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ROMANCE & CIGARETTES (USA 2005)

von Matthias Mahr

Original Titel. ROMANCE & CIGARETTES
Laufzeit in Minuten. 105

Regie. JOHN TURTURRO
Drehbuch. JOHN TURTURRO
Musik. CHRIS ROBERTSON
Kamera. TOM STERN
Schnitt. RAY HUBLEY
Darsteller. JAMES GANDOLFINI . SUSAN SARANDON . KATE WINSLET . CHRISTOPHER WALKEN u.a.

Review Datum. 2006-10-26
Kinostart Deutschland. direct-to-video

Die Legende im Viennale-Katalog will es so, dass John Turturro, als er während des Drehs von BARTON FINK vor der Kamera in die Tasten klopfte, in Wirklichkeit einen Rohentwurf samt erster Szene dieses Filmes, bei dem die Coens unter den ausführenden Produzenten sind, verfasste. Das klingt schon ein wenig zu weird um wahr zu sein, auch wenn es aus dem Mund Turturros stammen soll, andererseits gibt es hier schon eine gewisse Verwandtschaft der Themen. Schrieb Fink, nachdem er seine Blockade endlich überwunden hat, ein Wrestling-Skript im Gewand eines Proletarier-Dramas legt Turturro hier ein Proletarier-Drama verkleidet als Musical hin. Dazu noch die "Hitze" aus dem Coen-Kultfilm, die auch in diesen Film und vor allem Kate Winslets Rolle gefahren sein dürfte.

Die Geschichte ist dünn: Bauarbeiter Nick Murder (Gandolfini) schlittert in eine Ehekrise nachdem seine Frau Kitty (Sarandon) wegen eines dreckigen Briefs seiner Affäre mit der Dessousverkäuferin Tula (Winslet) auf die Schliche gekommen ist. Aber sie ist hier auch nur sekundär:

Der Film lebt von der komischen Wirkung, sleazy Situationen und eine ganz und gar ungewählte Ausdrucksweise mit einer klassischen Musicalinszenierung zu verbinden. Die harte Realität und die polierte Musicalwelt sollen sich aneinander aufzureiben. So leben die Murders (was für ein Name) in Queens direkt unter der Anflugschneise. Die Flugzeuge sind dementsprechend oft im Bild, machen dabei aber keinen störenden Lärm.
Dabei scheut sich Turturro nicht, die seltsamsten Chorus Lines aufzustellen. Von Müllmännern über Feuerwehr und Polizei bis zu schwangeren Frauen ist alles vertreten. Der eigentliche Clou ist aber die Auswahl der Lieder bzw. ihr Einfluss auf den Film. Ein wenig erinnert dies an DEAD MEN DON'T WEAR PLAID in dem die eigentliche Filmhandlung maßgeblich durch die Vorgaben aus Zitaten alter Filme beeinflusst wird. Will dort Steve Martin James Cagney im Gefängnis besuchen (wobei eine Szene aus WHITE HEAT eingeschnitten wurde) muss er sich vorher als Mutter von Cagneys Charakter verkleiden. Ähnlich verhält es sich hier: Handlung und Charakternamen passen sich den Lyrics bekannter Oldies an. "Tula" etwa stammt aus El cuarto de Tula einem Song des Buena Vista Social Club. Das Highlight des Films ist aber Christopher Walkens Darbietung des Tom Jones Songs Delilah, dem ein süffisanter Kontrapunkt entgegen gesetzt wird. Mitunter mag es einem auch erst durch diesen Film wie die Schuppen von den Augen fallen, worum es bei diesen Liedern überhaupt geht, wenn man bislang nicht so auf die Texte geachtet hat.
Man muss einräumen, dass in der zweiten Hälfte ein wenig die Luft rausgeht. Das Neue, Ungewohnte ist irgendwann mal weg. Die zuletzt etwas tragischen Töne können das auch nicht kompensieren. Die immer köstlich vulgären Dialoge verlieren etwas an Witz. Aber dann ist man bereits so erfüllt von den sinnlichen Eindrücken der ersten Stunde, dass die Euphorie bis zum Schluss mitschwingen sollte. Und die Inszenierung der Musikeinlagen bleibt abwechslungsreich. Diesen Film kann man wirklich auch beruhigt Leuten empfehlen, die sonst rein gar nichts mit Musicals anfangen können.











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