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RUSH HOUR 3 (USA 2007)

von Hasko Baumann

Original Titel. RUSH HOUR 3
Laufzeit in Minuten. 90

Regie. BRETT RATNER
Drehbuch. JEFF NATHANSON
Musik. LALO SCHIFRIN
Kamera. J. MICHAEL MURO
Schnitt. MARK HELFRICH . BILLY WEBER
Darsteller. JACKIE CHAN . CHRIS TUCKER . MAX VON SYDOW . HIROYUKI SANADA u.a.

Review Datum. 2007-08-10
Kinostart Deutschland. 2007-08-16

Anfang der 80er Jahre war das. Was die Herren Bud Spencer und Terence Hill mit ihrem Prügelkino eingeleitet hatten, mündete in immer dümmere Klamaukorgien aus ganz Europa. Rappelvolle Sonntagsnachmittagsvorstellungen, in denen sich die Jungs und ihre Väter über platte Gags und doofe Plots beölten. Am Ende der Fahnenstange standen Thomas Gottschalk und Mike Krüger. So war das damals. Und so ist es heute wieder. Jackie Chan ist Gottschalk, Chris Tucker ist Krüger. Was Anfang der 80er "Zwei Windbeutel räumen auf" oder "Der Gelbe und die Preßkohle" geheißen hätte, trägt heute den Titel RUSH HOUR 3. Und das ist der PIRATENSENDER POWERPLAY für das neue Jahrtausend.

Nach einem recht unterhaltsamen ersten und einem in Sachen Witz und Action stark zurückgenommenen zweiten Teil zeigt die dritte Runde ausnahmlos alle Beteligten in absoluter Tiefstform. Chris Tucker wirkt, als wäre ihm der ganze Quatsch völlig egal; bei Jackie Chan weiß man, daß ihm der ganze Quatsch völlig egal ist. Das, was ihn ausmacht, wird dieses Mal auf ein absolutes Minimum reduziert. Die kurzen Rangeleien, in denen er kurz etwas rumhampeln darf, sind nicht der Rede wert. Im Allgemeinen hat man auf Action fast völlig verzichtet. Eine undynamische Autoverfolgungsjagd mit erbarmunsgwürdigen Green Screen-Effekten muß da schon als Höhepunkt gewertet werden.

Statt Handkantengeholze und spektakulären Stunts gibt es jede Menge Klamauk. Das hier ist eine Chris Tucker-Show, und sie ist nicht lustig. Obwohl die hier dargebotenen Scherzchen schon zu POLICE ACADEMY-Zeiten einen ellenlangen Bart hatten, gelingt es Regisseur Brett Ratner, jeden einzelnen dieser Uralt-Witze total zu versemmeln. Tucker, der bis auf die RUSH HOUR-Filme schon lange nichts mehr macht, darf man beim Abspulen seines Programms und vor allem beim insgeheimen Geldzählen zusehen. Selbst wenn er im Film einer Kloake entsteigt, will er noch geschniegelt wie ein satter Hollywoodstar rüberkommen, und das tut er auch. Jackie Chan steht stocksteif daneben und darf erneut zeigen, zu was er als Schauspieler fähig ist. Nämlich zu gar nichts.

Eine Handlung gibt es nicht. RUSH HOUR 3 ist eine zusammenhanglose Aneinanderreihung von lahm gefilmten Sequenzen, die mittig zum Stillstand kommt, als Max von Sydow (ja, Max von Sydow) erklären muß, warum Chan und Tucker sich auf der Jagd nach Chans bösem Bruder bis nach Paris gekalauert haben. Zu Paris fallen Ratner ein paar luschige, farbarme Establishing Shots ein, seinen Autoren ein luschiges Finale auf dem Eiffelturm und den Casting-Leuten Yvan Attal als übelstes Froschfresser-Klischee. Der minderbemittelte Taxifahrer wird erst zum Mann, als er einen Bösmann von hinten abknallt - da hat man, neben ein paar Wuhaha-Schlüpfrigkeiten, noch ein bißchen was für Papa ins Kinderkino gemogelt.

In einem Gastauftritt glänzt Roman Polanski als Flic, der den beiden Ulknudeln den Anus durchwühlt. Für kurze Zeit ist so etwas wie Konzentration zu spüren, wenn der Altmeister sich die Ehre gibt, aber dann wird weitergewitzelt und ermittelt - alle Verdächtigen und Gesuchten treiben sich immer just da rum, wo die zwei Superschnüffler sich aufhalten, wenn sie nicht gerade in einem Superluxushotel Stellung beziehen. Langweiliger und kleinkarierter kann Blockbuster-Kino kaum sein. Ein Teil der Besucher der Pressevorführung hat sich aber beölt und auch von der lausig abgemischten Synchronfassung nicht stören lassen. Vielleicht liegt es ja auch an mir. Ich bin irgendwie allergisch gegen Scheiße.











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