die seine mittlerweile etwas abgehangene Ironie zu lustig findet. Selbst die einzig intensive Mordszene, in der ein blutverschmierter Anthony Anderson im Todeskampf blind herumstolpert, muß noch mit einem sagenhaft schlappen One-Liner garniert werden. Die Schocks sitzen nicht, scary ist das alles sowieso nicht - aber das trifft im Grunde so auch auf die Vorgänger zu, und was an denen gefiel, gefällt hier auch, so daß man sich einer gewissen, wenn vielleicht auch retrospektiven, Freude am hier und da cleveren Geschehen nicht erwehren mag.

Was man SCREAM 4 zugute halten muß, ist ein smarter Umgang mit modernen Kommunikationsmedien, der ultimativen Stolperfalle also für so viele althergebrachte Genresituationen, die sich mit der heute selbstverständlichen ständigen Erreichbarkeit und der Option, alles zu dokumentieren, so einfach nun nicht mehr erzählen lassen. Williamson und Craven machen sich all das zunutze und geben ihrem scheinbar aus den 90ern herübergebeamten Gruselspaß zumindest einen modernen Anstrich. Der Rest ist dem Geiste des Originals verpflichtet; so sehr allerdings, daß die Thematisierung des grassierenden Remake-Wahns im Horrorgenre keineswegs ein pflichtschuldig postmoderner Meta-Joke bleibt, sondern gleich die ganze Wahrheit über SCREAM 4 erzählt: Der Film ist eine unverhohlene Neuauflage des Originals. Und das weiß er auch. Denn wie sollte er sonst mit dem so paßgenauen wie abgebrühten Mega-Spruch "Don't fuck with the original" aufwarten? In den letzten 20 Minuten schwingt sich Cravens unterhaltsame Reunion nämlich doch noch zu einem saftigen Finale auf, gloriose Selbstverstümmelungsszene inklusive. Und so lautet das finale Urteil über diesen vielleicht unnötigen, aber auch nicht überflüssigen Film: Sehenswert.











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