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SAINT (Niederlande 2010)

von Marc Zeller

Original Titel. SINT
Laufzeit in Minuten. 85

Regie. DICK MAAS
Drehbuch. DICK MAAS
Musik. DICK MAAS
Kamera. GUIDO VAN GENNEP
Schnitt. nicht bekannt
Darsteller. HUUB STAPEL . CARO LENSSEN . EGBERT-JAN WEEBER . BERT LUPPES u.a.

Review Datum. 2011-09-27
Kinostart Deutschland. direct-to-video

Wenn ein GHOST SHIP durch den NEBEL DES GRAUENS nach Amsterdam fährt, um am Nikolaustag ein verspätetes HALLOWEEN abzuhalten, kann das nur eins bedeuten: Kein Fliegender, sondern ein Filme drehender Holländer - in diesem Fall Dick Maas - hat seine Finger im Spiel. Der Macher von FAHRSTUHL DES GRAUENS will uns in seinem Genre-Crossover SAINT die Story vom Nikolaus erzählen. Nur nicht ganz so, wie wir sie kennen.

Der Nikolaus ist nämlich gar kein so lieber Kerl. Tatsächlich war er ein grausamer Bischof aus dem 15. Jahrhundert, der seine Untertanen so lange tyrannisierte, bis sie ihn mitsamt seiner Crew auf seinem Schiff abfackelten. So was geht nie gut, wie Horrorfans spätestens seit NIGHTMARE bekannt sein dürfte. Seit seinem Tod kehrt der SAINT etwa alle 30 Jahre in die Welt zurück - immer dann, wenn in der Nacht zum 6. Dezember der Vollmond scheint. Und dann werden nicht die Stiefelchen gefüllt, sondern ein Gemetzel unter den Bewohnern von Amsterdam veranstaltet, das nur die Kinder überstehen - weil die nämlich nach Spanien entführt werden, wo weiß der Geier was mit ihnen passiert.

Goert (Bert Luppes), seines Zeichens alternder Cop in Amsterdam, musste als Kind miterleben, wie seine Familie von eben jenem weißbärtigen alten Mann ermordet wurde. Heute, genau 32 Jahre nach dem schrecklichen Erlebnis, kehrt Sankt Nikolaus zurück - und Goert ist fest entschlossen, den verfluchten Heiligen ein für alle Mal zu stoppen. Sein Problem: Die ganze Stadt feiert fröhlich die Nikolausnacht - und keiner glaubt dem alten Mann seine abstrus klingende Geschichte ...

Es ist eine Art abgefahrene urban legend,die uns Dick Maas in SAINT verzapfen will, verbunden mit Motiven der klassischen Geistergeschichte und der Struktur eines Slashers. Klingt schräg, ist auch so - aber mit der harten und schnellen Gangart, die Maas gleich zu Beginn vorlegt, überfährt der Niederländer alle Zweifel an seiner Zielstrebigkeit. Irgendwo zwischen abgetrennten Gliedmaßen und literweise umherspritzendem Blut findet der Regisseur auch noch reichlich Platz für Selbstironie und treffsicheren Humor. Und ist damit auf dem richtigen Weg, denn alle Härte und Spannung können den Trash- und Spaßcharakter dieser Nikolaus-Story nicht verschleiern.

Es gibt noch viel, was man loben kann - von der schick altmodischen Spannungsmusik, die wie bei Maestro Carpenter auch vom Regisseur selbst stammt, über gelungene Reminiszenzen an einige Genre-Klassiker bis hin zu grandiosen Einzelszenen wie der irren Verfolgungsjagd, in der die Cops auf den Straßen versuchen, den Nikolaus im Auge zu behalten, während dieser mit seinem Pferd (!) den Weg über die Dächer nimmt. Und so braucht man relativ lange, bis man die wirklich störenden Baustellen wahrnimmt, die SAINT letztlich viel von seiner Gesamtwirkung nehmen. Die unnötigen CGI-Effekte beispielsweise, die - dem Osterhasen sei Dank! - fast nur bei den Schiffszenen im Hafen vorkommen, sehen so bemitleidenswert peinlich aus, dass man der Produktion dringend aus eigener Tasche eine neue SFX-Truppe spendieren will. Gegen Ende verliert Maas dann auch im selbstverfassten Drehbuch den Faden, sodass man auf ein schnelles Ende hofft, bevor die positiven Eindrücke sich im Nebel der Logikfreiheit verflüchtigen können.

Ob am Ende der Ärger über vertane Chancen oder doch die Freude über einige kultige Momente überwiegt, wird wohl je nach Grundstimmung und/oder Alkoholpegel variieren. Auf seine ganz spezielle Weise hat dieser zugleich alberne wie brettharte Trashgrusler durchaus das Potential, seiner Zielgruppe in der kalten Jahreszeit die Herzen zu wärmen.











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