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THE LODGE (USA/Großbritannien 2020)

von André Becker

Original Titel. THE LODGE
Laufzeit in Minuten. 108

Regie. SEVERIN FIALA . VERONIKA FRANZ
Drehbuch. SEVERIN FIALA . VERONIKA FRANZ . SERGIO CASCI
Musik. DANNY BENSI . SAUNDER JURRIAANS
Kamera. THIMIOS BAKATAKIS
Schnitt. MICHAEL PALM
Darsteller. RILEY KEOUGH . JAEDEN MARTELL . LIA MCHUGH . ALICIA SILVERSTONE u.a.

Review Datum. 2020-02-06
Kinostart Deutschland. 2020-02-06

Stille. Eisige Stille. An einem gottverlassenen Ort. Kein Entkommen. Für niemanden. Im neuesten Werk von Severin Fiala und Veronika Franz ist irgendwann gerade die Abwesenheit von Worten ohrenbetäubend laut. All das, was unausgesprochen zwischen hilflosen Gesten in der Luft hängt. Verzweifelte Versuche der Kommunikation. Zum Scheitern verurteilt.

Familien können hermetisch abgeschirmte Räume bilden. Das muss auch Grace (Riley Keough) schmerzlich erfahren, als sie merkt, dass ihr die beiden Kinder ihres neuen Freundes Richard vor allem mit tiefem Misstrauen begegnen. Ein gemeinsamer Winterausflug in das abgelegene Familiendomizil soll Abhilfe schaffen und Grace und die Kinder Aidan und Mia endlich als Familie zusammenschweißen. Als Richard aufbricht um eine dringende Arbeitsangelegenheit zu regeln, ahnen die Drei nicht, dass damit ein schier endloser Albtraum seinen Lauf nimmt. Nachdem das gesamte Gelände eingeschneit wird und Grace, Aidan und Mia komplett von der Restzivilisation abgeschnitten werden, eskaliert die Situation. Vorräte verschwinden, Haustiere kommen um und mysteriöse Vorkommnisse treiben einen Keil zwischen Grace und die Kinder. Als die junge Frau von plötzlichen Visionen geplagt wird, müssen Aidan und Mia erkennen das die Vergangenheit von Grace mehr dunkle Flecken aufweist, als ihnen lieb ist.

Fiala und Franz entwerfen abermals ein sehr stimmungsvolles Panorama des Schreckens. Wie gewohnt verzichten sie dabei auf effekthascherische Mittel und legen den Fokus auf Andeutungen und Auslassungen. Auf subtile Weise bauen sie eine kaum greifbare Bedrohung auf, die das Publikum in eine permanente Unruhezone befördert. Das ist maximal effektives Horrorkino. Auf den Punkt inszeniert und trotz sichtbarer Arthouse-Attitüde und clever eingefädelter Wendungen nie angeberisch.

Angelegt als Kammerspiel nutzt THE LODGE die damit einhergehenden räumlichen Beschränkungen sehr treffsicher, um den Zuschauern ein Gefühl des Eingeschlossenseins zu vermitteln. Grace, Aidan und Mia sind dabei nicht nur Gefangene des Hauses und der Umgebung, sondern auch Gefangene ihrer eigenen Dämonen und Ängste. Für Fiala und Franz hat diesbezüglich jede Handlung Konsequenzen, selbst wenn diese erst viel später (dann allerdings umso nachdrücklicher) zu Tage treten.

Insbesondere die Vergangenheit von Grace (bzw. deren Mitgliedschaft in einer fanatischen Sekte) bietet der Film als mögliches Einfallstor für das Böse an. Fiala und Franz vermeiden diesbezüglich jedoch eindeutige Opfer- und Täterrollen und spannen einen weiten Möglichkeitsraum auf, den man auch im Filmverlauf nie gänzlich durchringt. Es ist dem versierten Spiel von Riley Keough zu verdanken, dass ihre Rolle stets glaubwürdig bleibt und sie es mühelos schafft sämtliche Nuancen menschlicher Emotionen darzustellen.

THE LODGE unterstreicht die herausgehobene Stellung der neuen Welle von Elevated-Horror-Movies, die mehr sein wollen und vor allem auch mehr sind als bloße Genre-Werke ohne filmischen Mehrwert. Neben Ari Aster, Jordan Peele, oder Roger Eggers werden in Zukunft wohl ebenfalls Severin Fiala und Veronika Franz vollkommen zu Recht als Vorreiter dieser Welle gesehen werden. Wenn weitere Genre-Produktionen in den kommenden Jahren nur annähernd die Qualitäten von THE LODGE und Co. erreichen, brauchen wir uns um die Zukunft des Horrorfilms keine Sorgen machen.











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