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JUST WALKING (Spanien/Mexiko 2008)

von Jenny Jecke

Original Titel. SOLO QUIERO CAMINAR
Laufzeit in Minuten. 129

Regie. AUGUSTÍN DÍAZ YANES
Drehbuch. AUGUSTÍN DÍAZ YANES
Musik. CARLA HOOL
Kamera. PACO FEMENIA
Schnitt. JOSÉ SALCEDO
Darsteller. DIEGO LUNA . VICTORIA ABRIL . ARIADNA GIL . ELENA ANAYA u.a.

Review Datum. 2009-09-21
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Als Frau hat man es schon schwer, wenn man Gangsterfilme liebt. Sucht man sich einmal nicht mit Testosteron-geladenen Anzugträgern zu identifizieren und richtet den Blick stattdessen auf die Vertreter des eigenen Geschlechts, welche über die Leinwand stolzieren, was findet man da? Dominante Mütter, gezeichnet nach einer Anleitung aus "Psychoanalyse Heute". Geldgierige, intrigante Ehefrauen. Leidende, passive Ehefrauen. Drogensüchtige Ehefrauen am Rande des Nervenzusammenbruchs. Gar keine Frauen. Der Wahl zwischen Pest und Cholera ist man ja nicht nur in diesem Genre als weibliches Wesen ausgesetzt, doch wo hingegen der Actionfilm zumindest ein paar ordentliche Heldinnen aufweist, scheinen Frauen in Gangsterfilmen, wie übrigens auch im Western, auf die Zuschauerposition reduziert. Sie mögen vielleicht stark sein und bisweilen im Plot auch einen Hauch von Aktivität simulieren, doch meistens sind es eben die Männer, welche Pläne schmieden und ausführen, im Kugelhagel ausharren, den Helden- oder einsamen Tod sterben.

Männer sind cool, Frauen emotional. Diese Devise teilweise abstreifend und bis zu einem gewissen Grad auch parodierend, gibt JUST WALKING seinen vier weiblichen Heldinnen die Zügel in die Hand und es ist, trotz aller Schwächen, eine Wonne, ihnen dabei zuzuschauen, wie sie Pläne schmieden, in gleicher Weise gekonnt mit ihren weiblichen Reizen umgehen wie mit dem Schweißbrenner. Cool sind sie, nicht gefühllos. Aber dazu hinreißen, sich im peinlichen Gangstergepose ihrer männlichen Gegenspieler zu ergehen, lassen sie sich nicht. Die Männer, die kommen hier nicht wirklich gut weg.

Nicht alle von ihnen im Film sind schwanzgesteuerte Machos und Schläger, aber die meisten offenbaren die genannten Attribute an der ein oder anderen Stelle. Verwunderlich ist es deswegen nicht, dass der einzige Frauenversteher unter den Männern die weichen Gesichtszüge von Diego Luna trägt. Ein viel gerühmter Killer ist er, der es hasst, wenn Frauen geschlagen werden und das entsprechend vergeltet. Sein mexikanischer Boss und Freund Felix (José María Yazpik) dagegen ist das Gangsterklischee schlechthin und nicht gerade weise, als er die spanische Prostituierte Ana (Elena Anaya) heiratet, weil sie ihm gerade einen vorzüglichen Blowjob beschert hat. Keine glückliche Ehe ist das, also heckt Ana einen Plan aus, um ihrem reichen Drogendealer-Gatten eins auszuwischen. Da kann es nur nützlich, sein, dass in Spanien drei hilfsbereite Damen (u.a. Victoria Abril) bereitstehen, die sich nach einigen Verzögerungen auf nach Mexiko machen, um das Ding zu drehen.

Die gesamte Geschichte von JUST WALKING wiederzugeben, kann selbst als Heldentat angesehen werden, besitzt die spanisch-mexikanische Koproduktion, was die Erzählung angeht, immerhin die Aufmerksamkeitsspanne eines Fünfjährigen. Sich an OCEAN'S ELEVEN und Guy Ritchie anzulehnen, war jedenfalls keine gute Idee. Zwar bietet JUST WALKING mit seinen vier Hauptdarstellerinnen ein charismatisches Grüppchen, welches Clooney und Konsorten in Sachen ausgeklügelter Einbrüche in nichts nachsteht. Zwangsläufig leiden die involvierenden Aspekte des Films, etwa die Beziehungen der Frauen untereinander und zu ihren Ehemännern, Söhnen, Liebhabern, aber unter der fehlenden Konzentration auf das wesentliche. Die Coolness läuft daher ständig Gefahr, von den Figuren auf die Erzählung überzuspringen, ist manchmal sinnvoll, wenn den filmischen Vorbildern gehuldigt wird, aber im Wege stehend, wenn Drama und Tragik in die erste Reihe drängen. Hinzu kommt das Bedürfnis danach, wichtige Augenblicke, bei denen mehr als nur distanzierte Beobachtung gefordert ist, brachial abzubrechen. Demgemäß gesellt sich zur latenten Unübersichtlichkeit des Geschehens die Diagnose, dass Schritt für Schritt das Interesse am Schicksal der Ladies abgetragen wird, bis nur noch der Wunsch nach Auflösung des gewieften Heists verbleibt. Letztendlich scheitert JUST WALKING leider darin, ein Gangsterfilm über Frauen sein zu wollen, die Leben, Intelligenz und insbesondere ihre Sexualität einsetzen, um ihre Selbstbestimmung zu wahren. Aber es ist schön, dass jemand es mal wieder versucht hat.











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