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THE LIVING AND THE DEAD (Großbritannien 2006)

von Martin Beck

Original Titel. THE LIVING AND THE DEAD
Laufzeit in Minuten. 100

Regie. SIMON RUMLEY
Drehbuch. SIMON RUMLEY
Musik. RICHARD CHESTER
Kamera. MILTON KAM
Schnitt. BENJAMIN PUTLAND
Darsteller. ROGER LLOYD PACK . LEO BILL . KATE FAHY . SARAH BALL u.a.

Review Datum. 2007-02-19
Kinostart Deutschland. direct-to-video

Was genau ist ein "wichtiger" Film? Ein Film, den man gesehen haben sollte und gleichzeitig ungern in den heimischen DVD Schrank stellt. "Wichtig" wie in "ungewöhnlich", "neben der Norm" und "anstregend". "Wichtig" wie in THE LIVING AND THE DEAD.

THE LIVING AND THE DEAD handelt von der Familie Brocklebank: Vater Donald vegetiert als apathisches Gemüse, Mama Nancy stirbt an Krebs und Sohn James ist ein hyperaktiver, schizophrener Psychopath. Ihr Haus ist ein heruntergekommenes Schloss, das genauso wie seine Bewohner langsam vermodert. Eigentlich wäre Hilfe von aussen dringend notwendig, doch dann gäbe es hier keinen Film. THE LIVING AND THE DEAD zeigt Elend, Verfall und Wahnsinn. Eine Familie am Ende ihres Weges…und die Krankenschwester wird kurzerhand ausgesperrt.

So einen Stoff kann man auf vielfältige Weise angehen: Als schwarze Komödie, als Exploitation oder als dokumentarisch angehauchtes Drama. Regisseur und Drehbuchautor Simon Rumley wählt eine Verbindung aller drei Möglichkeiten und schafft so eine morbide, unglaublich intensive Geduldsprobe. Ohne viel inszenatorisches Tamtam wird einfach der Alltag der Familie gezeigt, der sehr viel mit Tabletten, Herumrennen und Schreien zu tun hat. Schon viel zu lange haben diese drei Personen kaum noch Kontakt zur Aussenwelt, was dann z.B. braunes Badewasser, kackeverschmierte Bettlaken oder ausgekotzte Tabletten ermöglicht. Das Schloss ist ein Irrenhaus und die Insassen können sich, obgleich ihrer desolaten Lage bewusst, nicht mehr dagegen wehren.

Der Grad dieses Films ist ein schmaler und verlangt vom Zuschauer volle Aufmerksamkeit. Als zentraler Anker kann James ausgemacht werden, der als vollkommen hysterischer "Nutcase" selbst die geduldigsten Nerven auf die Folter spannt und dennoch nie in eine Karikatur abgleitet. Leo Bill schreit, schwitzt, heult, hat spastische Anfälle und gibt eine sichtlich erschöpfende Vorstellung, die in ihrer authentisch anmutenden Intensität haarige Alpträume verursachen kann. Ein Horrorfilm ohne gängige Horrorzutaten, ein an die Nieren gehender Schocker, dessen dominantes Gefühl traurige Hoffnungslosigkeit ist. Mein Gott, sagt man am Ende, diese armen Leute!

THE LIVING AND THE DEAD kann nur zwei Reaktionen hervorrufen: Entsetzte Ablehnung oder jubilierende Freude. Bei diesem Film ist Neutralität unmöglich, was ja grundsätzlich positiv zu werten ist. Die Frage bleibt nur, ob man sich überhaupt diesen Bildern und dieser Geschichte aussetzen möchte. Ein aufgewühlter Gemütszustand steht ja eigentlich viel zu selten am Ende eines Kinoabends, nur muss denn das Adrenalin unbedingt durch einen filmischen Autounfall ausströmen? Schon komisch - auf einmal verliert selbst rosaroter Mainstream seinen Schrecken.











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