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MEN IN BLACK 3 (USA 2012)

von Sebastian Moitzheim

Original Titel. MEN IN BLACK 3
Laufzeit in Minuten. 106

Regie. BARRY SONNENFELD
Drehbuch. ETAN COHEN . DAVID KOEPP . JEFF NATHANSON . MICHAEL SOCCIO
Musik. DANNY ELFMAN
Kamera. BILL POPE
Schnitt. WAYNE WAHRMAN . DON ZIMMERMAN
Darsteller. WILL SMITH . TOMMY LEE JONES . JOSH BROLIN . JEMAINE CLEMENT u.a.

Review Datum. 2012-05-23
Kinostart Deutschland. 2012-05-24

Angesichts der aktuell grassierenden 90er-Jahre-Nostalgie und Hollywoods Tendenz, auch das letzte halbwegs etablierte Franchise noch neuzustarten oder fortzusetzen, war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis auch die MEN IN BLACK zum dritten Mal ihren Weg auf die Leinwand finden. Irgendwie ist es dennoch überraschend, dass der lang angekündigte MEN IN BLACK 3 tatsächlich zustande gekommen ist: Nicht nur, dass sich wohl kaum noch jemand so recht vorstellen konnte, dass Neo-Con-Posterboy Will Smith zu seiner Rolle als Agent J. (die ja im Grunde eine Version seiner Rolle als FRESH PRINCE VON BEL-AIR, wohl eine der am festesten in den 90ern verwurzelten Serienfiguren überhaupt, ist) zurückkehren würde; auch von Problemen mit dem Script war in der Vorberichterstattung immer wieder die Rede - angeblich wurde die Produktion sogar begonnen, bevor überhaupt ein fertiges Script existierte. Das spürt man: Der wirre Zeitreise-Plot des Films ist voll von kleineren und größeren Logik-Lücken, viele Erklärungen scheinen nachträglich und hastig in die Dialoge geschrieben zu sein, um wenigstens noch die offensichtlichsten plot holes zu stopfen.

Zu Beginn des Films bricht der außerirdische Schwerverbrecher Boris The Animal (Jemaince Clement) aus einem Hochsicherheitsgefängnis auf dem Mond aus. Er reist in die Vergangenheit, um dort den jungen Agent K. (Josh Brolin spielt Tommy Lee Jones spielt Agent K.) zu töten, bevor der ihn verhaftet. In der Gegenwart muss Agent J. (Smith) feststellen, dass sich niemand im MiB-Hauptquartier an seinen Partner K. erinnert - mit Ausnahme der neuen Vorgesetzten O. (Emma Thompson), die ihm jedoch erklärt, dass K. vor 40 Jahren von Boris ermordet wurde. J. reist ebenfalls in die Vergangenheit, um den Mord an K. - und die Alien-Invasion, die Boris durch die Änderung seiner eigenen Vergangenheit möglich macht - zu verhindern.

MEN IN BLACK 3 funktioniert; er erfüllt die minimalen Erwartungen, die man als Zuschauer an einen Film dieser Reihe hat: Er findet milde amüsanten Humor im Zusammenprall von J.'s Dauergeplapper und konstruierter 90er-Jahre-Jugendsprache (an einer Stelle benutzt J. den Begriff "Shiznit") mit K.'s trockener, geradliniger Einsilbigkeit, lässt sie in (im Vergleich mit den meisten anderen aktuellen Blockbustern charmant klein angelegten) Actionszenen auf allerlei kreativ designte, eklig-faszinierende Aliens treffen (gerade Boris, dessen Handflächen sich öffnen, um schleimige Insekten freizugeben, ist ein grandios-abstoßender Charakter) und irgendwann redet jemand darüber, wie unendlich groß und wundervoll das Universum ist. Regisseur Barry Sonnenfeld und seine Autoren verkneifen sich zwar dankbarerweise, eine dritte Liebesgeschichte mit Agent J. zu erzählen, reichlich Schmalz gibt es am Ende trotzdem. Josh Brolin hat dabei das Glück, nie Screentime mit Tommy Lee Jones (der in seinen vielleicht 15 Minuten auf dem Bildschirm noch immer eine unwiderstehliche Chemie mit Smith entwickelt - schade, dass wir so wenig von ihm zu sehen bekommen) zu teilen und kann daher über weite Strecken die Illusion aufrechterhalten, dass er wirklich ein angemessener Ersatz für Jones ist.

Das ist alles okay und reicht aus, damit man als Zuschauer - sicher auch dank nach dem zweiten Teil eher geringer Erwartungen - nicht enttäuscht wird. Dennoch ist es auffällig und bedauerlich, dass MEN IN BLACK 3 ganz offensichtlich am Reißbrett entstanden ist, dass die Macher auf Nummer sicher gehen wollten. Es ist nicht so, als wäre der Film frei von guten Ideen oder interessanten Charakteren, doch die wenigsten werden wirklich ausgearbeitet bzw. bekommen Auftritte, die über Extended Cameos hinausgehen. Die in der Vergangenheit angedeutete Beziehung zwischen Agent O. (dort gespielt von Alice Eve) und K. wird in der Gegenwart leider nie aufgegriffen, eine Verschwendung der wunderbaren Emma Thompson, die außer Exposition nicht viel zu tun hat. Bill Hader liefert als Andy Warhol (ein Undercover-MiB-Agent) die besten Gags des Films, doch sein kurzer Auftritt bleibt sowohl (bis zum Finale beim Start der Apollo-Mondmission) die einzige Szene, in der das 60s-Setting wirklich genutzt wird, als auch der einzige erfolgreiche Versuch, den Humor des ersten Teils zu rekreieren: Die oft überraschenden Antworten auf die Frage, wo in unserer Gesellschaft sich Außerirdische verstecken (oder gerade nicht), machte einen Großteil des Charmes des Konzepts MEN IN BLACK aus (der einzige andere Moment, in dem derartiger Humor aufblitzt, ist, wenn auf einem der Monitore zur Überwachung von Außerirdischen im MiB-Hauptquartier Lady Gaga als Alien geoutet wird - und das wussten wir nun wirklich alle).

Am Ende muss man dennoch feststellen: Das hätte viel schlimmer kommen können. MEN IN BLACK 3 mag keine Risiken eingehen und daher nichts wirklich Neues liefern, doch es ist auch angenehm, dass die Macher größtenteils darauf verzichten, den "größer, lauter, spektakulärer"-Trend der meisten Sequels mitzugehen (angenehm auch deshalb, weil die Spezialeffekte in den wenigen wirklich spektakulär gedachten Szenen zu wünschen übrig lassen, was besonders bei den furchtbaren CGI-Hintergründen im Finale auffällt). Die einst so frische Idee ist mittlerweile zu einer weiteren Blockbuster-Schablone verkommen, doch als kurzweiliger Trip in eine Zeit, in der Actionhelden elegante schwarze Anzüge statt blau-weiß-rotes Latex trugen (und Will Smith noch sympathisch und cool war) ist der Film durchaus sehenswert.











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