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KILL SWITCH (USA/Kanada 2008)

von Hasko Baumann

Original Titel. KILL SWITCH
Laufzeit in Minuten. 96

Regie. JEFF KING
Drehbuch. STEVEN SEAGAL
Musik. JOHN SEREDA
Kamera. TOM HARTING
Schnitt. JAMIE ALAIN
Darsteller. STEVEN SEAGAL . HOLLY DIGNARD . CHRIS THOMAS KING . ISAAC HAYES u.a.

Review Datum. 2008-10-17
Kinostart Deutschland. direct-to-video

Die gute Nachricht zuerst: Auf KILL SWITCH hat unsere geliebte Kampftonne wohl wieder etwas mehr Bock gehabt. Steven Seagal nimmt mit seinem neuesten DVD-Brecher, einst unter dem schönen Titel A HIGHER FORM OF LEARNING angekündigt, in vielerlei Hinsicht einen Kurswechsel vor. Als Detective Jacob King muß er sich nicht - wie in den meisten seiner letzten Graupen - mit weltumspannenden Geheimdienstverschwörungen herumplagen, sondern jagt einfach nur zwei Serienmörder (gespielt von grimassierenden Unbekannten) quer durch Memphis (gespielt von Vancouver). Seagal läßt sich dieses Mal in Dialogszenen nicht doublen, erfreut durch trockene Süffisanz und die eine oder andere emotionale Regung im Klotzgesicht. Die obligate Ethno-Schönheit will ihm an die ausladende Wäsche, perlt aber mit ihren erotischen Träumen am arbeitswütigen Cop eiskalt ab. Oben drauf gepackt kriegt Stevie auch noch ein saftiges Kindheitstrauma, das in ständig wiederkehrenden, furchtbar zappeligen Flashbacks die Tagträume des Gebeutelten aufmischt. Kein Wunder also, daß jeder, der dem stämmigen Ermittler krumm kommt, tierisch eins auf die Glocken kriegt. Als grenzwertiger Höhepunkt darf hierbei eine Szene gelten, in der Seagal einem unfreundlichen Gesellen die Vorderzähne am Kneipentresen rausbricht.

So weit, so gut. Mit größtenteils stimmiger Musik und einer - besonders im Vergleich mit Seagals jüngerem Output - zügig durcherzählten Abfolge von Ereignissen erspielt sich KILL SWITCH ansehnlichen Kredit. Leider geht aber das, worauf es eigentlich ankommt, ganz fürchterlich in die Hose: Die Action nämlich. Da Seagal sich nicht in der Lage sah oder schlichtweg keinen Bock hatte, selbst Watschen auszuteilen, muß sich Regisseur Jeff King mit einem Double begnügen, das aussieht wie Seagals Parodie bei MAD TV - und die war auch da schon nicht lustig. Um die daraus resultierende Bilder- und Aktionsarmut zu überspielen, hat sich King leider auch noch was einfallen lassen. Wie ein Irrer läßt er die "Highlights" der jeweiligen Actionszenen wieder und wieder aneinander schneiden, so daß man sage und schreibe zwölf Mal zu sehen bekommt, wie ein Unhold aus dem Fenster stürzt. Wer das noch als Abfeiern eines Stunts goutieren mag, kann sich schon mal auf die Szene freuen, in der acht Mal zu sehen ist, wie Seagal mit einer Waffe um die Ecke guckt. In den Fights sind die Wiederholungen nicht einmal aus unterschiedlichen Perspektiven zu sehen, so daß Seagals Faust in unsagbarer Eintönigkeit bis zu 30mal in dieselbe Fresse haut und den Gegner immer noch nicht zu Boden bringt. Das läßt den Helden dieses Films noch unfähiger wirken als die Schießereien, in denen auf zwei Meter Entfernung ganze Magazine geleert werden, ohne das Ziel zu treffen.

Doch damit nicht genug: Jeff King hielt sich für einen ganz cleveren Hund, als er - wohl in dem Willen, mehr Dynamik in die Chose zu zwingen - in den Lauf- und Prügelszenen immer wieder und immer mehr Frames aus den Bewegungen schneidet, so daß man sich angesichts dieser Zappelei im seligen Fußball-Ballett wähnt! Und selbst das wird noch unterboten im ersten der zwei Endfights. Da der Kampf zu 95% von Seagals gegeltem Double bestritten wird, mangelt es natürlich an Close-Ups vom Star. Und da hat King einfach Nahaufnahmen von Seagal genommen, die aus anderen Szenen stammen, ja sogar aus anderen Räumen mit anderen Hintergründen, in denen Stevie nur einen Schritt nach vorn oder hinten macht, jeder Fitzel wird genutzt, und zwar mehrmals! Das Gewitter, das da auf einen niederknüppelt, hat weder Sinn noch Verstand noch liegt hier auch nur die geringste Spur von Respekt dem zahlenden Konsumenten gegenüber vor. Ein Haufen zerschnittener Müll, Geschnetzeltes ohne Beilagen auf einem kaputten Teller.

Ein Jammer, denn KILL SWITCH hätte mit einem besseren Regisseur und der Kampfbereitschaft Seagals, die er im finalen Fight erahnen läßt, ein großer Schritt nach vorne sein können. So bleibt unterm Strich ein zwar unterhaltsames, aber in weiten Teilen schlicht unverschämtes Stückwerk im Player liegen - gekrönt immerhin von einer an Absurdität ihresgleichen suchenden Coda inklusive nackter Brüste. Muß man dann doch irgendwie gesehen haben.











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