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LONE RANGER (USA 2013)

von André Becker

Original Titel. LONE RANGER
Laufzeit in Minuten. 149

Regie. GORE VERBINSKI
Drehbuch. TED ELLIOTT . TERRY ROSSIO
Musik. HANS ZIMMER
Kamera. BOJAN BAZELLI
Schnitt. CRAIG WOOD . JAMES HAYGOOD
Darsteller. JOHNNY DEPP . ARMIE HAMMER . WILLIAM FICHTNER . HELENA BONHAM CARTER u.a.

Review Datum. 2013-08-06
Kinostart Deutschland. 2013-08-08

Ein Blick auf die verantwortlichen Personen vor und hinter der Kamera sagt mehr als tausend erklärende Worte. LONE RANGER wurde unter dem Banner von Disney produziert von Jerry Bruckheimer, seines Zeichens Garant für megaerfolgreiches, aber auch durchweg seelenloses Bombastkino. Das Skript stammt wiederum aus der Feder von Ted Elliott und Terry Rossio, auf deren Konto die qualitativ sehr durchwachsenen Drehbücher der PIRATES OF THE CARIBBEAN Filme gehen. Regie führt Gore Verbinski, der sich in der Vergangenheit nicht nur als Regisseur der eingangs erwähnten immens erfolgreichen Piratenfilmreihe einen Namen machte, sondern darüber hinaus weitere veritable Blockbuster (RING, RANGO inszenierte. Die Hauptrollen übernehmen Johnny Depp, Armie Hammer sowie William Fichtner und Helena Bonham Carter. Die besten (oder schlechtesten?) Voraussetzungen für ein Kinoabenteuer der Superlative also.

In einem Zug trifft der naive und leicht trottelige Jurist John Reid (gibt sein Bestes: Armie Hammer) durch Zufall auf den Indianer Tonto (fast schon zu lässig: Johnny Depp), der sich angekettet in einem Waggon zusammen mit dem Schwerverbrecher Butch Cavendish (herrlich diabolisch: William Fichtner), auf dem Weg zu seiner Verurteilung befindet. Als eine bewaffnete Bande von Banditen den Zug überfällt kommt es zu einem spektakulären Crash, den Reid und Tonto wie durch ein Wunder überleben. Cavendish kann, sehr zum Missfallen der Gesetzeshüter vor Ort, entkommen. Johns Bruder, der gefürchtete Texas Ranger Dan Reid (James Badge Dale) beschließt die stadtbekannten Ganoven zu jagen und nimmt seinen kleinen Bruder mit auf die Verbrecherjagd. Die Gruppe der Texas Ranger gerät jedoch in einem Hinterhalt. Lediglich John überlebt und wird von Tonto gefunden und gesund gepflegt. Der Indianer, der noch eine Rechnung mit Cavendish offen hat, sieht in John zunächst nur ein unbegabtes Weichei und keinesfalls einen Partner. Eine spirituelle Eingebung gaukelt ihm allerdings das genaue Gegenteil vor. Nach einigen Reibereien erkennen John und Tonto, dass sie es mit der Bande von Cavendish nur gemeinsam aufnehmen können. Mit vereinten Kräften nimmt das ungleiche Paar die Verfolgung der Banditen auf.

LONE RANGER hält durchaus einige (sowohl positive, als auch negative) Überraschungen parat. Zunächst fällt auf, dass die Verantwortlichen tatsächlich versuchen die Geschichte rund um den maskierten Ranger und seinen unfreiwillig zur Seite gestellten Partner Tonto mit einigen sozialkritischen Storyelementen zu versehen. Die Ausbeutung der Ureinwohner bleibt als Thema im Subtext stets präsent und sorgt dafür dass der Film zumindest temporär den Pfad eskapistischer Feel-Good-Unterhaltung verlässt und ernstere Töne anschlägt. Das diesbezüglich nur eine oberflächliche Auseinandersetzung a la Hollywood erfolgt ist bedauerlich, aber es ist nichtsdestotrotz erfreulich, dass sich Disney traut dieses Thema in einem massenkompatiblen Familienfilm überhaupt inhaltlich anzuschneiden.

