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LITTLE CHILDREN (USA 2006)

von Matthias Mahr

Original Titel. LITTLE CHILDREN
Laufzeit in Minuten. 130

Regie. TODD FIELD
Drehbuch. TODD FIELD . TOM PERROTTA
Musik. THOMAS NEWMAN
Kamera. ANTONIO CALVACHE
Schnitt. LEO TROMBETTA
Darsteller. KATE WINSLET . PATRICK WILSON . JACKIE EARLE HALEY . JENNIFER CONNELLY u.a.

Review Datum. 2007-04-26
Kinostart Deutschland. 2007-04-26

Angestachelt von ein paar frustrierten Müttern nähert sich Sarah Pierce (Winslet) am Kinderspielplatz Brad Adamson (Wilson), dem einzigen Mann in der Suburb, der sich primär um seinen Jungen kümmert. Die Kleinkinder der beiden fungieren von Beginn an als Vorwand zur Kontaktaufnahme, obgleich sie sich anfangs dagegen sträuben, denn auch wenn Brad seine Gattin attraktiver findet (wen wundert's, sie wird von Connelly gespielt), fühlt er sich doch gleich zu Sarah hingezogen, die den Seitensprung sucht nachdem sie ihren Mann beim Masturbieren mit einem Tanga am Kopf erwischt hat.
Eher zufällig wird Brad von einem alten Kumpel in dessen Kampagne gegen Ronnie McGorvey (Haley), einen wegen Exhibitionismus vor einer Minderjährigen vorbestraften Mann mittleren Alters, der bei seiner Mutter lebt, eingespannt.

LITTLE CHILDREN portraitiert weniger kaputte Typen als AMERICAN BEAUTY, die Figuren verkommen nicht zur Karikatur wie in der TV-Serie DESPERATE HOUSEWIVES und dennoch sind Vergleiche mit diesen beiden Produktionen naheliegend. Der Film ist weit ruhiger als die Serie und inszenatorisch nicht so ausgefeilt wie Mendes' Werk. Sieht man von ein paar Glanzszenen am Swimmingpool ab (die Weißer-Hai-Hysterie, die Ronnie auslöst, ist wohl am gelungensten), wirkt die Regie trotz sehr guter Kameraarbeit eher uninspiriert, dafür überzeugt Fields Schauspielführung umso mehr. Das gesamte Ensemble weiß zu überzeugen, wird durch den wenig prominenten ehemaligen Kinderstar Jackie Earle Haley (in einer zugegeben sehr dankbaren Rolle) noch überstrahlt. Die Kinder von heute bleiben angenehm im Hintergrund, versuchen nicht glubschäugig die Erwachsenen an die Wand zu spielen. Der einzige Totalausfall ist der schlafmützige Erzähler. Will Lyman mag auch bei Fernsehdokumentationen gerne als solcher eingesetzt werden, hier drückt er auch jenen Zuschauern, die davon keine Kenntnis hätten, auf's Auge, dass dies eine Romanverfilmung ist. Die Sätze, die er dabei monoton von sich gibt, mögen geschrieben besser wirken, im Film sind sie reichlich geschwätzig. Ein Fluch vielleicht auch, dass der Autor der Vorlage auch am Drehbuch mitschrieb, er war wohl zu verliebt in gewisse Passagen, als dass er von ihnen im Filmscript lassen konnte, so ufert das vor allem zu Beginn aus.
Dabei hätte der Film dieses Maß an Narration nicht nötig. Mit viel Liebe zum Detail und subtilem Witz sind die Figuren ausgelotet. Der Schluss enttäuscht zwar etwas durch seine moralinsaure Auflösung, nachdem sich Kate Winslet für US-Standards recht freizügig nackt gezeigt hat und man sich über die Prüderie eines Madame Bovary besprechenden Hausfrauen-Lesezirkels lustig gemacht hat. In gewisser Weise arbeitet Sarah hierbei selbst heraus, warum der Flaubert-Roman moderner zu nennen ist. Dennoch vermag dieser Film auf unaufgeregte Weise in seinem ruhigen Fluss durchgehend zu unterhalten.











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