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HESHER (USA 2010)

von Sebastian Moitzheim

Original Titel. HESHER
Laufzeit in Minuten. 106

Regie. SPENCER SUSSER
Drehbuch. SPENCER SUSSER . DAVID MICHÔD
Musik. FRANK TETAZ
Kamera. MORGAN SUSSER
Schnitt. MICHAEL MCCUSKER . SPENCER SUSSER
Darsteller. JOSEPH GORON-LEVITT . RAINN WILSON . DEVIN BROCHU . NATALIE PORTMAN u.a.

Review Datum. 2011-11-08
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Geht man von Grundidee und Besetzung aus, erwartet man bei HESHER fast eine klassische, quirky Indie-Tragikomödie: Außenseiter Hesher (Joseph Gordon-Levitt) zieht bei dem jungen T.J. (Devin Brochu) und seinem Vater Paul (Rainn Wilson) ein und hilft den beiden, nach dem Tod von T.J.s Mutter, den Weg aus Trauer und Depression zurück ins Leben zu finden (und als Supermarkt-Kassiererin, mit der T.J. sich anfreundet, ist auch noch Natalie Portman zu sehen). Doch Gordon-Levitts Hesher ist kein liebenswerter Sonderling, sondern ein gewaltbereiter Misanthrop und auch T.J. und Paul sind alles andere als sympathische Figuren. In seinen besten Momenten ist HESHER weniger Indie-Komödie als vielmehr emotional raues Drama mit bestenfalls zynischem Humor.

Leider braucht Regisseur und Autor Spencer Susser eine ganze Weile, den richtigen Ton zu finden und versucht sich immer wieder an eher gewollt komischen Momenten. Nach einem Streit mit seinem Vater trifft T.J. Hesher in einem scheinbar leerstehenden Haus, dessen Fenster er mit einem Stein einwirft. Hesher greift T.J. an und folgt ihm später in die Schule und zuletzt nach Hause, wo er sich ungefragt einquartiert. Während dieser Einleitung inszeniert Susser die Figur Hesher nicht als den Unsympathen, der er ist, sondern als coole Sau: Gefühlt jeder zweite Satz von ihm wird mit E-Gitarren-Klängen kommentiert, die bei Heshers leider nur bedingt pointierten Dialogzeilen unangenehm an Lachschleifen erinnern. Generell mag kaum ein Witz in HESHER wirklich zünden - was auch damit zu tun hat, dass man eigentlich über keine der Figuren des Films wirklich lachen möchte.

Ein Glück daher, dass die gewollt komödiantischen Elemente mit der Zeit abnehmen und HESHER sich auf seine Stärken besinnt: Die Trauer von T.J. und Paul, ihre Unfähigkeit, überhaupt Emotionen zu empfinden, fängt Susser hervorragend ein. Rainn Wilson liefert als depressiver, am Leben (seinem eigenen und dem seines Sohnes) desinteressierter Vater neben seiner Rolle in SUPER seine zweite starke Performance dieses Jahr ab und auch Devin Brochu überzeugt mit seiner grimmigen Darstellung als T.J. Gordon-Levitt versucht zwar fast ein Bisschen zu verkrampft, sich von seinem knuffigen Indie-Image zu lösen, doch in seinen Szenen mit Großmutter Madeleine (Piper Laurie), mit der Paul und T.J. zusammenleben, beweist er Gespür für emotionale Nuancen und sorgt für subtil-berührende Momente.

Tatsächlich lebt HESHER vom Kontrast zwischen emotionaler Taubheit und den wenigen, unspektakulären Momenten, in denen doch so etwas wie Wärme durchkommt. Natürlich ist es am Ende ein Monolog von Hesher, der T.J. und Paul aus ihrer Depression hilft, doch dieser wirkt so ungelenk, so unüberlegt, dass die Szene doch angenehm frei von Klischees bleibt. Am Ende haben T.J. und Paul keinen großen Durchbruch erlebt, sondern einen ersten Schritt gemacht und Hesher selbst kann letztlich nicht anders, als in sein Einzelgängerdasein zurückzufallen.

Trotz dem etwas holprigen Einstieg und der deplatzierten Comedy ist HESHER ein durchaus sehenswertes Drama. Die zunächst abwegige Grundidee setzt Susser erstaunlich glaubwürdig um und auch wenn der Film nicht immer unterhaltsam ist und nicht selten etwas unkonzentriert wirkt, ist er doch zumindest durchgehend interessant.











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