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SCHWERTER DES KÖNIGS - DUNGEON SIEGE (Deutschland/Kanada/USA 2007)

von Marcus Popescu

Original Titel. IN THE NAME OF THE KING: A DUNGEON SIEGE TALE
Laufzeit in Minuten. 150

Regie. UWE BOLL
Drehbuch. DOUG TAYLOR . JASON RAPPAPORT . DAN STRONCAK
Musik. JESSSICA DE ROOIJ . HENNING LOHNER
Kamera. MATTHIAS NEUMANN
Schnitt. MAUREEN WEBB
Darsteller. JASON STATHAM . JOHN RHYS-DAVIES . RAY LIOTTA . MATTHEW LILLARD u.a.

Review Datum. 2007-05-17
Kinostart Deutschland. 2007-11-29

Natürlich waren die Erwartungen an Uwe Bolls neueste Videospielverfilmung hoch. Wir alle haben es erwartet, jenes Gefühl im dunklen Kinosaal, dass einen unweigerlich beschleicht, wenn man wieder einen Boll-Output vor sich hat - eine Mischung aus Schadenfreude, Apathie und dunkler Verzweiflung, die sich mit Galgenhumor und putzigen Schabernacks während der Vorführung zumeist jedoch hervorragend kompensieren lässt. Es hat einfach Tradition auf dem American Filmmarket, sich jedes Jahr erneut in masochistischer Beharrlichkeit diesem Ritual auszuliefern, und nun bot sich gleich doppelte Gelegenheit zu einem Ausflug in das Universum des Uwe Boll. Der erste Film des Tages sollte IN THE NAME OF THE KING sein und, um es gleich vorwegzunehmen, wurden eher diejenigen enttäuscht, die ein komplettes Debakel erwartet hatten, denn so schlecht ist die überlange Fantasy-Plotte nun auch nicht. Aber der Reihe nach ...

IN THE NAME OF THE KING wurde nur als private Vorführung gezeigt und nicht im offiziellen Programm des AFM aufgeführt. Entsprechend wenige Leute hatten sich an diesem Morgen in dem kleinen Screeningraum zusammengefunden, als Uwe Boll die Szene betrat, um den Film anzukündigen. KING sei gerade erst zwei Tage zuvor fertig geworden, erklärte er, insofern müsse man derzeit noch mit einigen unfertigen CGIs und anderen Provisorien rechnen. Dann erläuterte er seine Pläne für das kommende Jahr, die derzeit neben dem in Post Production befindlichen POSTAL noch ALONE IN THE DARK 2, BLOODRAYNE 2 (angesiedelt im Wilden Westen und mit Natasha Malthe anstatt der Loken in der Titelrolle) und natürlich FAR CRY umfassen - für letzteren stehe derzeit zwar Kurt Russell zur Diskussion, allerdings habe auch KING-Hauptdarsteller Jason Statham nach Lesen des Skripts ernsthaftes Interesse bekundet. Zu guter Letzt wies Boll noch auf den im Anschluss folgenden SEED hin, der die Grenzen des Hardcore-Horrors neu definieren werde; dann verließ er den Saal. Der Vorhang öffnete sich und gab den Blick auf eine leider etwas kleine Leinwand frei. Nun denn: Zurücklehnen, Popcorn raus - enjoy the show ...

In einem Königreich vor langer Zeit: Unser Held, den alle nur Farmer nennen, führt mit seiner Familie ein erfülltes Leben in einem kleinen Dorf am Waldesrand, wo er als Bauer seine Felder bestellt. Doch die Ära des bescheidenen Wohlstands neigt sich dem Ende zu, als seine Heimat von den orcähnlichen Krugs überfallen wird. Die blutgierigen Tiermenschen, die unter der Kontrolle des machtbesessenen Magiers Gallian (dauergewellt: Ray Liotta) stehen, töten Farmers Sohn, brennen sein Haus nieder und versklaven die Überlebenden des Massakers. Farmers Frau ist unter den Gefangenen, und so greift der Bauer zornentbrannt zur Waffe und bricht mit seinen Freunden auf, um die Geliebte zu retten. Ihr Weg währt nicht lang, denn bald wird die kleine Gruppe von den Krugs entdeckt und gefangen genommen. Farmer wird zum sofortigen Tode verurteilt und harrt, gefesselt an einen Baum, seines Schicksals ...

Unterdessen am Königshof: Landesvater Konreid und sein Hofmagier Merick beobachten die jüngsten Entwicklungen mit Sorge. Des Königs Neffe Fallow (herrlich schräg: Matthew Lillard), der zukünftige Thronfolger, ist ein schwacher und debiler Nichtsnutz, der nach der Krone giert und sich mit oben erwähntem Schwarzmagier zusammentut, der freilich seine eigenen, finsteren Pläne verfolgt: Er lenkt das Heer der Krugs gegen die Burg. Hastig stellt der König eine Streitmacht zur Verteidigung zusammen, aber die Lage scheint aussichtslos. Merick hält nun die Zeit für gekommen, König Konreid zu enthüllen, wer Farmer wirklich ist - in letzter Sekunde gelingt die Rettung des vermeintlichen Bauern. Jetzt steht der Auserwählte unerwartet an der Spitze einer verzweifelten Armee gegen die finsteren Mächte. Und plötzlich überschlagen sich die Ereignisse: Der König erliegt einem Giftanschlag seines Neffen. Gallian befiehlt seinen Krugtruppen den finalen Angriff. Muriella, die rebellische Tochter des Hofmagiers, gewinnt die Unterstützung der geheimnisvollen Waldelfen. Eine gewaltige Schlacht beginnt, und Farmer kämpft einen verzweifelten Kampf um die Zukunft seiner Welt, die Freiheit seines Volkes und um das Leben seiner gefangenen Frau ...

