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KALTE KARIBIK (Deutschland 2010)

von André Becker

Original Titel. KALTE KARIBIK
Laufzeit in Minuten. 87

Regie. WOLF WOLFF
Drehbuch. WOLF WOLFF
Musik. CONRAD OLEAK
Kamera. HEIKO RAHNENFÜHRER
Schnitt. MARTIN EBERLE
Darsteller. PETER SILBEREISEN. FRANK BRUNET . RALPH KRETSCHMAR . MARTIN SEMMELROGGE u.a.

Review Datum. 2011-03-28
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Eines der größten und schwerwiegendsten Probleme des deutschen Films besteht darin, dass sich auch Kinoproduktionen auf der optischen und filmästhetischen Ebene oftmals kaum von der kostengünstig produzierten TV-Abendunterhaltung unterscheiden. Auch KALTE KARIBIK sieht aus wie ein typischer Mittwochabendfilm, der ohne großartige Zuschauerresonanz auf den Öffentlichrechtlichen ausgestrahlt wird. Selbst als TV-Produktion müsste man dem Film aber jegliche Berechtigung absprechen, denn trotz einer knappen Handvoll guter Ansätze versinkt die kleine Produktion in hoffnungsloser Belanglosigkeit.

Der sanftmütige Ludger (Peter Silbereisen) fristet als Polizist auf einer pittoresken norddeutschen Insel ein mehr als langweiliges Dasein. Da er seit seiner Einstellung keinerlei relevante Einsätze vorzuweisen kann, will der Bürgermeister seine Stelle streichen und ihn damit von der Insel verbannen. Zusammen mit seinem besten Freund plant Ludger ein inszeniertes Verbrechen, um dadurch seine Existenzberechtigung zu belegen und seine Stelle zu erhalten. Der Plan geht jedoch schief, denn durch Zufall kommt es zu einem folgenschweren Zusammenstoß mit einer Gruppe Jugendlicher, die ihre eigene Entführung vorgetäuscht haben und Lösegeld von ihren neureichen Eltern zu erpressen. Ludger muss fortan seine Qualitäten als Polizeiermittler unter Beweis stellen, doch dieses Unterfangen gestaltet sich schwieriger als erwartet.

Das Hauptproblem von KALTE KARIBIK ist einerseits dass Regisseur Wolff Wolf fälschlicherweise davon ausgeht, dass bereits ein ungewöhnliches Setting ausreicht, um eine lahme und wenig originelle Krimistandardstory aufzuwerten. Und dass der Film andererseits permanent versucht mit vermeintlich realistischen und dennoch skurillen Figurenkonstellationen und ungewöhnlichen Situationen Filmen wie FARGO, oder BUBE, DAME, KÖNIG, GRAS nachzueifern. Bereits bei dem hoffnungslos überbewerteten BANG, BOOM, BANG ging dieser Ansatz erwartungsgemäß nach hinten los, wenngleich KALTE KARIBIK in diesem Kontext weitaus nachhaltiger scheitert. Alles, von den Hauptprotagonisten über die Storyentwicklung, bis hin zu den Plottwists wirkt bemüht und aufgesetzt. Da reichen auch das bisschen Lokalkolorit und eine zumindest im Kern pointierte Milieuanalyse der Lebensrealität deutscher Inselbewohner nicht aus, denn davon abgesehen bietet der Film so gut wie gar nichts.

Von Spannung fehlt jede Spur und auch ein Interesse an den Figuren und deren Schicksal mag sich über die gesamte Laufzeit nicht recht einstellen. Besonders ärgerlich sind jedoch die amateurhaften Schauspielversuche der Nebendarsteller. Auch wenn die Hauptdarsteller halbwegs souveräne Leistungen abliefern, hinterlässt der gesamte Stab insgesamt gesehen einen mehr als dürftigen Eindruck. Insbesondere die jungen Darsteller agieren durchweg unterdurchschnittlich. Wenn so der Nachwuchs der deutschen Filmindustrie aussieht, darf man auf das Schlimmste gefasst sein.

Letztendlich ist es natürlich lobenswerte, wenn kleine Low-budget Produktionen, den Weg auf die große Leinwand finden. Filme wie KALTE KARIBIK dürften aber schlechterdings dazu beitragen, dass Filmverleiher in Zukunft wieder vorsichtiger werden und einen Bogen um die Independentfilmszene hierzulande machen.











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