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KOPF ODER ZAHL (Türkei 2004)

von Matthias Mahr

Original Titel. YAZI TURA
Laufzeit in Minuten. 102

Regie. UGUR YÜCEL
Drehbuch. UGUR YÜCEL
Musik. ERKAN OGUR
Kamera. ROY KURTLUYAN . BARIS OZBICER . EMRE TANYILDIZ
Schnitt. SIGURBJORG JONSDOTTIR . VALDIS OSKARSDOTTIR
Darsteller. KENAN IMIRZALIOGLU . OLGUN SIMSEK . BAHRI BEYAT . TEOMAN KUMBARACIBASI u.a.

Review Datum. 2005-11-18
Kinostart Deutschland. 2005-11-24

Der Kampf gegen Kurden fordert von zwei türkischen Soldaten einen Teil ihrer selbst. Ein hoffnungsvoller Fußballspieler kommt ohne seine Beine zurück, ein kleiner Ganove bleibt auf einem Ohr taub. Der Film zerfällt in zwei Episoden, wem das zu Beginn nicht bewusst ist, der kann am Ende der ersten eine gehörige Überraschung erleben. Selbst dies wertet die erste Geschichte, obwohl sie sich weit mehr auf die Veteranenthematik einlässt, aber nur wenig auf, sie bleibt relativ zäh. Die zweite nimmt durch die Hereinnahme eines Konflikts mit einem Bruder einen weit abwechslungsreicheren Verlauf zudem werden die beiden Teile nicht gerade überraschend, aber doch routiniert zusammengefügt. Ein paar obwohl nicht sonderlich aufwendig ganz gekonnt inszenierte Kriegsszenen gehören sicherlich zu den Pluspunkten des Films. Mag sein, dass er insgesamt im Fernsehen einen ganz guten Eindruck machen könnte.

Der springende Punkt ist aber, dass er nun mal (beim größten Wiener Filmfestival, der Viennale) im Kino gesehen wurde und kurioserweise sogar demnächst in Deutschland seine Kinoauswertung bekommt. Ganz klar, das digitale Kino ist im Vormarsch. Puristen mögen daran verzweifeln, wer ehrlich ist muss sich daran so unerfreulich dies auch ist gewöhnen, will er eine Mehrzahl zukünftiger Filme weiterhin auf der großen Leinwand sehen. Dieses Beispiel von "Videokunst" hat aber mehr mit der Frühgeschichte der digitalen Revolution zu tun. Als CD-ROM Laufwerke in PCs Verbreitung fanden gingen Produzenten von Computerspielen dazu über zwischen den einzelnen Abschnitten kurze (stark pixelnde) Clips mit echten Schauspielern einzubauen. (COMMAND AND CONQUER war dafür ein bekanntes Beispiel.) Wer diese Ära mitgemacht hat kann sich in etwa vorstellen, was sich hier auf der Leinwand abspielt.

Auch wenn dies mit KOPF ODER ZAHL selbst wenig zu tun hat muss eingeräumt werden, dass hier zwei Faktoren einem zusätzlich sauer aufstoßen ließen. Zum einen die Praxis der Viennale-PR lediglich das Vorführformat bekanntzugeben. (Klar, wird die Kacke auf 35mm gefazt sieht das im Katalog viel schöner aus.) Zum anderen waren bei diesem Festival auch so manche echte aber halt schon verschrammte 35er Prints zu sehen. Z.B. die angeblich letzte verfügbare Kopie (neue sollen von einem ebenso erhaltenen Negativ demnächst gezogen werden) der '70 Rarität CAPTAIN MILKSHAKE. Obwohl in so einem Fall Unmut wohl kaum angebracht wäre hielt man es bei solcherart abgenützten Kopien für nötig vor der Vorstellung jemanden hinzustellen, der sich dafür entschuldigt. Über diesen, weit gravierenderen Mangel kann man aber ganz nonchalant hinwegsehen. Ist ja eh eine "schöne, neue 35mm Kopie". So will man sich nicht verarschen lassen.
Hilft aber nix. Auch in "normalen Rahmen" eine Zumutung. Sieht schon derart grauslich aus, dass es selbst in der letzten Reihe des kleinsten Saales eines Multiplex auffallen könnte. Bei manchen Dokumentationen würde man das vielleicht noch eher verzeihen bei jeglichem auf Ästhetik bauenden Film, insbesondere in dem Genre sicher nicht.











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