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SCIENCE OF HORROR – WENN DIE KETTENSÄGE ZUM PENIS WIRD (Deutschland 2008)

von Rajko Burchardt

Original Titel. SCIENCE OF HORROR: IF THE CHAINSAW IS A PENIS
Laufzeit in Minuten. 81

Regie. KATHARINA KLEWINGHAUS
Drehbuch. KATHARINA KLEWINGHAUS
Musik. FANTÔMAS . JAN LEHMANN . HANNAH VON HÜBBENET
Kamera. RALPH GOERTZ . THOMAS JANZE . LOGAN LEABO
Schnitt. NORMANN PETKAU
Darsteller. BRUCE CAMPBELL . CAROL CLOVER . JOHN CARPENTER . NEIL MARSHALL u.a.

Review Datum. 2008-07-28
Kinostart Deutschland. 2008-08-05

Dass sich der Horrorfilm leicht als Ventil für sexuelle Unterdrückung, als Ergänzungsstück, als Surrogat rezipieren und letztlich natürlich auch konsumieren lässt – es ist wahrlich keine neue Lesart. Die Gewaltakzente, gesetzt wie Höhepunkte in einem Pornofilm, und das feucht-fröhliche Staken in Blut und Gedärm als eben schönes Korrelat zur Sperma-Sauerei beim Cum-Shot. Die sozialwissenschaftliche Filmanalyse hat das so ausgiebig und voller Elan immer wieder untersucht, belegt und an Geschlechter-Diskursen abgeglichen, dass selbst dem durchschnittlichen Gorehound von nebenan derweil klar sein sollte, dass der Genuss eines Horrorfilms auch oder vielleicht vor allem ein delegierter ist. Sublimierte (Lust-)Empfindungen via Hackefälleraxt und Machete, oder noch ein wenig banaler: SCIENCE OF HORROR – WENN DIE KETTENSÄGE ZUM PENIS WIRD.

Die Dokumentation von Katharina Klewinghaus ist in gewisser Hinsicht eine filmische Übersetzung des bekannten Carol J. Clovers-Buches "Men, Women, & Chain Saws: Gender in Modern Horror Film" und legt ihren Schwerpunkt auf die feministische Filmkritik- und –Rezeption, und lässt zahlreiche Genregrößen von Bruce Campbell über Tom Savini bis zu Wes Craven, sowie Film- und Sozialwissenschaftler zu Wort kommen – deckt also Praxis und Theorie gleichermaßen ab und garniert die Interviewschnipsel zudem mit Filmausschnitten und Zwischenanimationen.

Der Film jedoch hat leider arge Probleme einen Fokus zu finden. Weil Klewinghaus sich nicht entscheiden kann, ob sie ein Fachpublikum, Genrefans oder Einsteiger adressieren möchte, bewegt sich SCIENCE OF HORROR immer irgendwo zwischen reizvollem Ansatz und hohler Phrasendrescherei. Die Hinleitung zum Thema misslingt gänzlich, ehe der Film auf genreübliche gender construction zu sprechen kommt, hält er sich mit hinlänglichem Geplapper von kathartischen Effekten und dem Horrorfilm als Amüsement auf. In der einen Minute geht es dabei dann noch um Rating-Ungleichheiten bei Studio- und Independentproduktionen, in der nächsten wird plötzlich über die latente Homosexualität in DRACULA'S DAUGHTER und REBECCA spekuliert. Der Film windet sich dabei nicht nur unbeholfen um diverse Themenkomplexe, sondern kratzt auch lediglich an deren Oberfläche: Der Informationsgehalt zu ersterem schließlich ist selbst in der ihrerseits zwiespältigen Kirby Dick-Doku THIS FILM IS NOT YET RATED höher, und letzteres wird ausgiebig in der kongenialen Epstein/Friedman-Arbeit THE CELLULOID CLOSET untersucht (mit deckungsgleichen Beispielen).

Irgendwann ist dann die Rede von der Kettensäge als Penisersatz, aber so unmotiviert der Film damit schließlich zu Potte kommt, so wenig Essentielles fällt ihm auch ein. Die wenigen wirklich einigermaßen handfesten und interessanten Beiträge kommen allesamt von Judith Halberstam, ansonsten reden die Beteiligten (oder schneidet die Filmemacherin) auch gern mal am Thema vorbei. Denn abgesehen davon, dass SCIENCE OF HORROR für Fachkundige nur Altbekanntes aufbereitet und leidlich Interessierte mit absoluten Aussagen und Spoilern überrollt, also keiner Zielgruppe wirklich gerecht wird, stolpert er letztlich vor allem über seine eigene Produktionsgeschichte. Somit bleibt dieses Doku-Vorhaben irgendwie nur eine indifferente und leider auch kontextlose Ambition.











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