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HOUNDS OF LOVE (Australien 2016)

von André Becker

Original Titel. HOUNDS OF LOVE
Laufzeit in Minuten. 108

Regie. BEN YOUNG
Drehbuch. BEN YOUNG
Musik. DAN LUSCOMBE
Kamera. MICHAEL MCDERMOT
Schnitt. MERLIN CORNISH
Darsteller. EMMA BOOTH . STEPHEN CURRY . ASHLEIGH CUMMINGS . SUSIE PORTER u.a.

Review Datum. 2017-10-11
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Zwei Songs, die den Beginn und das Ende einer wahrlich markerschütternden filmischen Tour de force einleiten. Während der Schmachtfetzen Nights in white satin der stilprägenden Rockband The Moody Blues an zentraler Stelle die Geschichte in ihre entscheidende Richtung lenkt, wabert Atmosphere der Wave-Ikonen Joy Division über die letzten Einstellungen in den Abspann hinein. Dazwischen: Eine Geschichte über Macht, Abhängigkeit, Verzweiflung, Liebe?

John (Stephen Curry) und Evelyn White (Emma Booth) sind nur auf den ersten Blick ein halbwegs unauffälliges Pärchen einer beschaulichen Wohnsiedlung in einem australischen Vorort. Diese Erkenntnis erreicht die Teenagerin Vicki (Ashleigh Cummings) allerdings zu spät. Diese befindet sich, nachdem sie unter einem Vorwand in die Wohnung der Whites gelockt wurde, in der Gewalt des Paares. In einen dunklen Raum eingeschlossen ist sie fortan den sadistischen Launen ihrer Peiniger ausgeliefert. Ihr einziger Ausweg scheint Evelyn zu sein, die ebenso leidet, den Einfluss ihres manipulativen Partners aber nicht so leicht abschütteln kann.

HOUNDS OF LOVE erzählt nur vordergründig von einer Entführung und dem daran anschließenden Leidens- und Auflehnungsweg des Opfers. Regisseur Ben Young, der hier sein eindrückliches Langfilmdebüt vorlegt, fokussiert sich primär auf die Beleuchtung der Beziehungen seiner drei Hauptfiguren. Die vorhandenen Thrillerelemente (die unvermeidlichen Fluchtversuche Vickis etc.) werden eher nachrangig behandelt. Sofern man unbedingt eine vereinfachende Einordnung vornehmen will, müsste man die australische Produktion wohl primär als schwer verdauliches Beziehungsdrama aus der Vorstadthölle einstufen. Young lässt hierbei die Gewalt fast ausschließlich außerhalb der Bilder ablaufen. Dennoch ist das Gezeigte ausgesprochen hart und verstörend anzusehen. Wer diesen ungemütlichen Film aushält wird jedoch mit großartigen schauspielerischen Leistungen und einem in jeder Hinsicht hervorragendem Drehbuch belohnt, dass ohne Kompromisse ein tiefschürfendes Täter-Opfer-Psychogram zeichnet, das eine kluge Auseinandersetzung mit der Dynamik von Gewalt gleich mitliefert.

Darüber hinaus muss hervorgehoben werden, dass der Film seine Thematik frei von altbackenen Gender-Zuschreibungen beleuchtet. HOUNDS OF LOVE ist ein Film über männliche UND weibliche Gewalt, die in ihrer scheinbar stabilisierenden Wirkung für eine dysfunktionale Beziehung und ihrer damit einhergehenden Normalität geradezu monströs alltäglich erscheint. Wenn Young mit extremen Zeitlupen die andere vermeintliche soziale Normalität, nämlich die des Vorstadtlebens, einfängt bleibt einem als Zuschauer gar nichts anders übrig als angesichts dieser fast zwangsläufig naheliegenden Gegenüberstellung schwer zu schlucken.

Mit seiner unerschrockenen Erzählweise und durch das Vermeiden fadenscheiniger Psychologisierungen entwirft Young ein tiefgründiges Tableau zwischenmenschlicher Beziehungen, das in seiner niederschmetternden Konsequenz sicherlich niemanden kalt lässt und noch lange nach dem Abspann für reichlich Diskussionsstoff sorgen sollte.

Der Film ist ab dem 20.10.2017 als DVD, Blu-ray und 2-Disc Limited Mediabook von Indeed Film erhältlich!











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