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RELIGULOUS (USA 2008)

von Stefan Rybkowski

Original Titel. RELIGULOUS
Laufzeit in Minuten. 101

Regie. LARRY CHARLES
Drehbuch. BILL MAHER
Musik. RICHARD HENDERSON
Kamera. ANTHONY HARDWICK
Schnitt. JEFF GROTH . CHRISTIAN KINNARD . JEFFREY M. WERNER
Darsteller. BILL MAHER . DEAN HAMER . GEERT WILDERS . JULIE MAHER u.a.

Review Datum. 2009-04-01
Kinostart Deutschland. 2009-04-02

Vielen Komikern ist nichts heilig. Erst recht nicht Dinge, die von nicht wenigen als wirklich heilig erachtet werden. So macht sich US-Comedian Bill Maher, seines Zeichens militanter Atheist, in dieser Dokumentation auf, Menschen vom Glauben abzubringen. Egal ob man an Gott, Allah oder sonstige Götter glaubt, laut Maher ist das nicht nur dumm und naiv, sondern auch der Ursprung allen Übels in der Welt. Dabei geht er meist in bester Michael-Moore-Manier ziemlich polemisch an die Sache heran, seltener aber auch sachlich. Zu allererst bekommt das Christentum Mahers Zorn zu spüren. Egal ob in einer kleinen Truckerkapelle, im Büro eines Senators oder bei einem Ex-Schwulen, der mit der Hilfe Gottes zur "richtigen" Seite zurück gefunden hat, überall hinterlässt Maher einen subversiven Nachgeschmack. Meist sind es seine Interviewpartner selbst, die sich um Kopf und Kragen reden und dabei in ein Fettnäpfchen nach dem anderen treten. So beendest Senator Mark Pryor das Gespräch mit Maher beispielsweise mit den Worten: "You don't have to pass an IQ test in order to be in the Senate." und entblößt sich dabei selbst.

Es sind vor allem die Gespräche, die von Maher zwar gut vorbereitet sind, aber ihrem Gegenüber eigentlich keine Chance lassen, das Ganze sachlich zu diskutieren. Selbstredend findet Maher auch Interviewpartner, denen ihre Verlogenheit bereits ins Gesicht geschrieben steht - so hält sich ein hispanischer Prediger mit dem Namen Jesus natürlich auch für den direkten Nachfahren Jesu Christi und damit auch für den Heilsbringer -, aber meist sind es doch einfache Passanten, die er unter anderem in christlichen Themenparks vorfindet, die niemandem etwas wollen, sondern in Frieden ihrem Glauben nachkommen. Hier treibt es Maher des Öfteren auf die Spitze, aber stets auf eine Art und Weise, die einen gewissen Charme und Humor besitzt, so dass man es zwar besser weiß, aber dennoch mit Maher lachen kann. Die vielen kleinen Clips und das Archivmaterial, die immer wieder äußerst passend dazu eingeblendet werden, tun ihr Übriges. Speziell wenn Maher Sekten wie die Mormonen anspricht, bleibt kein Auge mehr trocken, denn hier zeigt sich der Unterschied zwischen Glauben und Sektiererei am deutlichsten.

Manchmal fragt man sich auch einfach nur erstaunt, wo Maher seine Interviewpartner überhaupt gefunden hat. So trifft er im Vatikan beispielsweise auf einen Priester, der besser als Komiker statt als katholischer Geistlicher arbeiten sollte. Nicht selten erinnert die Machart vor allem der Interviews dabei an Larry Charles vorherigen Film BORAT. Und auch Maher schlägt, wie Borat, hin und wieder über die Strenge. So erwidert er auf die Aussage eines Gläubigen, der vom Leben nach dem Tod schwärmt nur: "Then why don't you kill yourself?" Nicht gerade eine feine Diskussionskultur, die Maher hier prägt, aber eine bisweilen effektive. Viele seiner Partner, allen voran jene, die als Vertreter des Islam agieren, stellen Wahrheiten als falsch dar ("Boy, I really must have done some bad research!") und reden sich dabei um Kopf und Kragen. Doch ihnen allen bleibt letzten Endes nur das Schicksal der Dummen, als die sie Maher zu einem Großteil sieht und macht. Seine Haltung gegenüber den großen Religionen – oder vielmehr überhaupt allem Übernatürlichen – macht er klar, gegen Ende leider etwas zu deutlich und pathetisch, so dass die bisweilen aufkommende Qualität leider etwas leidet.

Am Ende bleibt RELIGULOUS weniger eine ernst zu nehmende Dokumentation über den (Irr-)Sinn des Glaubens als vielmehr ein unterhaltsamer, aber wenig wissenschaftlicher Diskurs über Religion mit all ihren positiven und vielmehr negativen Seiten und Effekten. Dem Sujet wird der Film dabei natürlich nicht gerecht, aber seinen Zweck, nämlich das Nachdenken über die Folgen der religiös geprägten Konflikte dieser Welt, erfüllt er allemal. Was auf den ersten Blick recht nüchtern klingt, ist in Wirklichkeit ein Sammelsurium von komischen Käuzen ("Ex-Jews for Jesus", schwule muslimische Aktivisten, Fernsehprediger und natürlich auch Starautorin und Starmormonin Stephanie Meyer) und (Propaganda-)Filmen, die in ihrer Gesamtheit unterhaltsamer sind als so mancher Film, der sich Komödie schimpft. Ein Manifest gegen die menschliche Naivität.











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