AFTER DARK Film TALK Facebook Twitter

das manifest¬  kontakt¬  impressum¬  verweise¬  übersicht¬ 
[   MEINUNGSMACHER  |   GEDRUCKTES IST TOT  |   KAPITELWAHL  |   UNENDLICHE TIEFEN
   MENSCHEN  |   GESPRÄCHE  |   FEGEFEUER DER EITELKEITEN  |   MIT BESTEN EMPFEHLUNGEN   ]
MEINUNGSMACHER

HOTEL BELA (Deutschland 2011)

von Benjamin Hahn

Original Titel. HOTEL BELA
Laufzeit in Minuten. 26

Regie. HASKO BAUMANN
Drehbuch. -
Musik. diverse
Kamera. FABIAN MEYER
Schnitt. VERONIQUE CABOIS
Darsteller. BELA B . GEORGE ROMERO u.a.

Review Datum. 2011-10-24
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Hotelzimmer sind merkwürdige Orte. Irgendwo zwischen dem Anspruch auf ein bisschen Erholung für den Gast und dem zweckorientierten Pragmatismus einer reiner Übernachtungsbutze sind sie meist ein Kompromiss, den man eher selten für sein trautes Heim eintauschen möchte - es stimmt eben doch: there's no place like home. Zum Glück für uns Normalsterbliche können wir diese Orte nach kurzer Zeit wieder verlassen und in unsere eigenen vier Wände zurückkehren. Doch was ist eigentlich mit den Menschen, die ständig in Hotels leben müssen? Mit Regisseuren, Schauspielern, Musikern, die ständig durch die Welt tingeln und ihre eigentliche Wohnung vielleicht nur mal ein paar Tage im Jahr sehen? Bela B, den meisten wohl bestens bekannt als Schlagzeuger der Punk-Rockband Die Ärzte, geht nun in der neuen Arte-Serie HOTEL BELA dieser Frage nach und besucht prominente Künstler in ihren temporären Behausungen.

In der ersten Folge, die passenderweise an Halloween über den Äther flimmern wird, trifft Bela B in Lissabon auf den Großmeister des Zombie-Films, den US-amerikanischen Regisseur George Andrew Romero. Als die beiden nach einer kurzen Einleitung aufeinander treffen, merkt man sofort, dass die Chemie zwischen beiden absolut perfekt ist: Hier der langjährige Fan und Bewunderer, dort der gutmütige alte Onkel, der sich auf jeden Quatsch seines Besuchers einlässt - der Spaß, den die beiden vor der Kamera haben, überträgt sich gleich von Beginn auf den Zuschauer und reißt einen so mit, dass die 26 Minuten Laufzeit viel zu schnell vergehen.

Was nun für den ein oder anderen nach einer abgedroschen Phrase klingen mag, entspricht voll und ganz der Wahrheit: Man merkt in jeder Sekunde dieser mittels kleiner Spielchen, Gags und Quizrunden mit dem Promi sehr abwechslungsreich gestalteten Show, dass dem mit glänzenden Augen vor Romero sitzenden Bela B noch gefühlte tausend Fragen an sein großes Idol einfallen und nur zu gerne wünscht man sich, das dieses Treffen noch ewig weitergehen würde. Doch Sendezeit ist begrenzt und so muss dieser Spaß folgerichtig irgendwann ein Ende finden. Dass man dabei dennoch nicht das Gefühl hat, dass irgendwas fehlt, dass sich das Gespräch trotz des Eindampfens auf eine fernsehgerechte knappe halbe Stunde dennoch so rund und harmonisch anfühlt, ist ein Verdienst des an der Produktion beteiligten Teams, allen voran der Cutterin Veronique Cabois und des Regisseurs Hasko Baumann, die beide genau die richtige Balance in Sachen Schnitttempo und Inszenierung finden, um HOTEL BELA jung und modern wirken zu lassen ohne dabei in eine nerv-tötende MTV-Clip-Ästhetik zu verfallen.

Pilotfolgen, gerade wenn sie im Ganzen betrachtet so überzeugend und gelungen sind, haben den Vorteil, dass sie sich auch den ein oder anderen negativen Aspekt erlauben dürfen und so sei an dieser Stelle angemerkt, dass man sich ein wenig mehr Freiheiten im Verlauf des Gesprächs erlauben sollte. Die Diskussion über Hotelzimmer und temporäre Unterkünfte ist zwar das grundlegende Konzept dieser Sendung und tatsächlich auch sehr interessant, aber wenn das Gespräch nicht von alleine auf dieses Thema kommt, dann sollte man den Themenwechsel nicht erzwingen. Im Endeffekt ist nämlich das zu beobachtende Verhalten des besuchten Promi im Hotelzimmer Aussage genug: Wenn ein Romero sich auf jeden Schabernack seines Gegenübers einlässt und gemeinsam mit Bela B eine kleine Horrorfilmszene in seinem eigenen Hotelzimmer inszeniert, dann ist eigentlich relativ klar, dass sich dieser Mann dort sehr wohlfühlt.

Dieses Detail jedoch ist der einzige Kritikpunkt, den man gegenüber der Pilotfolge von HOTEL BELA nennen kann. Ansonsten nämlich ist diese erste Folge ein eindrucksvoller, rundum gelungener und unterhaltsamer Auftakt zu einer hoffentlich langlebigen Fernsehshow geworden. Chapeau!

HOTEL BELA ist am 31.10.2011 um 23:40 Uhr auf Arte zu sehen!

Fotos: Claudia Stülpner / Fabian Meyer.











Facebook facebook | Twitter twitter :: Datenschutz :: version 1.10 »»» © 2004-2017 a.s.