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ONLY LOVERS LEFT ALIVE (Großbritannien/Deutschland/Frankreich 2013)

von Sebastian Moitzheim

Original Titel. ONLY LOVERS LEFT ALIVE
Laufzeit in Minuten. 123

Regie. JIM JARMUSCH
Drehbuch. JIM JARMUSCH
Musik. JOZEF VAN WISSEM
Kamera. YORICK LE SAUX
Schnitt. AFFONSO GONÇALVES
Darsteller. TOM HIDDLESTON . TILDA SWINTON . MIA WASIKOWSKA . JOHN HURT u.a.

Review Datum. 2013-12-24
Kinostart Deutschland. 2013-12-25

Es gibt Ideen, auf die wäre man wohl nie gekommen, aber wenn man sie dann hört, sind sie plötzlich ganz offensichtlich. Beispiel: Jim Jarmusch inszeniert eine Vampirromanze. Man hat den Regisseur bisher nie mit dem Übernatürlichen und Horrormotiven in Verbindung gebracht, doch die Langsamkeit und Eleganz seiner Filme, die passt doch ganz gut zu den unsterblichen Protagonisten von ONLY LOVERS LEFT ALIVE.

Noch so eine Idee: Jarmusch verortet seine vampirischen Liebhaber in Detroit. Ein auf den ersten Blick vielleicht etwas zu bodenständiges, zu wenig fantastisches Setting, doch das Detroit nach der Krise bietet, mit seinen verlassenen Gebäuden und leeren Straßen, eine angemessen gespenstische Kulisse und transportiert auch optisch die Melancholie und Traurigkeit, die den ganzen Film durchzieht. Tatsächlich lohnt es dann auch allein für die wunderschönen, stimmungsvollen Aufnahmen des nächtlichen Detroit, ONLY LOVERS LEFT ALIVE auf der großen Leinwand zu schauen.

Dann wiederum gibt es Ideen, die sind nicht erst im Nachhinein offensichtlich: Sowohl Tilda Swinton als auch Tom Hiddleston sind geboren, um Vampire zu spielen, und glänzen erwartungsgemäß (nicht auf die TWILIGHT-Art - sie spielen einfach sehr gut) als Adam und Eve, das zentrale Liebespaar des Films. Swinton ist wie immer großartig seltsam und entrückt, doch es ist Hiddleston, der die für das Gelingen des Films zentrale Performance abliefert: Adam ist gleichermaßen gelangweilt und irritiert von der Welt, die ihn umgibt, seine Unsterblichkeit scheint für ihn in erster Linie ein Fluch, und es ist weniger das Drehbuch als vielmehr Hiddlestons Spiel, was dies für den Zuschauer spürbar macht.
Jarmusch stützt seinen Film auf seinen Hauptdarstellern und tut gut daran, denn, das muss man einräumen, auf dem Papier sind beide Protagonisten alles andere als runde Charaktere und nur dank des Charismas und Charme der Darsteller ist es möglich, Interesse oder gar Empathie für die Figuren aufzubringen.

Ähnlich dünn wie die Charaktere ist die Handlung, allerdings möchte man Jarmusch dies nicht zum Vorwurf machen: In Jarmuschs Filmen passierte schon immer wenig bis nichts, sie funktionierten stets über Bilder, Atmosphäre, Momentaufnahmen, und ONLY LOVERS LEFT ALIVE ist da eben keine Ausnahme. Tatsächlich hätte dem Film vielleicht sogar noch weniger Handlung gut getan, denn wenn relativ spät im Film Eves Schwester Ava (Mia Wasikowska) in Detroit aufschlägt, ein quirliges Energiebündel, dass Adam in den Wahnsinn treibt, sorgt das eher für einen seltsamen Tonartwechsel, weg von atmosphärischer Goth-Romantik, hin zu leicht alberner, quirky Comedy. Das mag dazu beitragen, dass ONLY LOVERS LEFT ALIVE ein ganzes Stück zugänglicher ist als die meisten anderen Jarmusch-Filme, gebraucht hätte es der Film allerdings nicht (zumal er auch bis dahin alles andere als humorlos ist - nur ist der Humor vor Wasikowskas Auftritt subtiler und entsteht organischer aus den Dialogen).

Interessanter ist da der eher beiläufig erzählte, aber thematisch letztlich wichtigere Plot um die sinkenden Blutreserven der Vampire (Adam und Eve haben dem Töten von Menschen lange abgeschworen). Dieser sorgt am Ende nicht nur für einige durchaus ergreifende Momente, er unterstützt auch das eigentliche Thema des Films: Verbunden mit der Frage, wie die Vampire weiterhin überleben können, ist die Frage, warum sie es überhaupt wollen. Jarmuschs Antwort darauf - Kunst, Literatur, Musik, die ständige Suche nach Schönheit - ist vielleicht etwas banal, aber ONLY LOVERS LEFT ALIVE hat in seiner etwas naiven, aber aufrichtigen Romantik etwas entwaffnendes und ist so, wenn er auch intellektuell einiges an Tiefe vermissen lässt, zumindest auf der emotionalen Ebene ein Erfolg.











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