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RED DAWN (USA 2012)

von André Becker

Original Titel. RED DAWN
Laufzeit in Minuten. 93

Regie. DAN BRADLEY
Drehbuch. CARL ELLSWORTH . JEREMY PASSMORE . TONY GILLROY
Musik. RAMIN DJAWADI
Kamera. MITCHELL AMUNDSEN
Schnitt. RICK PEARSON
Darsteller. CHRIS HEMSWORTH . JOSH PECK . ADRIANNE PALICKI . JEFFREY DEAN MORGAN u.a.

Review Datum. 2012-12-26
Kinostart Deutschland. 2012-12-27

Als 1984 DIE ROTE FLUT seine Weltpremiere feierte, empörte sich in mehreren Ländern eine aufgebrachte Öffentlichkeit über das unverhohlen zur Schau gestellte ethnozentristische Weltbild der amerikanischen Großproduktion. Regisseur John Milius, der zwei Jahre vorher Arnold Schwarzenegger mit dem hinreißenden CONAN DER BARBAR zu ersten Ruhm verhalf, setzte auf ein klares ethnisches Feindbild und spiegelte damit ziemlich treffsicher die tatsächlichen politischen Gegebenheiten der damaligen Ost-West-Problematik. Fast zwanzig Jahre später bekommt nun auch der bei Kritikern nicht gerade geschätzte DIE ROTE FLUT ein Remake spendiert.

An der Story hat sich eigentlich kaum etwas geändert. Erneut wird Amerika von ausländischen Truppen heimtückisch angegriffen. Die Invasoren stammen diesmal allerdings aus dem kommunistischen Nordkorea. Ort der Handlung ist aber wieder eine pittoreske Kleinstadt, wo mehrere Teenager und junge Erwachsene den Widerstand wagen und die Truppen mit mehreren Guerillaaktionen empfindlich dezimieren. Anführer der Widerstandsgruppe mit Namen Wolverines ist der junge Marine Jed Eckert (Chris Hemsworth), der zusammen mit seinem Bruder Matt (Josh Peck) und weiteren mutigen Teenager die haushoch überlegenden Feinde immer wieder in neue Fallen locken kann und damit den Zorn des nordkoreanischen Generals Cho (Will Yun Lee ) auf sich zieht. Als die Gruppe auf mehrere amerikanische Soldaten (u.a. Jeffrey Dean Morgan) trifft beschließen sie zusammen die Übermacht der Invasoren mit einem entscheidenden Angriff aufzureiben.

Eins ist bereits nach mehreren Minuten klar. RED DAWN ist ein zutiefst altmodischer Film. Was soviel heißt wie: Man fühlt sich wie in einem achtziger Jahre Actionmovie. Das Regisseur Dan Bradley in Bezug auf Patriotismus und Gut-Böse-Schema dermaßen nah am Original bleibt war so nicht unbedingt zu erwarten. Fast ist man geneigt zu konstatieren, dass Bradley und die Drehbuchautoren Ellsworth, Passmore und Gilroy diesbezüglich die Vorlage noch überflügeln. Die Wolverines sind nämlich noch einen Tick stromlinienförmiger gezeichnet, d.h. moralisch noch gefestigter und vor allem vaterlandsliebender als 1984. Das beschert der Produktion mehrere Fremdschönmomente, die zusammen mit dem aufdringlichen Score ziemlich bitter aufstoßen. Dank der niedrigen Freigabe im Produktionsland (PG-13) ist zudem sauberes Sterben angesagt. Blut sieht man fast gar nicht. Als ernstzunehmender Kriegs- oder gar Antikriegsfilm geht RED DAWN somit erst recht nicht durch. Vielmehr wirken die Geschehnisse rund um die Wolverines wie ein großes Freizeitabenteuer. Hier zeigte das Original wenigstens noch ansatzweise die Gräuel des Krieges und die psychischen Belastungen und Entgrenzungsprozesse der Protagonisten. Dramaturgisch gesehen versagt RED DAWN insofern auf ganzer Linie. Anteil nimmt man am Schicksal der Figuren nämlich zu keinem Zeitpunkt. Der Krieg bzw. die kriegsähnliche Invasion wird als große, immerhin geschlechterübergreifende Spielwiese inszeniert, der nicht zu brechende Wille der Wolverines als Symbol der moralischen Überlegenheit der amerikanischen Bürger.

Nervtötend klischeebeladen sind außerdem sämtliche Charaktere. Der etwas raubeinige, aber herzensgute Jed (Hemsworth), sein jüngerer draufgängerische Bruder Matt (Peck), die scheue Schönheitskönigin Erica (Isabel Lucas), das toughe, aber doch verletzliche Girlie Toni (Adrianne Palicki) usw. Das die Darsteller dann auch noch absolut mies performen ist doppelt fatal. Mehrere rührselige Szenen (Toni war natürlich früher in den unnahbaren Jed verknallt) wirken so noch unglaubwürdiger. Allen voran Chris Hemsworth beweist zudem ein weiteres Mal, dass er als Schauspieler wirklich gar nichts kann. Der Rest der Darsteller ist aber auch nicht wirklich besser. Im Original gab es wenigstens noch Patrick Swayze, Charlie Sheen und Powers Boothe. Im Remake muss man sich dagegen mit einer Bande von Amateurschauspielern rumärgern.

Wenigstens knallt es zumindest temporär ganz ordentlich, so dass man zeitweise ein wenig von dem ganzen Murks abgelenkt wird. Die Actionszenen sind dabei recht solide inszeniert und die Pyrotechnik leistet saubere Arbeit wenn Häuser in die Luft gejagt werden und mit schwerem Geschütz minutenlang gefeuert wird. Darüber hinaus bietet RED DAWN aber herzlich wenig. Die ganze Story wird lieblos und fast gänzlich unspannend runtergespult. Vollkommen ungenutzt bleibt außerdem das Thema Gruppendynamik. Angesichts der Extremsituation in der sich die Protagonisten befinden ist eigentlich Reibung innerhalb der Gruppe vorprogrammiert. Insbesondere da der Film eine heterogene Gruppenzusammensetzung vorgibt. Stattdessen beschränken sich die zwischenmenschlichen Konflikte in dem sozialen Gefüge Wolverines fast ausschließlich auf Liebeleien und wenige zänkische Auseinandersetzungen zwischen den Brüdern Eckert. Da passt es zum Gesamtbild des Films, dass eine eigentlich sehr zentrale Szene im letzten Drittel, die andeutet wie fragil die Gruppe eigentlich im Kern ist und wie anfällig für Verrat und Egoismus, vollkommen verschenkt und durch die schnelle Abhandlung ihrer gesamten Wirkung beraubt wird.

RED DAWN bleibt insgesamt also nur in den Actionszenen goutierbar. Der Rest ist absolut nichtssagender Hurrapatriotismus mit klischeehaften Figuren, schlechten schauspielerischen Leistungen und einem Flickwerk von Drehbuch, das keinerlei Empathie für die jungen Krawallmacher zulässt. Obwohl das Original nicht der Kultklassiker ist zu dem es gerne verklärt wird, ist John Milius filmischer Kommentar zum kalten Krieg hier eindeutig vorzuziehen.











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