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KILTRO (Chile 2006)

von Hasko Baumann

Original Titel. KILTRO
Laufzeit in Minuten. 93

Regie. ERNESTO DÍAZ ESPINOZA
Drehbuch. ERNESTO DÍAZ ESPINOZA
Musik. ROCCO
Kamera. VICTOR J. ATKIN
Schnitt. ERNESTO DÍAZ ESPINOZA
Darsteller. MARKO ZAROR . CATERINA JADRESIC . MIGUEL ANGEL DE LUCA . DANIELA LHORENTE u.a.

Review Datum. 2008-04-01
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Aus dem Nirgendwo kamen sie und siegten: Der chilenische Regisseur Ernesto Díaz Espinoza und sein Star, der Actionheld Marko Zaror. Letzterer war zumindest als Stuntman und Double von The Rock schon der ganz harten Fangemeinde bekannt, insbesondere nachdem er mit einem waghalsigen Stunt für THE RUNDOWN den Taurus Award gewann. Trotzdem konnte man nicht umgehend von diesem Duo zwei der schönsten Action/Martial Arts-Filme der letzten fünfundzwanzig Jahre erwarten - und schon gar nicht im selben Jahr. KILTRO ist zwar nicht ganz so stark wie sein Mitstreiter MIRAGEMAN, aber das heißt nicht viel - so grandios wie MIRAGEMAN sind eh nur ganz wenige Filme. Im Gegensatz zum fast dokumentarischen Superheldendrama MIRAGEMAN wirbelt sich KILTRO ins Land der Fantasie und damit ins Land der... naja, Kung Fu Spaghetti Gangland Western. Und dabei ist KILTRO der erste Martial Arts Film, der jemals aus Chile kam!

Marko Zaror, diese imposante, sympathische Kampfmaschine, glänzt herrlich uneitel als tumbes Gangmitglied Zamir. Seine Tauglichkeit als cooler Macho, der Santiago de Chile unsicher macht, wird allerdings erheblich von seiner Libido eingeschränkt: Zamir ist unsterblich verliebt in die schöne Kim. Als Kavalier ist er leider eine totale Niete; er kapiert nicht, daß er das Herz seiner Angebeteten nicht gewinnen kann, wenn er jeden ihrer potenziellen Verehrer zu Klump haut. Das ist alles sehr amüsant zu sehen, aber daß Regisseur Espinoza ein Herz für seine Hauptfigur hat, sieht man spätestens in der Sequenz, in der sich Zamir seine endgültige Abfuhr abholt: Die ersten Take von Bowies "Modern Love" brechen los, und Zamir rennt mit zerschmettertem Herzen durch die nächtlichen Strassen, wenn die Drums einsetzen. Gänsehaut. Ehrlich!

Dann wird plötzlich alles anders. Ein rachsüchtiger Kampfsportmeister bedroht das Leben von Kim und ihrem Vater - und bringt damit die Wahrheit ans Licht: Zamir ist der "Auserwählte". Bevor er sich auf den Weg macht, den Tag zu retten, muß er sich aber in klassischer Manier von einem Kung Fu Meister in der Wüste komplett umkrempeln lassen. Das ist wie bei Luke und Yoda. Nur hat KILTRO immer ein schlaues Augenzwinkern parat und erzählt all das mit so trockenem Humor, daß man sich nie an Absurditäten stören würde. Man genießt nur. Und das vor allem, weil Espinoza ernst macht, wenn es ernst wird. Die Attacken des Bösewichts Max Kalba (ja, der Name ist eine James Bond-Referenz, und nicht die einzige) sind überaus blutrünstig, hier werden keine Gefangenen gemacht. Das ist aber nichts gegen den Moment, in dem Marko Zaror endlich losgelassen wird.

Wie der sich hier durch seine Gegner pflügt, so ein wunderbar viehisches Geholze hat man lange nicht gesehen, schon gar nicht außerhalb Asiens. Unglaublich, mit welcher Körperbeherrschung dieser große schwere Kerl den filigranen Mähdrescher gibt. Da kann dann nur noch ein ungleich intimerer Showdown folgen, und den kriegt man auch. Was aber KILTRO so sehr von seiner internationalen Konkurrenz abhebt, ist sein liebevoller Umgang mit seinen Figuren und seinen Vorbildern; die exquisite Filmmusik, die zwischen Morricone und Bacalov im Land des Italowestern wildert; und die Tatsache, daß die Gags nicht albern, sondern sympathisch sind und die Charaktere niemals der Lächerlichkeit preisgeben. Dazu gehört die wunderbarste und überraschendste Ohrfeige in der Geschichte des Films.

KILTRO ist alles - knalliger Martial Arts-Fetzer, ironische Jedi-Persiflage, romantische Liebesgeschichte und bildgewaltiges Sex & Crime-Drama. Originell und eigenständig - ein echtes Juwel!











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