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HELL IN TANGIER (Belgien 2006)

von Björn Eichstädt

Original Titel. DE HEL VAN TANGER
Laufzeit in Minuten. 105

Regie. FRANK VAN MECHELEN
Drehbuch. PAUL PIEDFORT
Musik. STEVE WILLAERT
Kamera. LOU BERGHMANS
Schnitt. JORIS BROUWERS
Darsteller. FILIP PEETERS . ELS OLAERTS . AXEL DAESELEIRE . PETER GORISSEN u.a.

Review Datum. 2008-03-01
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Es ist so ein Ding mit dem klassischen Erzählkino: Je öfter man Filme sieht, die einfach eine Geschichte von vorne bis hinten durcherzählen, die weder fotografisch noch auf der Metaebene punkten können, weil die Bilder das Übliche sind und die Message mager ist und einem auch noch schrecklich dick aufs Brot geschmiert wird, desto häufiger langweilen einen diese Filme. Da kann das Thema prinzipiell noch so aufwühlend sein. Und auch das ist es, beim besten Willen, in HELL IN TANGIER nicht. Dieser belgische Film ist einfach nur schrecklich langweilig.

Ein Gefängnisfilm. So könnte man den Streifen von Regisseur Frank Van Mechelen am ehesten charakterisieren. Denn seine Handlung spielt sich hauptsächlich in einem marokkanischen Knast ab. Da sitzen Marcel und Wim ein, die als Busfahrer eines belgischen Reiseunternehmens nichts Böses ahnend in ein Drogendelikt verwickelt wurden. Natürlich geht es den beiden schlecht, die Justiz vor Ort ist korrupt und das Gerechtigkeitsverständnis für Westler nicht nachzuvollziehen. Außer vielleicht für den Boss des Reiseunternehmens, der seine beiden Angestellten in den Mist reingeritten hat, und der nun mit ein bisschen Schmiergeld aus der Sache rauskommen möchte. Der eigentlich Clou, so meint der Film jedenfalls, ist allerdings: Auch die belgischen Behörden reagieren vollkommen uninteressiert darauf, dass Staatsbürger im Ausland unter menschenunwürdigen Bedingungen einsitzen und behandeln die Familien wie Dreck.

Das alles ist ja keine schlechte Prämisse. Aber HELL IN TANGIER tröpfelt einfach so unglaublich belanglos daher, dass es ein reines Trauerspiel ist. Als Fernsehspiel irgendwo auf der Nachtschiene. Ok, vielleicht. Aber fürs Kino kommt dieser pseudoempörte Film deutlich zu schwachbrüstig daher. Der böse Knast ist so böse nicht, die Figuren sind vollkommen schwarzweiß geraten und auch sonst kann man als Rezipient beim besten Willen nichts entdecken, was hier hervorzuheben wäre. Vielleicht der latente Rassismus, der den ganzen Streifen durchzieht, der die Marokkaner alle in einen Topf stopft und auch unter den Belgiern schließlich nur korrupte Schweine entdecken mag. Aber das ist nun wirklich kein Pluspunkt. Mit dem Thema hätte man wirklich etwas anstellen können. So erinnert alles an die sensationsheischende Berichterstattung zum "Fall Marco" in der Türkei, die die Dinge nicht mehr differenziert, sondern einfach nur in eine plakative Headline packt: HELL IN TANGIER.











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