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MICHAEL CLAYTON (USA 2007)

von Matthias Mahr

Original Titel. MICHAEL CLAYTON
Laufzeit in Minuten. 115

Regie. TONY GILROY
Drehbuch. TONY GILROY
Musik. JAMES NEWTON HOWARD
Kamera. ROBERT ESWIT
Schnitt. JOHN GILROY
Darsteller. GEORGE CLOONEY . TILDA SWINTON . TOM WILKINSON . SYDNEY POLLACK u.a.

Review Datum. 2007-11-10
Kinostart Deutschland. 2008-02-28

George Clooney sieht ungemein alt aus: Aufgeschwemmtes Gesicht, dick geschminkte Ringe unter den Augen. Tilda Swinton wird mit klatschnassen Achseln eingeführt und stellt später vor dem Spiegel geradezu stolz ihre Zellulite zur Schau. Ein neuer Mut zur Hässlichkeit? Die Hoffnung, so nach dem MONSTER-Vorbild die Oscar-Jury zu beeindrucken? (Clooney hat ihn eh schon für seine Ensemblerolle in SYRIANA, Swinton würde ihn, gerade auch in MICHAEL CLAYTON, eher verdienen.)

In erster Linie will der Film dadurch wohl anders und abgründig wirken, für Hollywood-Maßstäbe. Clooney spielt einen Anwalt, der einmal Cop war, der deshalb und weil seine Kariere stagniert hinter anderen den Dreck wegmachen muss, er sieht sich folglich als Hausmeister. Für einen Klienten, der nach einem Unfall davongefahren ist, sieht seine Strategie folgendermaßen aus: Er solle sich stellen. Das macht am wenigsten Dreck, der wegzumachen wäre. Der Klient mag das nicht fassen, ihm ward ein Wunderwuzzi versprochen, der all seine Probleme in Luft auflösen kann, frei nach der Tagline des Filmes: The Truth Can Be Adjusted. Fragt sich halt nur von wem.

Doch die Geschichte des Fahrerflüchtigen interessiert ohnedies nur am Rande, sie soll nur die Figur Michael Clayton einführen und das macht sie sehr treffend. Im Haupterzählstrang geht es um die von seiner Firma vertretene dubiose Bioengineeringfirma Upnorth, die einen Schadensersatzprozess auszufechten hat, in dem Claytons manisch depressiver Kollege Edens (Tom Wilkinson) einen Strip hingelegt hat und droht, für die Gegenseite zu arbeiten. Und auch hier verhält sich der Hausmeister mehr als die Hälfte der Zeit defensiv und passiv, erst ein Mord lässt ihn aufwachen. Doch selbst danach scheint er nicht daran interessiert, die Wahrheit für seine Klienten zu verdrehen, sondern ihnen das Haxerl zu stellen. Was bei den gegebenen Umständen naheliegend ist, ihn aber eben überhaupt nicht zum halbseidenen Antihelden macht, zu dem er dank familiärer Probleme, Spielsucht und "dubiosem" Job erst hochstilisiert wurde. Auch wenn Tony Gilroy in seiner Drehbuchadaption zur neuen BOURNE-Reihe diesen schmalen Grat, einen (Geheimdienst-) Killer ins Zentrum zu stellen, sehr gut ausgelotet hat, sein Michael Clayton gerät ihm zum Grisham-Abziehbild. Da nützt selbst die hübsche Inszenierung mit Anleihen beim Film Noir nicht, wenn erzählerisch alles nach sattsam bekannten Strickmustern abläuft. Zu Beginn eine überraschende Explosion, danach ein Rückblick über fast die gesamte Filmlänge, der einen gespannt auf das Warum dieses krachigen Beginns warten lassen soll. Die Aufklärung davon dann aber höchst banal, gefolgt von einem 08/15-Abhörbluff, der unter normalen Umständen höchstens TV-Dutzendware vom Schlage von MURDER SHE WROTE nicht zu abgedroschen ist. Damit beleidigt dieser auf clever getrimmte Thriller die Intelligenz seiner Zuseher vollständig. Was bleibt, ist ein halbwegs unterhaltsamer, aber höchst gewöhnlicher Anwaltsthriller in dem lediglich Tilda Swinton fallweise zeigt, was schauspielerisch in ihr steckt.

Es war eine seltene Fügung der Viennale-Programmierung, dass im gleichen Kino in zwei unmittelbar aufeinander folgenden Vorstellungen MICHAEL CLAYTON und THE WALKER gebracht wurden. Eine Fügung, da es wohl keine bessere Möglichkeit geben könnte zu demonstrieren, woran es an MICHAEL CLAYTON hapert. THE WALKER ist der Film, der MICHAEL CLAYTON gerne wäre.











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