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INDEPENDENCE DAY: WIEDERKEHR (USA 2016)

von Heiner Gumprecht

Original Titel. INDEPENDENCE DAY: RESURGENCE
Laufzeit in Minuten. 120

Regie. ROLAND EMMERICH
Drehbuch. NICOLAS WRIGHT . JAMES A. WOODS . DEAN DEVLIN
Musik. HARALD KLOSER . THOMAS WANKER
Kamera. MARKUS FÖRDERER
Schnitt. ADAM WOLFE
Darsteller. LIAM HEMSWORTH . JEFF GOLDBLUM . JESSIE T. USHER . BILL PULLMAN u.a.

Review Datum. 2016-07-14
Kinostart Deutschland. 2016-07-14

Die goldene Regel in Hollywood lautet: wenn etwas Erfolg hat, dann schlachte die Idee aus, bis sie nicht mehr blutet und reite das Pferd über den Tod hinaus. Diesen Punkt hat INDEPENDENCE DAY natürlich noch nicht erreicht, aber der Weg in diese Richtung wurde eingeschlagen. Im Vorfeld wollte man kaum bestreiten, dass visuell ordentlich ansprechendes Popcornkino nicht ein erreichbares Ziel für die Fortsetzung sein könnte. Teil 1 war unterm Strich auch nicht viel mehr, hat aber einen bleibenden Eindruck in der Kinolandschaft hinterlassen. Doch nun, wo INDEPENDENCE DAY: WIEDERKEHR gesichtet wurde, ist die Traumblase geplatzt.

Aber erst einmal von Anfang an. Die Aliens wurden abgewehrt und die Menschheit konnte ihren kleinen, blauen Planeten wieder ausbauen. Merkwürdigerweise ganz genau so, wie die realen Schwestern der gezeigten Städte auch bei uns aussehen. Aber mit einem gravierenden Unterschied: die Differenzen zwischen den Völkern wurden niedergelegt. Man hat einen gemeinsamen Feind und das hat alle zusammengeschweißt. Friede, Freude, Eierkuchen also? Natürlich nicht. Denn die letzte Welle intergalaktischer Aggressoren hat einen Notruf abgesetzt und jemand hat auf der anderen Leitung mitgehört.

Und natürlich sind alle Vorbereitungen unserer Rasse umsonst gewesen. Ein Raumschiff mit einem Durchmesser von 500 Meilen erreicht die Erde und zerstört bei seiner Landung einen Großteil unserer Heimatwelt. Eine Alienkönigin fordert blutige Rache und nur echte Helden können diesen Feind jetzt stoppen. Das klingt, als würde man einen dummen Spruch an den anderen reihen, aber das ist genau das, was passiert. Dazu noch eine Ladung äußerst gewürzter Logikfehler und wir befinden uns wieder genau dort, wo uns schon so viele Fortsetzungen stehen gelassen haben; im Regen.

Es ist nicht so, als wäre INDEPENDENCE DAY: WIEDERKEHR im groben Sinne schlechter als sein Vorgänger. Das Durchschnittsniveau hängt ähnlich. Es ist viel mehr, dass zu viele Dinge auf einmal schief gehen. So imposant die Action und das Gezeigte auch sein mögen, es gehört wenigstens noch ein Fünkchen mehr, um wirklich zu unterhalten. Doch nicht nur Geschichte und innere Logik sind hanebüchen, sondern auch die Figuren und der Weg, den dieses Filmuniversum einschlägt.

Alte Figuren werden zurück in ihre Schublade gesteckt und auf ihre wesentlichen Charaktereigenschaften beschränkt. Neue Helden sind kaum mehr als Abziehbildchen aus anderen Science-Fiction-Blockbustern. Eindimensional und austauschbar. Und zu guter Letzt rettet auch das beste CGI nicht vor dem Pfad, den man hier beschreitet und der mit großen Schritten zu Teil 3 führt. Ein bombastisches Universum, mit intergalaktischen Kriegen und allem, was HALO oder auch STARGATE bereits besser gemacht haben - egal, ob man die Filme/Serien mag oder auch nicht.

Dadurch verliert INDEPENDENCE DAY das, was ihn neben der optischen Zerstörungswut von anderen Vertretern dieses Genres unterschieden hat. Der humorvolle Horrorton der (fast) gesichtslosen Feinde aus dem dunklen All, musste einer epischen Saga weichen, die - ohne sich selbst äußerst ernst zu nehmen - von Schlachten á la STAR WARS träumt. Klischees und Fremdschämen durchziehen die zweite Hälfte dieses Machwerks, während eindrucksvolles Popcornkino den ersten Teil durchaus erträglich macht.

Man möchte hier betonen, dass INDEPENDENCE DAY: WIEDERKEHR nicht unterirdisch ist. Es ist hochwertig produziertes Kino - zumindest für die Augen. Aber man war bei der Kreation dieses Ungetümes ziemlich faul. Der Fokus lag auf dem, was man noch alles erzählen möchte; in der Zukunft. Stattdessen hätte er lieber im hier und jetzt liegen und erst einmal diesen Film einen Stellenwert vermitteln sollen. Nun kann man nur noch hoffen, dass sich Roland Emmerich und Co. in Teil 3 mehr Mühe geben, nicht nur einzelne Szenen zu zeigen, die sich im Kopf richtig anfühlten, aber ohne gutes Drehbuch lose zwischen den Filmminuten wabern.











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