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OPERATION: OVERLORD (USA 2018)

von André Becker

Original Titel. OVERLORD
Laufzeit in Minuten. 110

Regie. JULIUS AVERY
Drehbuch. BILLY RAY . MARK L. SMITH
Musik. JED KURZEL
Kamera. LAURIE ROSE . FABIAN WAGNER
Schnitt. MATT EVANS
Darsteller. JOVAN ADEPO . WYATT RUSSELL . MATHILDE OLLIVIER . BOKEEM WOODBINE

Review Datum. 2018-11-05
Kinostart Deutschland. 2018-11-08

J.J Abrams hat in Hollywood eine steile Karriere hingelegt. Seine Rolle als federführender Produzent ist für OPERATION: OVERLORD deshalb Gold wert. Es ist daher keine wirkliche Überraschung, dass vor allem mit seinem Namen auf Plakaten und in Trailern geworben wird. Insbesondere weil bei der Besetzung weit und breit keine Stars zu finden sind und der Film überhaupt recht ungewöhnlich ausfällt. Der Horror-Actioner ist ein klassisches B-Movie, das so richtig auf dicke Hose macht und seine irrwitzige Story dabei ganz selbstverständlich im Kino-Mainstream platziert. Seien wir ehrlich: Von Nazis im Labor hochgepimpte Super-Soldaten sind doch eher typische Kost für die Direktauswertung via Blu-ray, DVD und Streaming. Die Entscheidung von Abrams und Paramount für diesen No Brainer ein stattliches Millionenbudget bereitzustellen ist insofern durchaus mutig.

Zur Story steht im Pressematerial zwar irgendwas von überraschend tiefsinnig, aber handlungsseitig ist das Dargebotene Trash in Reinkultur. Angesiedelt in den letzten Zügen des zweiten Weltkriegs stößt eine Truppe von US-Soldaten in Frankreich auf ein geheimes Forschungslabor der Besatzer. Und Überraschung: Dort wird nicht an einem neuen Heilmittel gegen Krebs geforscht.

OPERATION: OVERLORD macht schon früh klar, dass die Produzenten kein Billigfilmchen von der Stange im Sinn hatten. Da wird gleich in den Anfangsminuten eine rasante Luftschlacht zelebriert, die es wahrlich in sich hat. Flugzeuge werden von großkalibrigen Kanonen unter Beschuss genommen, gigantische Explosionen erhellen das nächtliche Firmament und überhaupt stehen die Zeichen hier schon sehr deutlich auf donnernde Zerstörung. Nach dieser eindringlichen Eingangssequenz nimmt Regisseur Julius Avery (SON OF A GUN) erst einmal den Fuß vom Gaspedal, lässt eine Handvoll Soldaten im besetzten Frankreich per Fallschirm notlanden und justiert sein Behind-enemy-lines-Setting mit einem bewussten Tempowechsel.

Die Soldaten (u.a. Jovan Adepo und Wyatt Russell) finden in einem kleinen Dorf Unterschlupf, wo sie von einer jungen Frau namens Chloe (Mathilde Ollivier) versteckt werden. Nun heißt es ausharren. Die Situation neu bewerten, die Überlebenschancen realistisch einschätzen und letztlich abwägen wann man eingreift, wenn z.B. der diabolische Nazi-Offizier mal wieder auftaucht um die Dorfgemeinschaft zu terrorisieren. Avery setzt in dieser Filmhälfte in erster Linie auf die Darstellung der Gruppendynamik innerhalb der Soldatentruppe (inklusive der erwartbaren Konflikte darüber, wann es moralisch unumgänglich ist einzugreifen, wenn Unschuldige exekutiert werden etc.) und damit auf die Einführung seiner Hauptfiguren. Diesbezüglich werden zwar weitgehend überraschungsfrei die gängigen Kriegsfilm-Standards bedient, aber immerhin leistet sich der Film keine großartigen Patzer in der Inszenierung. Das ist alles grundsolide ohne Füllmaterial erzählt und teilweise auch überraschend spannend aufgebaut.

Ab der Mitte des Films werden schließlich die Horror-Elemente stärker in den Vordergrund gerückt. Mit der Entdeckung der Forschungsanlage wird es dann so absurd wie erwartet und Avery knallt in seine immer mehr zur Groteske tendierenden Story alle erdenklichen B-Film-Ingredienzien: Irre Wissenschaftler, ein Supersoldatenwirkstoff, Leichen die wieder zum Leben erweckt werden usw. Ergänzt durch überzeugende Handmade-Effekte und gut dosierte CGI wird nun die Ausgangslage für das ausufernde Finale gelegt.

Im Showdown kehrt OPERATION: OVERLORD wieder zurück zum Action-Overkill der ersten Minuten. Lässt den Bodycount, die Anzahl der Explosionen und Shoot-outs sprunghaft steigen. Paart Body-Horror mit der Rasanz eines Zombiefilms und zeigt in der zentralen Konfrontation mit einem, scheinbar unkaputtbaren, Nazi-Bösewicht den ungebremsten Willen zum Nonsens-Spektakel. Das ist natürlich schwer over the top, trifft aber gerade dadurch ins anvisierte Ziel. Julius Avery gelingt es somit genau die Erwartungen zu erfüllen und teils gar zu übertreffen, die man nach Ansicht des Trailers oder der vorab verfügbaren Story-Schnipsel aufgebaut hat. Und das ist letztlich eine nicht zu unterschätzende Leistung und macht aus dem Film in seinen besten Momenten einen vollkommen freidrehenden Crowdpleaser allererster Güte. Chapeau!











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