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DER KILLER IN MIR (USA 2019)

von André Becker

Original Titel. DANIEL ISN'T REAL
Laufzeit in Minuten. 96

Regie. ADAM EGYPT MORTIMER
Drehbuch. ADAM EGYPT MORTIMER . BRIAN DELEEUW
Musik. CLARK
Kamera. LYLE VINCENT
Schnitt. BRETT W. BACHMAN
Darsteller. MILES ROBBINS . PATRICK SCHWARZENEGGER . SASHA LANE . MARY STUART MASTERSON u.a.

Review Datum. 2020-11-15
Kinostart Deutschland. direct-to-video

DANIEL ISN'T REAL von Adam Egypt Mortimer kommt in Hinblick auf seine Ausgangsidee recht schnell zur Sache: Das Einzelkind Luke ist plötzlich nicht mehr allein. Sein neuer Freund heißt Daniel, ist in etwa gleich alt und weicht ihm in seiner Kindheit nicht mehr von der Seite. Daniel ist allerdings kein gewöhnlicher Buddy, sondern existiert nur in Lukes Phantasie. Ein imaginärer bester Kumpel, der vor allem seiner alleinerziehenden Mutter schnell ein Dorn im Auge ist.

Luke soll Daniel loswerden. Egal auf welche Art und Weise. Da wo bloße Worte nicht mehr helfen, muss schließlich tief in die psychologische Trickkiste gegriffen werden. Daniel wird in ein Modellhaus verbannt und soll sich fortan von Luke fernhalten. Zum Erstaunen aller funktioniert der Trick ausgesprochen gut. Daniel ist verschwunden, Luke von seiner Gegenwart befreit. Problem gelöst? Mitnichten!

DANIEL ISN'T REAL springt nach dieser Einführung mehrere Jahre nach vorne und zeigt uns den, mittlerweile zum Studenten herangereiften, von Miles Robbins gespielten Luke. Das Studium, die Partys, das Jungsein ganz allgemein. Das Leben könnte so easy sein. Es kommt aber alles anders. Lukes Mutter erkrankt, was dazu führt, dass Luke wieder zum Haus seiner Kindheit zurückkehren muss. Und plötzlich ist sein alter Begleiter (Patrick Schwarzenegger als erwachsener Daniel) auch wieder da. Putzmunter sitzt er in der Badewanne. Als wäre er nie weg gewesen.

Adam Egypt Mortimer erzählt die Geschichte von Luke und Daniel vergleichsweise lange im Gewand eines Coming-of-age-Films. Die Persönlichkeit von Luke ist fragil, das Verhältnis zu seiner Mutter schwierig bis destruktiv. Luke wird dabei als der typische Einzelgänger charakterisiert. In sich gekehrt und ohne Freunde. Ein unscheinbarer Typ, der nicht weiter auffällt und der gerne auch vom anderen Geschlecht ignoriert wird. Daniel ist erwartungsgemäß das komplette Gegenteil. Eine Rampensau, die Luke anfangs gerne hilft aus seiner Schüchternheit auszubrechen.

Die ersten Erfolge bleiben nicht lange aus. Mithilfe des wortgewandten und charmanten Daniel schafft es Luke gar bei der unnahbaren Künstlerin Cassie (Sasha Lane) zu landen. Erwartungsgemäß beginnen hier die Probleme, denn Daniel ist gar nicht erfreut, dass er nicht mehr die erste Bezugsperson von Luke ist. Nach und nach zeigt sein imaginärer Freund sein wahres Gesicht. Als Luke sich während einer Party schließlich gegen seinen Freund richtet, beginnt ein Albtraum, der ihm vor Augen führt, dass Daniel viel mehr ist als nur ein harmloses Hirngespinst.

Spätestens ab dem Zeitpunkt als Daniel seinem vermeintlich besten Freund Luke eine Kostprobe seiner wahren Fähigkeiten gibt, wechselt Regisseur Mortimer sehr straight das Genre und inszeniert den Film als Body-Horror der es in sich hat. Dieser Richtungswechsel kommt zwar nicht total überraschend, dennoch muss man Mortimer zugestehen, dass er das Abbiegen ins Horror-Genre und die Welt der Phantastik recht geschickt und ohne Brüche auf der narrativen Ebene einfädelt.

Gelungen sind in diesem Zusammenhang auch die Masken und Effekte, die Mortimer gekonnt einsetzt und die ihre Wirkung nicht verfehlen. Wenn Körper miteinander verschmelzen oder ihre Dehnbarkeit vorgeführt werden, wird sehr deutlich, welche Regisseure und Filme hier Pate standen. DANIEL ISN'T REAL huldigt Cronenberg und Co., demonstriert durch die überwiegend originelle Hinwendung zum Thema Identität aber genug Eigenständigkeit um eine eigene Note zu hinterlassen.

Insofern hat Mortimer seit seinem grobschlächtigen Spielfilmdebüt SOME KIND OF HATE scheinbar einiges dazu gelernt. Die Zeit der selbstzweckhaft heruntergefilmten Splatter-Eskapaden mit Alibi-Handlungen scheint vorbei. In Mortimers jüngster Arbeit ist tatsächlich eine recht vielschichtige und vielfältig interpretierbare Story zu finden, die speziell im letzten Drittel aber auch die Horrorfilm-Klientel mit teils überraschend innovativen Ideen angemessen abholt.DANIEL ISN'T REAL sticht somit aus der Masse der Genre-Produktionen deutlich heraus und holt aus dem schmalen Budget mit so einigen WTF-Momenten wahrlich alles raus, was möglich ist.

DER KILLER IN MIR erscheint am 20.11.2020 bei Ascot Elite auf DVD und Blu-ray!











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