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OUTRAGE (Japan 2010)

von Marc Zeller

Original Titel. AUTOREIJI
Laufzeit in Minuten. 109

Regie. TAKESHI KITANO
Drehbuch. TAKESHI KITANO
Musik. KEIICHI SUZUKI
Kamera. KATSUMI YANAGIJIMA
Schnitt. TAKESHI KITANO . YOSHINORI ÔTA
Darsteller. SÔICHIRÔ KITAMURA . TOMOKAZU MIURA . JUN KUNIMURA . TETTA SUGIMOTO u.a.

Review Datum. 2010-10-21
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Lang, lang ist's her: Mit OUTRAGE kehrt Japans großer Entertainer Takeshi Kitano nach Jahren der Abstinenz zur Yakuza-Thematik zurück, die ihm mit Filmen wie HANA-BI Kritikerlob und internationale Anerkennung beschert hat. Die gute Nachricht: Das kann man ziemlich gut finden. Die schlechte: Aber nur, wenn man sonst nicht viel vom Meister gesehen hat.

"Beat" Takeshi erzählt die Geschichte eines Kriegs zwischen Yakuza-Familien, der eigentlich ganz harmlos anfängt: Ein Unterboss wird in einem Nachtclub, der einer anderen Familie gehört, versehentlich kräftig über den Tisch gezogen. Die anfänglichen Entschuldigungsgebahren mittels doppelter Rückzahlung des Geldes und eines abgeschnittenen Fingers helfen dank der hitzköpfigen und stur-geradlinigen Natur mancher Familienmitglieder (darunter: Takeshi Kitano) herzlich wenig. In der Ehre gekränkt, betoniert die Gegenseite ihre Haltung ebenfalls, und alsbald setzt sich ein Kreislauf von Betrug, Mord und Totschlag in Gang, der nicht mehr zu stoppen ist. Und daran hat so mancher auch gar kein Interesse: Die mächtigen Hintermänner spielen ihr ganz eigenes Spiel um Macht und Kontrolle, bei dem keine Gefangenen gemacht werden ...

Die altbekannte Spirale von Gewalt und Gegengewalt, doch damit nicht genug - Takeshi Kitano inszeniert den gnadenlosen Kampf um die Vorherrschaft zwischen verfeindeten Yakuza als Mammut-Verwirrspiel mit zig Charakteren, um die Ecke gedachten Racheaktionen und einer Unmenge an Storywendungen. Was cool klingt, ist leider über weite Strecken eine Zumutung: Während die Dialoge kein Ende mehr nehmen zu scheinen, verlieren sich die Intrigen in belanglosen Details oder in den Irrungen und Wirrungen eines Beziehungsgeflechts, das schon nach kurzer Zeit kaum noch zu durchblicken ist. Unter diesen Umständen zündet auch Kitanos schräger Humor nicht mehr mit voller Sprengkraft, und so manche herrlich absurde Szene verpufft träge im Nirgendwo. Auf eine grausige Art faszinierend bleiben dann nur noch die typisch übersteigerten Gewaltexzesse, die den dahinplätschernden Plot zerreißen und beinahe zum Wegsehen zwingen. Da zeigt sich dann endlich eine der großen Qualitäten des Altmeisters: Keiner bringt die Sinnlosigkeit und die archaische Brutalität des Tötens erschreckender auf die Leinwand; keiner zeigt die Irreversibilität von Bluttaten mit der gleichen atemlosen Intensität. Katsumi Yanagijimas fängt diese schockierend guten ebenso wie die zuvor genannten schlechten Momente von OUTRAGE in kühlen Farbtönen und unaufgeregter Präzision ein; schön langsam und langsam schön bis zum bitteren Ende.

Zuletzt bleibt der Zwiespalt erhalten - so recht wollen die Eindrücke wie auch der Film an sich nicht zusammenpassen. Doch auch wenn man den Schlusstwist für Kitano-Verhältnisse viel zu gut kommen sieht: Das konsequent durchgezogene Finale spricht für sich und stimmt versöhnlich. Bleibt nur zu hoffen, dass "Beat" Takeshi bald wieder einen Hammer liefert, der seinem Kaliber mehr entspricht.











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