Weiterhin überzeugt der Film mit einer sehr stimmigen Bildästhetik, die atemberaubende Landschaftsaufnahmen und eine bis ins kleinste Detail perfekte Ausstattung von einer hervorragenden Kamera in grandiose Bilder übermittelt. Statt auf angeberische und deplatzierte CGI-Effektorgien wird auf die suggestive Kraft realer Schauplätze und echter Settings gesetzt. Hans Zimmers wunderbarer Score sorgt überdies für das nötige Western-Feeling. Gelungen sind zudem die handgemachten Actionszenen mit denen sich Regisseur Verbinski klar von sämtlichen vorher aufgebauten Referenzen zum klassischen Western verabschiedet und dem Höher-Schneller-Breiter-Diktat des zeitgenössischen Eventfilms Tribut zollt. Die irrwitzige und nicht enden wollende Verfolgungsjagd im letzten Filmdrittel bietet im Prinzip insofern genau das, was man von einem Film dieser Art erwartet. Hinter den stets phantastischen Actionsequenzen der PIRATES OF THE CARIBBEAN-Reihe brauchen sich die ohrenbetäubenden Krachszenen von LONE RANGER, trotz der überschaubaren Anzahl (bei einer Länge von deutlich über zwei Stunden), definitiv nicht zu verstecken.

Die viel zu lange Laufzeit ist auf jeden Fall einer der schwerwiegendsten Kritikpunkte. Für eine Länge von 149 Minuten hat LONE RANGER einfach nicht genug zu erzählen. Vieles wirkt unnötig in die Länge gezogen (z.B. die Annäherung der Hauptfiguren) oder schlichtweg überflüssig (z.B. sämtliche Szenen mit der erschreckend gelangweilten Helena Bonham Carter). Dies führt unweigerlich dazu, dass man sich als Zuschauer während des Films ab und an auch einfach langweilt und sich fragt welche Relevanz nun diese oder jene Szene für den Filmverlauf hat. Der zähe Mittelteil ist da ebenfalls nicht gerade förderlich und macht LONE RANGER streckenweise zu einer eher schwerfälligen Angelegenheit.

Analog zur PIRATES OF THE CARIBBEAN Reihe werden auch in LONE RANGER zahlreiche Elemente unterschiedlicher Genres gepackt und miteinander verknüpft: Rasantes Wild-West-Abenteuer, putzige Komödie, Love-Story, Drama etc. Leider schafft es der Film nicht die unterschiedlichen Genrezutaten gleichermaßen gekonnt ein- und umzusetzen. LONE RANGER scheitert in erster Linie am eigenen komödiantischen Anspruch. Die (meist sehr platten) Gags wollen einfach nicht zünden und hinterlassen einen sehr bemühten Eindruck. Auch die Liebesgeschichte will nicht so recht in Gang kommen und bleibt als reichlich schale Story-Fußnote im Hintergrund ohne die Gefühlswelt des Publikums zu tangieren. Das ist besonders fatal, denn dadurch fühlen sich die stattlichen 149 Minuten noch einmal deutlich länger an.

Trotz der Mängel ist LONE RANGER insgesamt aber kein unbrauchbarer Totalflopp geworden. Wenn es kracht, dann richtig und mit Nachdruck. Darstellerisch gibt es im Grunde auch nichts zu bemäkeln. Hier sind richtige Schauspieler am Werke und veredeln den Film mit souveränen Leistungen. So gesehen liefert die starbesetzte und optisch beeindruckende Disney-Produktion passable Unterhaltung mit einigen argen Längen, aber auch mehreren energiegeladenen Highlights zum Staunen. Verschwenderisches Mainstream-Kino aus Hollywood hat man schon mal besser und mitreißender, aber auch wesentlich schlechter und uninspirierter gesehen.











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