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LONG WEEKEND (Australien 2008)

von Hasko Baumann

Original Titel. LONG WEEKEND
Laufzeit in Minuten. 95

Regie. JAMIE BLANKS
Drehbuch. EVERETT DE ROCHE
Musik. JAMIE BLANKS
Kamera. KARL VON MOLLER
Schnitt. JAMIE BLANKS
Darsteller. JAMES CAVAZIEL . CLAUDIA KARVAN u.a.

Review Datum. 2009-07-26
Kinostart Deutschland. direct-to-video

Schon nach wenigen Sekunden stellt sich ein Gefühl der Erleichterung ein: Das ist tatsächlich ein richtiger Film. In Zeiten der mit dem Handy abgefilmten Horrorgülle und des zwanghaften Rumgeflashes talentloser Möchtegerns sind die ersten Bilder von LONG WEEKEND die reinste Erholung. Ruhige, getragene Aufnahmen der australischen Küste und stimmungsvolle Musik von Regisseur Jamie Blanks sind die reinste Erholung gegen das, was so alles an Schrott auf den direct to video-Markt gekippt wird. Von Anfang an, auch als die Hauptdarsteller Jim Caviezel und Claudia Karvan als instabiles Ehepaar auf den Plan treten, ist klar: Das kann sich sehen lassen.

Ein solcher Film war nach dem ruppigen Reißer STORM WARNING und dem glatten Gebrauchsslasher DÜSTERE LEGENDEN nicht unbedingt von Blanks zu erwarten. Ausgerechnet ein Remake von Colin Egglestons durchaus integrem LONG WEEKEND von 1978 sollte Blanks' Traumprojekt sein, das aus der Zusammenarbeit mit Everett De Roche bei STORM WARNING entstand. De Roche, der auch das originale WEEKEND schrieb, zeichnet mit seinen Drehbüchern zu PATRICK, ROAD GAMES und RAZORBACK für einen nicht unerheblichen Teil australischen Genrekinos verantwortlich. Blanks wollte für sein LONG WEEKEND-Update eine beinahe wortwörtliche Neufassung des alten Buches; man fragt sich bei Ansicht des Films mitunter, ob dafür überhaupt ein neues Drehbuch von Nöten war. Erneut sehen wir einem Ehepaar mit zunächst nicht genau definierten Beziehungsproblemen auf dem Weg in die australische Wildnis zu, wo ein Campingurlaub an der Küste für Schönwetter sorgen soll. Auch dieses Mal will der Mann das mehr als die Frau, und auch dieses Mal benehmen sich die beiden - besonders er - wie die Axt im Walde. Ein Gürteltier wird überfahren, auf Enten geschossen, ein Adlerei zerschmettert und die Umwelt verdreckt, wo es nur geht. Aber Mutter Natur läßt sich das nicht gefallen.

Caviezel und Karvan spielen besser als ihre Vorgänger John Hargreaves und Briony Behets, die den Bogen mitunter ganz schön überspannten. Jedoch ist Caviezels Peter ein unertägliches Arschloch; laut, aggressiv, besoffen und unsensibel und völlig frei von Verständnis für die Gefühle seiner Frau. Was für ein selbstbezogenes Schwein wir hier vor uns haben, wird erst so richtig deutlich, wenn der Konflikt der beiden gegen Ende im Ansatz erhellt wird. Karvans Carla kann da nur noch reagieren und nur unter höchster Anstrengung gegen die Abscheu ankämpfen, die sie für ihren Mann mittlerweile empfindet. Das haben Internet-Rezensenten von erstaunlicher Dummheit als "Coole Macho-Sau mit nerviger Ziege"-Paarung mißverstanden. Aber für diese Klientel ist LONG WEEKEND eh der falsche Film. Das Problem ist vielmehr, daß man beiden als Protagonisten nicht gerade Sympathien entgegen bringt. Caviezels Figur ist so eindimensional, daß sie am einem gewissen Punkt einfach nur noch anödet.

Obwohl De Roche die neue Version des Films inhaltlich ein wenig mehr in Richtung Horror schiebt, fällt der Film weniger unheimlich aus als das Original. Der Schauplatz ist paradiesisch, wohingegen die Küste in Eggelstons Film unwirtlicher wirkte: Mensch, Du hast hier nichts verloren. Was bei Blanks alles eine Spur zu faßlich ist - auch die Umweltsünden Caviezels werden einem so penetrant über die Rübe gehauen, daß man sich selbst bereitwillig in die Biotonne einweist - funktionierte bei Eggleston vor allem über die brillante Ausnutzung der Tonspur. Das Grauen kam schleichend, wo es hier eher mit der Tür ins Haus fällt. Stellvertretend für die Unterschiede zwischen alt und neu sei die Schlußpointe genannt, die in der 78er Version als plötzlicher Schock über den Zuschauer herfällt, bei Blanks aber mit viel Tamtam eingeläutet wird und dann auch noch den Gorehound zufrieden stellen muß. Als Coda präsentiert Blanks dann auch noch Super8-Filme aus einer besseren Zeit, womit er nachdrücklich unter Beweis stellt, daß er gar nicht kapiert hat, daß das alles allegorisch sein soll.

Der neue LONG WEEKEND ist kein grundsätzlich schlechter Film, setzt sich mit seiner bis zum Wortlaut identischen Nähe zum Original aber dem direkten Vergleich aus und muß daher auch so bewertet werden. Wer also kein generelles Problem mit Filmen hat, die vor 2000 entstanden sind, und nicht jeden Film mit Jim Caviezel sehen muß, sollte tunlichst zu Egglestons Wochenende greifen.

LONG WEEKEND ist seit dem 24.07 als Verleih und ab dem 14.08 als Verkaufs-DVD erhältlich.











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