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ON THE ROAD - UNTERWEGS (Frankreich/Brasilien/Kanada/USA 2012)

von Sandra Schröder

Original Titel. ON THE ROAD
Laufzeit in Minuten. 137

Regie. WALTER SALLES
Drehbuch. JOSE RIVERA
Musik. GUSTAVO SANTAOLALLA
Kamera. ÉRIC GAUTIER
Schnitt. FRANÇOIS GEDIGIER
Darsteller. GARRETT HEDLUND . SAM RILEY . KRISTEN STEWART . AMY ADAMS u.a.

Review Datum. 2012-09-25
Kinostart Deutschland. 2012-10-04

Träge und satt nähert sich die Sonne dem Horizont. Schweiß, Staub und Erschöpfung liegen in der Luft. Die Füße von Sal (Sam Riley) schlurfen den Straßenrand entlang und wirbeln dabei kleine Kieselsteine durch die Luft. Doch endlich hat der junge Autor Erfolg und kann einen Pickup anhalten, auf dessen Ladefläche ein paar Farmer sitzen. Müde von der Arbeit vertreiben sie sich die Fahrt mit Hochprozentigem und Musik. Sal sitzt nun zwischen ihnen und saugt alles auf, um es sogleich in einem kleinen Block zu notieren. Und schon ist man mittendrin in der matten, schwermütigen Stimmung von ON THE ROAD - UNTERWEGS, einer Adaption des gleichnamigen Buches von Jack Kerouac.

Man findet sich in der Zeit der so genannten Beat Generation wieder, einer Gruppe von Autoren der 50er Jahre, die sich durch Desillusionierung, Niedergeschlagenheit aber zugleich auch durch Abenteuerlust auszeichneten. Sal sammelt auf einem Roadtrip quer durch die USA Stoff für sein hoffentlich bald existierendes Debüt. Auf die Idee zu Reisen hat ihn sein neuer Freund Dean (Garrett Hedlund) gebracht, der den Drang nach Freiheit mit ihm teilt. Seit sie sich in New York kennen gelernt haben, ist Sal fasziniert von dem Lebemann und taucht tief ein in in die Welt seines neuen besten Freundes, die vorzugsweise aus Sex, Drugs und Jazzmusik besteht. Man wird Zeuge von verschwitzten Jamsessions und sieht, wie sich der Tanz der "Beatniks" zur völligen Extase steigert - dabei natürlich immer eine Zigarette oder einen Joint im Mundwinkel. Man hört den Rythmus, man fühlt die Hitze und die sexuelle Spannung, die zwischen allen herrscht.

Und dabei bleibt es dann auch. ON THE ROAD versucht, sich auf der Atmosphäre der damaligen Zeit auszuruhen. Es wird aber leider schnell langweilig, Sal und Dean beim Feiern und Sexualexperimentieren zuzusehen. Wenn dann noch Kristen Stewart als 16-jährige Ehefrau von Dean den beiden Gesellschaft leistet und überbetont lasziv an einer selbstgedrehten Zigarette herumleckt, ist die Stimmung am Boden. Sal als Alter Ego von Jack Kerouac ist zwar auch in Deans Mädchen verliebt und man erahnt schon gewaltiges Konfliktpotenzial. Allerdings steht der junge Autor lieber unbemerkt eifersüchtig in irgendeinem Türrahmen und sieht den anderen andächtig beim Spaßhaben zu, um das Ganze in Gedanken mit poetischen Zeilen zu kommentieren. Schade, denn grade diese Art von Filmen kann für sich selbst sprechen und ihre ganz eigene, bildhafte Lyrik entwickeln, siehe z.B. INTO THE WILD oder AWAY WE GO.

Einzig und allein die Reisebekanntschaften von Sal und Dean ziehen das Tempo etwas an. Da wäre zum einen der drogenabhängige Old Bull Lee (Viggo Mortensen), der für Dean und Sal durchaus amüsante Lebensweisheiten bereit hält. Oder Camille (Kirsten Dunst), die die zweite Ehefrau von Dean wird und deren Verantwortungsbewusstsein mit der Freiheitsliebe ihres Ehemannes kollidiert. Allerdings stört hier, dass die allgemeine Betrachtungsweise auf Beziehungen zwischen Mann und Frau den ganzen Film über sehr einseitig bleibt. Der freiheitsliebende Mann verlässt völlig zurecht die langweilig gewordene Frau, die zerstört zurück bleibt.

Ein Film, der auf keinen erkennbaren Höhepunkt zutreibt, ist mit über zwei Stunden auch etwas zu lang geraten. Es fehlt der Knall, eine Auseinandersetzung der zwei besten Freunde, in der sie sich Sachen sagen, die sie für immer bereuen werden, aber die so ins Schwarze treffen, dass sie den jeweils anderen zur Selbstreflektion zwingen. Man möchte am liebsten selbst aufstehen und ihnen zurufen, dass sie endlich mal erwachsen werden sollen.











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