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IZO (Japan 2004)

von Thorsten Hanisch

Original Titel. IZO
Laufzeit in Minuten. 130

Regie. TAKASHI MIIKE
Drehbuch. SHIGENORI TAECHI
Musik. KÔJI ENDÔ
Kamera. NOBUYUKI FUKAZAWA
Schnitt. YASUSHI SHIMAMURA
Darsteller. DAISAKU AKINO . CHISATO AMATE . MICKEY CURTIS . TAKESHI KITANO u.a.

Review Datum. 2005-04-21
Kinostart Deutschland. direct-to-video

Man kann über Takashi Miike denken, was man will, eins ist jedenfalls kaum zu leugnen: Der Mann ist immer für eine Überraschung gut. Wer erwartet hat, dass nach ONE MISSED CALL und ZEBRAMAN der Schonwaschgang eingelegt wird, hat sich gründlich geirrt, denn mit IZO packt Miike mal wieder die Gore-Keule aus, allerdings anders, als sich es die meisten wohl vorgestellt haben.
Wer angesichts des Trailers schon freudig auf einen weiteren ICHI-THE KILLER gehofft hatte, darf sich gleich mal den Speichel von der Kauleiste wischen, denn das neueste Kind des passionierten Sonnenbrillenträgers ist trotz Dutzender brutaler Szenen vom fröhlich-bunten Treiben eines Kakihara doch recht weit entfernt, zum Schmunzeln regen höchstens zwei mal wieder arg durchsichtige Effekte an, der Ton ist ansonsten durchwegs düster, eine narrative Struktur ist kaum auszumachen, Inkohärenz ist das Wort, welches einem nach ein paar Minuten in den Sinn kommt.

Schon im Auftakt macht Miike klar, wo der Hammer hängt: Izo hängt am Kreuz und wird in einer langen Sequenz von zwei Soldaten mit Lanzen zu Tode gefoltert. Das Blut sprudelt in rauhen Mengen. Fortan geistert der Getötete als ruh- und rastloser Geist durch Raum und Zeit, um an den Nachfahren seiner Peiniger Rache zu nehmen und gegen staatliche Institutionen und gesellschaftliche Traditionen und Werte zu kämpfen. Dabei verwandelt er sich immer mehr zu einem innerlich völlig zerrissenen Dämon. Nach endlosem Geschlachte steht er schließlich seinem Feind, der Personifikation allen Hasses, gegenüber.

Schätze ich zumindest, denn so schwer hat es der Regie-Derwisch seinen Zuschauern noch nie gemacht. Zusammen mit seiner Crew (sowohl vor als auch hinter der Kamera gibt es viele bekannte Namen aus dem Miike-Universum) wird uns hier eine Art Mischung aus Philosophie-Kurs, Chambara (japanischer Schwertkampffilm), etwas Godard und einer gehörigen Prise Gore aufgetischt.

Diese Zutaten werden allerdings alles andere als leicht bekömmlich zubereitet: Es prasseln bedeutungsschwangere, allerdings auch schön geschriebene und durchaus überdenkenswerte Dialoge in die Ohrmuscheln des geplätteten Konsumenten, es wird wild und ohne erkennbaren Zusammenhang zwischen Schauplätzen und Zeitebenen hin- und her gewechselt, Archivmaterial von Geburten, vom 2.Weltkrieg und anderem zwischengeschnitten, die vielen Kampfszenen sind ungelenk, roh und blutrünstig, immer wieder wird das Tempo enorm, fast bis zum Quasi-Stillstand gedrosselt. Das repetitive Geschehen wird sicherlich einer Menge Zuschauer den auch wirklich allerletzten Nerv kosten, wenn dies nicht schon vorher der Gitarrist, der immer mal wieder auftaucht und Balladen zum besten gibt, erledigt hat. Wobei man aber, wenn man sich denn auf IZO einlässt, schnell merken wird, dass diese Strukturierung nicht ohne Grund so erfolgt ist. Vermute ich zumindest.

So negativ die vorgehenden Zeilen vielleicht auch klingen mögen, Miikes Film ist es definitiv wert, gesehen zu werden. Es ist einer der radikalsten und ambitioniertesten (dafür spricht auch schon die für seine Verhältnisse ungewöhnlich lange Drehzeit von vier Wochen) Filme des Workaholics, welcher – wie fast immer - gekonnt in Szene gesetzt wurde (vor allem die stellenweise wirklich herrlichen Kulissen sind eine Augenweide) und definitiv zum mehrmals Anschauen und Grübeln einlädt, denn im Gegensatz zu vielen seiner Filme gewinnt man bei IZO den Eindruck, dass Miike es dieses Mal ernst meint. Vermute ich zumindest.

Und wenn das doch bloß ein weiterer Ulk des Regie-Punks ist, kann man sich damit trösten, dem momentan originellsten Schelm auf dem Leim gegangen zu sein.











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