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KILLER'S BODYGUARD (USA/China/Bulgarien/Niederlande 2017)

von Thorsten Hanisch

Original Titel. THE HITMAN'S BODYGUARD
Laufzeit in Minuten. 118

Regie. PATRICK HUGHES
Drehbuch. TOM O' CONNOR
Musik. ATLI ÖRVVARSSON
Kamera. JULES O' LOUGHLIN
Schnitt. JAKE ROBERTS
Darsteller. RYAN REYNOLDS . SAMUEL L. JACKSON . GARY OLDMAN . ELODIE YUNG u.a.

Review Datum. 2017-08-30
Kinostart Deutschland. 2017-08-31

Während der Pressevorführung von KILLER'S BODYGUARD stiefelte ein Teil der Journalistenmeute bereits ein paar Minuten vor Ende des Films zum Ausgang und ich konnte es dieses Mal ein klein wenig verstehen: Der Film von THE EXPENDABLES 3-Regisseur Patrick Hughes ist albern, überdreht, laut, (viel zu) brutal und kommt mindestens 20 Jahre zu spät - mir hat's aber trotzdem ziemlich viel Spaß gemacht.

Warum?

An der Story liegt's nicht: Abgehalfterter Bodyguard (Ryan Reynolds) muss hypercoolen Profikiller (Samuel L. Jackson) beschützen, der vor Gericht mit seiner Aussage einen russischen Diktator (Gary Oldman) hinter Gitter bringen will. Beide Protagonisten kennen sich bereits aus dem Berufsleben und haben dementsprechend erstmal Schwierigkeiten miteinander, zudem haben beide - allerdings recht unterschiedliche - Probleme im Liebesleben, aber, man ahnt es, zum Schluss wird alles gut: Diktator tot, Freundschaft dick, Liebe groß.

Warum doch geil? KILLER'S BODYGUARD liefert genau das, was die "The Expendables"-Franchise aus dem gleichen Haus (Millennium Films) trotz großspuriger Ankündigung nicht geliefert hat: Pure Retro-Action, die einfach nur Spaß machen, die einfach nur genug bang for ya buck liefern soll. Natürlich standen hier nicht finstere Söldner-Knaller à la MISSING IN ACTION, sondern vielmehr Buddy-Actioner wie SHOWDOWN IN LITTLE TOKYO Pate, der Punkt ist aber: Hughes ignoriert, nicht nur im Gegensatz zu den Stallone-Vehikeln, die Entwicklung der letzten Jahrzehnte völlig, es gibt keinerlei postmoderne Zwinker-Zwinker-Referenz-Witzeleien und keinerlei "Twists" oder sonstige storymäßigen Dreifach-Verrenkungen um irgendwie klüger als der Zuschauer zu sein, KILLER'S BODYGUARD zieht seine Nummer gradlinig und schlicht durch, legt seine Karten offen auf den Tisch, good guys, bad guys, boom, take it or leave it. Das kann man in seiner maximalen Aufgeräumtheit doof, aber eben auch erfrischend finden, zumal der Film den inhaltlichen Freiraum ausgiebig dazu nutzt, seinen beiden extrem gut gelaunten Hauptdarstellern Platz zur Entfaltung zu geben (die Nebendarsteller kriegen den allerdings nicht), was das Duo reichlich auskostet: Die Chemie stimmt zu 100%, die pointierten Dialoge geben die richtige Würze: Die Kabbeleien zwischen dem durchstrukturierten Regelfanatiker Reynolds und dem ruppigen Geradeausdenker Jackson wirken nie forciert und sind deswegen oft wirklich lustig, zudem überrascht das Drehbuch noch mit herrlich absurden, fast surrealen Einschüben: So sitzt zum Beispiel in einer zauberhaften kleinen Zwischenepisode Superkiller Jackson in einem Kleinbus voller, ihn anhimmelnder, Nonnen (!) und trällert mit den Ordensschwestern fröhlich Lieder, während Reynolds genervt daneben hockt! Die Actionszenen, die wohl zum besten und in diesem beschwingten Umfeld auch irritierend brutalsten gehören, was das amerikanische Mainstream-Kino dieses Jahr anzubieten hat, werden da direkt Nebensache.

Ein sicherlich bekloppter, rumpeliger Film, wie aus einem weit entfernt zurückliegende Jahrzehnt gepurzelt, der zudem ein bisschen was von einer Cartoon-Adaption hat, der aber in seiner Unbefangenheit ebenso jede Menge Charme versprüht - etwas, was die glatt gebügelte Konkurrenz oft nicht gerade behaupten kann.











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