AFTER DARK Film TALK Facebook Twitter

das manifest¬  kontakt¬  impressum¬  verweise¬  übersicht¬ 
[   MEINUNGSMACHER  |   GEDRUCKTES IST TOT  |   KAPITELWAHL  |   UNENDLICHE TIEFEN
   MENSCHEN  |   GESPRÄCHE  |   FEGEFEUER DER EITELKEITEN  |   MIT BESTEN EMPFEHLUNGEN   ]
MEINUNGSMACHER

OFFROAD (Deutschland 2012)

von Alexander Karenovics

Original Titel. OFFROAD
Laufzeit in Minuten. 98

Regie. ELMAR FISCHER
Drehbuch. ELMAR FISCHER . SUSANNE HERTEL
Musik. ALI N. ASKIN
Kamera. PHILIPP KIRSAMER . FABIAN RÖSLER
Schnitt. EVA LOPEZ ECHEGOYEN
Darsteller. NORA TSCHIRNER . ELYAS M'BAREK . MAXIMILIAN VON PUFENDORF . TONIO ARANGO u.a.

Review Datum. 2012-07-13
Kinostart Deutschland. 2012-01-12

Würde ich anhand der Trailer-Rolle vor dem Hauptfilm urteilen, könnte ich ein düsteres Bild von der teutonischen Kinolandschaft malen: Zoten und Kalauer galore, behauptete Authentizät, welche mehr zum Fremdschämen als zum Wiedererkennen taugt, und natürlich Bully Herbig soweit das Auge reicht. Solche schrecklichen Dinge bleiben uns in OFFROAD glücklicherweise erspart, leider aber auch ein tolles Drehbuch.

Toll ist hier eigentlich nur Nora Tschirner als emotional unterfordertes Provinz-Ei, die von Größerem träumt, als Schützenkönigin in Geilenkirchen zu werden und später mal ganz viele Kinder zu bekommen. Der prollige Spritfresser, den sie bei einer Zoll-Auktion ersteigert, ist ihr erster Schritt in Richtung Unabhängigkeit, so ignoriert sie auch die zwielichtigen Männer, die ihr auf einmal auf den Leib rücken und utopische Summen für das Auto bieten. Den Grund dafür erfährt sie bald: unter dem Kofferraumboden warten in einem geheimen Depot 50 Kilo Kokain darauf, unters Volk gebracht zu werden. Meike Pelzer (so heißt hier die Tschirner) wäre damit auch direkt zur Polizei gegangen, hätte sie da nicht ihren Freund beim Fremdvögeln erwischt ... Meike hat 'ne Epiphanie: sie braucht frische Luft, muß raus aus der kleinbürgerlichen Spießeridylle, und das Koks ist ihre Fahrkarte ins Glück. Auf nach Berlin.

Hat man eine Handvoll uriger Charaktere, aber wenig Ahnung, wie man deren komisches Potential maximiert, ohne den roten Faden aus den Augen zu verlieren, ist ein Road-Movie der dankbarste Kompromiß: immer wenn's langweilig wird, steigt man hinters Steuer, und neue Orte, neue Leute bringen wieder Schwung in die Geschichte. So ist dann auch die erste Hälfte des Films kurzweilig geraten: wie die naive graue Maus zur emanzipierten Drogendealerin heranwächst und sich mit Charme, Chuzpe und Bauernschläue durch allerlei brenzlige Situationen mogelt, ist spaßig anzusehen. Sogar das (selbstverständlich vertrottelte) Gangster-Duo aus dem Mein erster PULP FICTION-Baukasten hätte man als Konflikt-Katalysator fast akzeptiert ...

Dann muß jedoch hinter der Kamera jemand laut "Cut" gerufen haben: "Das ist nicht belanglos genug, könnte ja jemand glauben, wir versuchten uns an einer anarchistischen Milieu-Komödie." Naja, und so landet der Karren im Straßengraben: einmal in Berlin angekommen, werden sämtliche Antagonisten per holperig gefilmten Autocrash (COBRA 11, übernehmen Sie ... pretty please?) aus der Handlung geschrieben - übrig bleibt ein laues, piefiges, gleichschenkliges Dreiecks-Drama reich an gemäßigten 4:3-Emotionen, bei dem in jedem Winkel dieselbe Frage steht: Will er mich, oder das Koks? Salim (Elyas M'Barak), der sympathische Halbtags-Ganove, den Meike unterwegs aufgesammelt hat, ist dabei für die unvermeidliche Migrations-Comedy zuständig; natürlich voll im Trend und genauso berechenbar: ich drück dir 'nen Chauvi-Spruch, du konterst mit einen Stammtisch-Klischee aus dem tiefsten Türkendisko-Keller. Das ist dann auch nicht mehr spannend oder lustig, höchstens nett. Aber auch nur mit Facebook-App auf standby, einem Schuß Prosecco im Blut, und Freundin auf dem Nachbarsitz zum Tuscheln; mit "Kino" oder "Film" hat das nichts zu tun. Und wenn Meike dann von einer Minute auf die andere sämtliche Prinzipien über Bord wirft und zurück zu ihrem Spießer geht, hat man bereits alle witzigen Szenen aus dem rasant geschnittenen Trailer gesehen, die verbleibende halbe Stunde schubst das Skript seine Charaktere willenlosen Mensch-Ärger-Dich-Nicht-Pöppeln gleich über das Spielbrett.

Die Nora sehen wir gerne, solche Filme allerdings weniger. Dabei ist ja gegen TV-Dramen prinzipiell nichts einzuwenden, aber muß sowas unbedingt auf die Leinwand? Ist BANG BOOM BANG wirklich schon so lange her? Hier hat wohl jemand Ecgonylbenzoat mit THC verwechselt: statt aufputschender Wirkung gibt's an der Kinokasse bloß einen abgebrannten Joint-Stummel. Und davon wird man nicht high, nur müde. Ganz zu schweigen von dem klebrigen Belag auf der Zunge; und dem Hunger. Auf was Richtiges.

OFFROAD ist ab dem 02.08.2012 von Paramount auf DVD und Blu-ray erhältlich.











AFTER DARK Film TALK | Facebook | Twitter :: Datenschutzerklärung | Impressum :: version 1.11 »»» © 2004-2018 a.s.