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MORNING GLORY (USA 2010)

von Sebastian Moitzheim

Original Titel. MORNING GLORY
Laufzeit in Minuten. 107

Regie. ROGER MICHELL
Drehbuch. ALINE BROSH MCKENNA
Musik. DAVID ARNOLD
Kamera. ALWIN H. KUCHLER
Schnitt. DANIEL FARRELL . NICK MOORE . STEVEN WEISBERG
Darsteller. RACHEL MCADAMS . HARRISON FORD . DIANE KEATON . PATRICK WILSON u.a.

Review Datum. 2011-01-06
Kinostart Deutschland. 2011-01-13

Wenn Regisseur Roger Michell (unter anderem NOTTING HILL) und DER TEUFEL TRÄGT PRADA-Autorin Aline Brosh McKenna zusammenarbeiten, klingt das zunächst einmal nur bedingt vielversprechend. Wenn dann auf der Besetzungsliste aber nicht nur die bezaubernde Rachel McAdams, sondern auch Harrison Ford und Diane Keaton in ihrem ersten gemeinsamen Film, sowie Jeff Goldblum stehen, deutet das doch an, dass MORNING GLORY ein gewisses Potential birgt - das er jedoch nie wirklich ausreizt.

Rachel McAdams spielt die 28jährige Becky Fuller, die, nachdem sie ihren alten Job verliert, eine Stelle als Produzentin bei der Frühstückssendung Daybreak annimmt. Die Show belegt regelmäßig den letzten Platz bei den Quoten und selbst Beckys neuer Chef Jerry Barnes (Goldblum) sieht ihre Lage als aussichtslos an. Um die Quote und damit die Show zu retten engagiert Becky den legendären Anchorman Mike Pomeroy (Ford), der mit dem Sender noch in Vertrag steht und deshalb zusagen muss, aber eigentlich weder an den typischen Klatschstorys einer Morning Show noch an der Zusammenarbeit mit Kollegin Colleen Peck (Keaton) Interesse hat. Es versteht sich von selbst, dass Becky sich auch noch in einen attraktiven Kollegen (Patrick Wilson) verliebt und nun verzweifelt versucht, Job und Beziehung unter einen Hut zu kriegen.

Das Rad erfindet MORNING GLORY nicht neu, das dürfte jedem nach dem Lesen des Inhalts klar sein. Er folgt geradezu sklavisch der typischen (Romantic) Comedy-Struktur und überzeugt daher nicht gerade mit unvorhergesehenen Wendungen. Natürlich rettet Becky entgegen der Prognosen aller Beteiligten die Show, natürlich wird aus dem unerträglichen, selbstverliebten News-Anchor eine Art Vaterfigur und natürlich muss sich Becky am Ende zwischen einem vielversprechenden Jobangebot und ihrer bisherigen Stelle entscheiden. Daran wäre auch nichts auszusetzen, würde MORNING GLORY seine Geschichte mit etwas mehr Entschlossenheit erzählen. So beginnen beispielsweise die Quoten zu steigen, als die Streitereien zwischen Keatons und Fords Figuren zum ersten Mal On-Screen stattfinden - eine schöne Idee, ein interessanter Weg, der hier eingeschlagen, aber sofort wieder verlassen wird und keine Rolle für die weitere Handlung spielt. Man hat das Gefühl, dass bei MORNING GLORY Dinge passieren, weil sie gerade "an der Reihe sind", weil sie ins Schema passen und nicht, weil sie irgendeiner Logik folgen.

Ähnliches lässt sich über den Humor des Films sagen. Es gibt Momente, da ist MORNING GLORY wirklich witzig, wenn sich Keaton und Ford Momente vor der Show mit versteinertem Grinsen Wortgefechte liefern oder die quirlige, übereifrige McAdams mit Jeff Goldblums trockenem Sarkasmus konfrontiert wird. Viel zu oft jedoch wird solch bissiger Witz ersetzt durch Slapstick, durch viel zu einfache Lacher, die zwar zuverlässig funktionieren, aber auch sofort wieder vergessen, da viel zu oft dagewesen sind.

Dass MORNING GLORY kein Totalausfall ist, ist demnach ausschließlich der nicht nur auf dem Papier überzeugenden Besetzung zu verdanken. Harrison Ford wirkte seit langem nicht mehr so motiviert (und war schon gar nicht so witzig), Diane Keaton beweist Selbstironie und Jeff Goldblum ist ohnehin immer großartig. McAdams erweist sich als idealer Lead, sie macht es uns durch ihren sehr natürlichen Charme einfach, sie zu mögen und verschafft dem Film einen eigentlich nicht verdienten Vorschuss an gutem Willen. Leider hat auch diese Kette ihr schwächstes Glied in Gestalt von Patrick Wilson, der als Love Interest vollkommen frei von Witz oder Ausstrahlung durch den Film geht und es einem schwer macht, sich überhaupt an sein Gesicht zu erinnern, wenn er gerade nicht im Bild ist. Der Romantik-Aspekt dieser Komödie wirkt daher auch bemüht, konstruiert und sicher nie berührend oder auch nur unterhaltsam.

Und so ist MORNING GLORY dann auch eher gut gemeint als wirklich gut. Er verheizt seine Darsteller, die sichtlich Spaß an ihrem Job haben und ein Drehbuch verdient hätten, dass die Qualität der besten Momente des Films über die gesamte Strecke beibehält. Dass es diese Momente gibt, macht den Film zwar durchaus vergnüglicher, aber führt auch schmerzlich vor Augen, was MORNING GLORY hätte sein können.











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