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HERCULES (USA 2014)

von André Becker

Original Titel. HERCULES
Laufzeit in Minuten. 98

Regie. BRETT RATNER
Drehbuch. RYAN CONDAL . EVAN SPILIOTOPOULOS
Musik. FERNANDO VELAZQUEZ
Kamera. DANTE SPINOTTI
Schnitt. MARK HELFRICH . JULIA WONG
Darsteller. DWAYNE JOHNSON . IAN MCSHANE . RUFUS SEWELL . JOHN HURT u.a.

Review Datum. 2014-08-31
Kinostart Deutschland. 2014-09-04

Dwayne Johnson ist Hercules. Eine Legende, halb Mensch, halb Gott, verehrt und gefürchtet zugleich. Die gewohnt stoische Dampfwalze Johnson mimt den sagenumwobenen griechischen Halbgott dabei in gewohnt minimalistischer Manier. Als ehrbaren Muskelprotz mit dem Herz am richtigen Fleck. Hercules ist aber vor allem eins: Ein Kämpfer. Alle Nase lang darf der ehemalige Wrestler deshalb Gegner vermöbeln. Mit den Fäusten, irgendwelchen Knüppeln oder was sonst gerade so in Reichweite rumliegt. Regie führt Brett Ratner, Garant für klingelnde Kassen und schrecklich durchkalkulierte Blockbuster-Kost der Marke RUSH HOUR.

Nachdem Hercules bei seinem einstigen König in Ungnade gefallen ist, zieht der Halbgott mit einer ihm treu ergebenen Söldnertruppe auf der Suche nach neuen Aufgaben durch das Land. Ein lukrativer Auftrag führt die Gruppe schließlich an den Hof von König Cotys (John Hurt). Hercules soll das Reich vom grausamen Feldherren Rhesus (Tobias Santelmann) befreien damit wieder Ruhe im Land von Thrakien einkehrt. Unterstützen sollen ihn die Gefolgsleute des Reiches, die allerdings mehr schlecht als recht ausgebildet und wenig kampferprobt sind. Nach ein paar kurzen Trainingseinheiten beginnt die Reise, die für Hercules und seine Truppe immer neue brenzlige Situationen bereithält. Als sie Rhesus endlich gefangen haben, müssen Hercules und seine Freunde erkennen, dass sie hereingelegt wurden und die wahren Unholde in den obersten Rängen des Hofes zu finden sind.

Johnson und Ratner also. Welch unheilvolle Verbindung hat sich Hollywood da bloß wieder einfallen lassen. Der dazugehörige Film schafft es diesbezüglich tatsächlich fast alle Erwartungen zu erfüllen. Das ist zwar nicht unbedingt als Kompliment zu verstehen, aber immerhin bleiben die ganz bösen Überraschungen aus. HERCULES bietet erwartungsgemäß jede Menge Krawall und Remmidemmi: Riesige Monster, spektakuläre Massenszenen, einige eindrucksvolle Naturaufnahmen und ein ausgesprochen knalliges Finale lassen das ebenfalls dieses Jahr gestartete Konkurrenzprodukt THE LEGEND OF HERCULES von Regie-Veteran Renny Harlin ziemlich alt aussehen. Das Millionenbudget sieht man dem Film jedenfalls nicht nur bei den perfekt getricksten CGI-Kreaturen deutlich an. Im Gegensatz zu Harlin, der seinen Hercules überraschend bierernst angelegt hat, setzt Ratner auf einen betont locker-humoristischen Inszenierungsstil. Von den Albernheiten der von Sam Raimi produzierten Erfolgsserie aus den neunziger Jahren ist der Film dankenswerterweise allerdings weit entfernt.

HERCULES entpuppt sich dennoch bereits nach kürzester Zeit als ziemlich uninspirierte Angelegenheit. Ratner versucht zwar mehrfach die menschliche Seite der griechischen Legende näher zu beleuchten, scheitert hier jedoch kläglich, da das Drehbuch die Hauptfigur viel zu platt charakterisiert und am Ende doch nur die wenig spannende Heldenverehrung abgespult wird. Was bleibt ist eine mal mehr, mal weniger unterhaltsame Abenteuer-Klamotte für die ganze Familie. Vollgestopft mit coolen Sprüchen, unmotivierten Kloppereien, ein paar Fantasy-Elementen und einer vollkommen langweilig und spannungsarm erzählten Alibihandlung. Glücklicherweise erdreistet sich Ratner nicht seine Version der griechischen Heldenfigur auf ein überlanges Epos aufzuplustern. Michael Bay hätte aus dem Stoff wahrscheinlich einen drei Stunden langen Showdown gemacht. Ratner kommt immerhin mit rund eineinhalb Stunden aus.

Obwohl Johnson den griechischen Halbgott durchaus sympathisch darstellt, fällt zudem leider wieder einmal negativ auf, wie beschränkt doch seine schauspielerischen Fähigkeiten sind und wie wenig sich seit seiner schaurigen Performance als Scorpion King in Stephen Sommers DIE MUMIE KEHRT ZURÜCK gebessert hat. Die anderen Darsteller machen ihre Sache schon wesentlich besser. Insbesondere Aksel Hennie (HEADHUNTERS) trumpft auf und überzeugt als wortkarger Krieger mit dunkler Vergangenheit.

Es hätte schlimmer kommen können. HERCULES ist weniger anstrengend als viele Hollywood-Abenteuerschinken der letzten Jahre und liefert zumindest teilweise recht kurzweilige Unterhaltung im überlebensgroßen Blockbuster-Modus. Dank solider Kampfszenen und ordentlicher Effekte wird man immer dann gerade noch rechtzeitig bei der Stange gehalten, wenn das öde Skript vergeblich versucht das Publikum in irgendeiner Weise emotional zu packen. Für einen verregneten Sonntagnachmittag vor der Glotze mag das reichen, ein Kinoticket ist das Ganze aber definitiv nicht wert.











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