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MAGIC MIKE (USA 2012)

von Sandra Schröder

Original Titel. MAGIC MIKE
Laufzeit in Minuten. 110

Regie. STEVEN SODERBERGH
Drehbuch. REID CAROLIN
Musik. JACK RAYNER
Kamera. STEVEN SODERBERGH
Schnitt. MARY ANN BERNARD (STEVEN SODERBERGH)
Darsteller. CHANNING TATUM . MATTHEW MCCONAUGHEY . ALEX PETTYFER . OLIVIA MUNN u.a.

Review Datum. 2012-07-16
Kinostart Deutschland. 2012-08-16

Im Zusammenhang mit MAGIC MIKE hätte man nicht unbedingt erwartet, den Namen Steven Soderbergh zu lesen. Aber dies lässt schon erahnen, dass es sich bei jenem Film um eine eher untypische Romantic Comedy handelt.

Schon die erste Szene, in der Matthew McConaughey als Striplokalbesitzer Dallas den Ladies in seinem Club ordentlich einheizt, lässt erkennen, dass in dieser Komödie nicht nur gelacht wird. Im Gegenteil: die amüsantesten Szenen hinterlassen auch immer einen bitteren Beigeschmack, weil sie offenbaren, was hinter den glamourösen Fassaden unserer Spaßgesellschaft steckt. So hat Matthew McConaughey (er ist übrigens nicht umsonst häufig in der Boulevardpresse halbnackt und beim Sporttreiben abgelichtet zu begutachten) in seiner Rolle durchaus etwas Beschämendes, wie er sich so an sein Gemächt greift und die Frauen im Club angesichts dessen fast in Ohnmacht fallen. Hier ist nämlich zur Abwechslung mal der Mann das Sexobjekt und die Frau das lüsterne Geschlecht. Die Männer rasieren sich die Beine und nutzen vor dem großen Auftritt noch mal die Zeit, um mit einer Penispumpe ein paar Zentimeter dazu zu schummeln. Das bietet durchaus einen erfrischenden und interessanten Blickwinkel.

So leitet die Eingangssequenz ganz deutlich in die Thematik des Films ein: Bin ich, was ich tue? Dallas'bestes Pferd im Stall Mike (Channing Tatum) hat nämlich auf den ersten Blick ein überaus erstrebenswertes Leben: Sex, Geld und gutes Aussehen. Aber hinter der lukrativen Beschäftigung als Stripper hat der smarte Mann noch allerhand andere Jobs, um sich so schnell wie möglich seinen wahren Traum erfüllen zu können: Er möchte sich mit seinen selbstdesignten Möbeln selbstständig machen. Allerdings hat die Bank ein Problem mit zerknüllten Dollarscheinen, die schon in Mikes Schlüpfer gesteckt haben und gewährt ihn den notwendigen Firmengründer-Kredit nicht. Hier wird ein vielschichtiger Charakter gezeichnet, der auf rührende Weise seinem Ziel hinterher rennt. So glättet er auf routinierte Weise die Scheine nach jedem Auftritt oder entfernt die schützende Plastikfolie vom Armaturenbrett seines Wagens nicht, um ihn so wieder besser verkaufen zu können.

Schnell steht also fest, dass sich Mike irgendwie aus seiner jetzigen Situation befreien muss. Das klingt zunächst recht typisch und gar nicht mal so originell, allerdings ist es hier die Machart, die Dialoge und die ironische Tonalität, die dem Film etwas ganz Besonderes verleiht.

Im Kontrast zu Mikes Überdrüssigkeit gegenüber der Bespaßung von kreischenden und triebhaften Frauen steht der 19-jährige Adam (Alex Pattyfer), der durch Zufall ins Milieu rutscht und natürlich ganz hin und weg ist von den Vorzügen des Stripperdaseins. Er stammt aus eher ärmlichen Verhältnissen und weiß nicht so recht, was er mit seinem Leben anfangen soll. Unter Mikes Fittichen blüht der Junge allerdings auf und findet sich in dem gar nicht mal so romantischen Traum eines jeden Mannes wieder. Als Zuschauer erlebt man den Werdegang mit. Da müssen Tangas gekauft und im Fitnessstudio die richtigen kreisenden Hüftbewegungen mit anschließendem Stoßen geprobt werden.

Auch hier kommt es, wie es kommen muss. Der jugendliche Leichtsinn lässt ihn den Karren in den Dreck fahren und seine neue Karriere in Gefahr bringen. Nur gut, dass Magic Mike zu einer Art großem Bruder und Mentor geworden ist und Adam zu seinem persönlichen Schützling erklärt hat. Hier wird klar, dass der Film neben der Liebe ein weiteres elementares Thema streift, nämlich Freundschaft.

Man könnte vermuten, dass das Ganze ein mehr als vorhersehbares Ende nimmt, allerdings wird man hier zum Glück eines Besseren belehrt! Zumindest was Adam angeht, wird die Handlung in eine Bahn gelenkt, die die Glaubwürdigkeit des Films und seiner Figuren noch steigert.

Die musikalische und visuelle Gestaltung des Streifens verzückt in einigen Szenen durch einen Hauch von Independentkino. Zudem steht MAGIC MIKE im Kontrast zu den anderen Filmen, die in der Stripper-Szene spielen. Die Handlungsstränge enden nicht mit dem Fall des Vorhangs und dem entblößtem Po der muskelbepackten Männer. Man begleitet sie weiter, wie sie am morgen mit einem Kater neben einer oberflächlichen Bekanntschaft oder im eigenen Erbrochenen aufwachen. Man sieht, dass sie trotz Wohlstand und sexueller Auslastung in der ständigen Angst leben, in Einsamkeit und Belanglosigkeit zu ersticken. Wieder dreht Soderbergh das klischeehafte Geschlechterbild um und zeigt als potenziellen Love-Interest nur Frauen, die mit beiden Beinen im Leben stehen, studieren, gute Jobs haben und auf emotionaler Distanz bleiben, wenn sie das für vernünftiger halten. Hier stören allein die weniger knackigen und unnötig langgezogenen Dialoge, wenn Mike versucht, diese Damen für sich zu gewinnen. Denn die Richtige lässt sich natürlich nicht von seinen gut choreografierten Stripnummern einlullen.

Schade ist, dass der Höhepunkt am Ende nicht sauber genug heraus gearbeitet wird und man das Gefühl hat, der Film ende etwas abrupt. Die Figuren stellen sich im Finale den Grundkonflikten eher im Stillen und so darf man daran nicht wirklich teilhaben. Auch verliert man manchmal das Gefühl für die Hauptfigur. Die scheint am Anfang des Films eher Adam zu sein, im Laufe wird aber klar, dass Adam nur dazu dient, Mike einzuführen und zu charakterisieren.

Insgesamt ist MAGIC MIKE ein Film, der auf erquickende und zeitgemäße Weise die Geschlechterrollen verdreht und nicht nur an der Oberfläche kratzt. Daneben hält er uns einen Spiegel vor und stellt die Frage an den Zuschauer, wieviel Hedonismus gesund ist und wer dabei auf der Strecke bleibt. Lachen kann man nur bedingt, dafür dann aber richtig!











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