IN THE NAME OF THE KING ist keine High-Concept-Fantasy. Der Hintergrund der mittelalterlichen Welt bleibt größtenteils im Dunkeln, und die Gefahren der archaischen Epoche sind weitestgehend bekannt. Bis auf die Krug (und mit Einschränkungen die Waldelfen) existieren scheinbar keine weiteren magischen Geschöpfe, und so könnte KING durchaus beinahe als martialisches (wenn auch mit Blick auf ein familienfreundliches PG-Rating gedrehtes) Historienepos durchgehen, dem man seine 60 Millionen Dollar Produktionskosten nie wirklich ansieht. Insofern bleibt alles beim alten im Universum des Uwe Boll - trotz aller Bemühungen ist sein Fantasy-Epos nicht einmal ansatzweise eine ernsthafte Konkurrenz für das offensichtliche Vorbild LORD OF THE RINGS. Derartige Vergleiche, und seien sie auch vom Macher selbst heraufbeschworen, sind jedoch unfair, denn für sich allein genommen macht KING nicht einmal eine schlechte Figur. Das Drehbuch behält stets die Kontrolle über den Verlauf der multiplen Handlungsstränge und knüpft die Fäden gegen Ende auch einigermaßen plausibel zusammen. Die Story ist nach Fantasy-Maßstäben zwar nur durchschnittlich einfallsreich, dennoch stellt sich im Verlauf der reichlich zweieinhalb Stunden keine richtige Langeweile ein. Die Schauspieler, nach Boll-Manier ein Gemisch aus B-Prominenz und ehemaligen A-Recken, ziehen sich durchaus achtbar aus der Atmosphäre: Hauptdarsteller Jason Statham zeigt gewohnte Präsenz, Burt Reynolds verleiht dem König bisweilen einen Hauch desillusionierter Altersweisheit und Matthew Lillard ist zweifelsohne in seinem Element, wenn er wieder mal den durchgeknallten Freak geben darf. Negativ fallen dagegen Lelee Sobieski als Magiertochter und Kristanna Loken als Anführerin der Waldelfen auf - beide bleiben blass und die Loken bringt es trotz ihrer kurzen (und absolut überflüssigen) Gastrolle fertig, mit erstaunlichem Untalent zu brillieren. Nicht unerwähnt bleiben darf Tiefpunkt Ray Liotta, der nicht nur mit hölzernen Dialogen zu kämpfen hat, sondern auch mit seiner unglaublich geschmacklosen Fönfrisur und einem schauderhaften Make-up.

Bolls Opus Magnum bleibt also erneut zwiespältig. Ein stringenteres Script sorgt für einen ungewohnt lückenlosen Erzählfluss, der zum Dranbleiben animiert; auf der anderen Seite steckt der Teufel, wie immer, im Detail. Uwe Boll hat sein Gesamtprodukt erneut über die Summe seiner Einzelteile gestellt, und diese Nachlässigkeit trübt auch den Gesamteindruck von KING. Das fängt, wie oben erwähnt, beim Make-up von Ray Liotta an und zieht sich weiter durch den Film: Die Luftaufnahmen der Gefährten kopieren unnötigerweise die Einstellungen aus "Lord of the Rings", die Masken der Krugs, immerhin die einzig echten Fantasy-Wesen in KING, wirken lieblos und uninspiriert, die Kampfchoreographie bleibt weit unter ihren Möglichkeiten, Darsteller wie Ron Perlman werden regelrecht verheizt, Kameramann Mathias Neumann verschenkt potentiell wunderschöne Bilder zugunsten einer maximal zweckmäßigen TV-Dramaturgie und schon im viertelstündigen Happy Family-Prolog trägt ein unsicherer Boll die Emotionen aus Angst vor Missverständnissen derart dick auf, dass man beim Überfall der Krugs erleichtert aufatmet.

Hinterher bleibt schwer zu sagen, warum KING zumindest als Sonntagnachmittags-Unterhaltung dennoch ganz ordentlich funktioniert - 60 Millionen Dollar jedoch sind dafür ganz gewiss zu viel. Und ganz am Ende scheint (zumindest im Rohschnitt) dann doch endlich wieder der alte Boll durch, wenn über den noch unfertigen Endcredits ausgerechnet "Skalds & Shadows" von Blind Guardian plakativ darauf hinweist, dass wir eigentlich gerade einen Fantasyfilm gesehen haben ...











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