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DIE KUNST DES TOTEN MANNES (USA 2019)

von André Becker

Original Titel. VELVET BUZZSAW
Laufzeit in Minuten. 113

Regie. DAN GILROY
Drehbuch. DAN GILROY
Musik. MARCO BELTRAMI . BUCK SANDERS
Kamera. ROBERT ELSWIT
Schnitt. JOHN GILROY
Darsteller. JAKE GYLLENHAAL . ZAWE ASHTON . RENE RUSSO . TONI COLLETTE u.a.

Review Datum. 2019-04-20
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Für Regisseur Dan Gilroy ist der globale Kunstmarkt ein Haifischbecken. Wer hoch hinaus will muss die Ellenbogen einsetzen. Und zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. So wie die Galerie-Angestellte Josephina (Zawe Ashton), die durch Zufall einen Kunstschatz findet. Als sie eines Abends die Leiche ihres Nachbarn entdeckt, stößt sie in der Wohnung des Verstorbenen auf mehrere Bilder, die sie unmittelbar in ihren Bann ziehen. Die junge Frau erkennt dabei sofort das Potential der Werke und entwendet diese aus den Räumlichkeiten. Mithilfe ihrer Kontakte in die Kunstszene der Stadt (u.a. Jake Gyllenhaal, Rene Russo) schafft sie es die Bilder zum Verkaufsschlager zu machen. Die anfängliche Euphorie weicht allerdings schnell purer Angst, denn im Umfeld der beteiligten Galerien und Kunstmuseen steigt die Anzahl unerklärlicher Unfälle und Todesfälle unaufhörlich.

VELVET BUZZSAW der hierzulande etwas ungelenk als DIE KUNST DES TOTEN MANNES via Netflix vermarktet wird, ist Gilroys dritte Regiearbeit (nach etlichen Credits als Drehbuchautor) und leider auch sein am wenigsten geglücktes Werk. Die Bissigkeit mit der Gilroy in seinem ersten Film NIGHTCRAWLER die menschenverachtende Welt des Sensations-Journalismus aufs Korn nahm ist in seiner neuesten Arbeit leider nur als bloße Behauptung zu finden.

Eins der Hauptprobleme der Satire sind die karikaturenhaften überzeichneten Charaktere. Das muss so, mag der eine oder andere Zuschauer als Einwand vorbringen. Ist doch die Fixierung auf die Oberflächenreize und den schönen Schein dieser Welt doch das große Thema des Films. Ganz so leicht lassen sich die Kritikpunkte jedoch nicht wegwischen. Ein Film wie THE SQUARE kommentiert ebenso mit satirischen Mitteln die Kunstszene, ergeht sich dabei aber nicht in derart abgehangenen Klischeetypen wie DIE KUNST DES TOTEN MANNES. Die Star-Besetzung zu der neben Gyllenhaal und Russo ebenso die wie immer toll aufspielenden Toni Collette sowie John Malkovich gehören ist somit reichlich verschenkt.

Wenn dann Gilroy gegen Ende den Film zusehends mit Genrefilm-Motiven anreichert, bleibt von dem satirischen Überbau schließlich kaum noch etwas übrig. Die Abstecher in die Gefilde von Horror und Phantastik sind tatsächlich eher kontraproduktiv, weil DIE KUNST DES TOTEN MANNES seine Schocks und blutigen Intermezzi lediglich als pure Schauwerte und nicht im Sinne der Story-Entwicklung einsetzt.

Obwohl der Film durchaus seine Momente hat (alle Szenen mit John Malkovich) bleibt DIE KUNST DES TOTEN MANNES doch weit hinter den gesetzten Erwartungen zurück. Da nützt es leider herzlich wenig, dass die Netflix-Produktion zumindest was Style und Look angeht, ordentlich Eindruck schindet. Letztlich ist Gilroys dritte Arbeit als Regisseur so leer wie die elitäre Parallelwelt, die er so vehement durch den Kakao zieht. Schade um die hohen Production Values, von denen heutzutage so mancher Genre-Film nur noch träumen darf.

Der Film ist seit dem 1. Februar auf Netflix verfügbar.











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