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HALLOWEEN (USA 2018)

von André Becker

Original Titel. HALLOWEEN
Laufzeit in Minuten. 106

Regie. DAVID GORDON GREEN
Drehbuch. DAVID GORDON GREEN . DANNY MCBRIDE . JEFF FRADLEY
Musik. JOHN CARPENTER . CODY CARPENTER
Kamera. MICHAEL SIMMONDS
Schnitt. TIMOTHY ALVERSON
Darsteller. JAMIE LEE CURTIS . JUDY GREER . ANDI MATICHAK . HALUK BILGINER

Review Datum. 2018-10-24
Kinostart Deutschland. 2018-10-25

Michael Myers kommt nicht zur Ruhe. HALLOWEEN von David Gordon Green (viel Lob für das Drama JOE - DIE RACHE IST SEIN) lässt die vielen Entwicklungen der zahlreichen Fortsetzungen und Neuinterpretationen mehr oder minder komplett unbeachtet und versteht sich als direkte Fortführung des Ursprungsfilms von 1978. Zurück zu den Wurzeln, back to roots also. Das klingt erstmal ziemlich sinnvoll, war nach Rob Zombies Remake von 2007 und dessen Klimax zwei Jahre später doch die Luft irgendwie komplett raus.

Nun ist es leider so, dass dieser (erneute) Neustart kaum der Rede wert ist. Regisseur Green präsentiert zwar ein paar interessante Ansätze, diese werden jedoch nicht wirklich konsequent zu Ende geführt oder verpuffen angesichts der langweilig stromlinienförmig ablaufenden Routine-Inszenierung, in die der Film irgendwann abgleitet. Da hilft es auch nicht, dass die mit jeder Menge Marketing-Tamtam begleitete Produktion der Blumhouse-Studios (große Erfolge mit z.B. THE NUN) bis zum Ende dramaturgisch solide durchgetaktet ist und mit ein paar Querverweisen auf das Original und das Genre im Allgemeinen ebenfalls kundige Fans im Blick behält.

Im Vordergrund der Geschichte steht Laurie Strode (Jamie Lee Curtis). Auch etwa vierzig Jahre nach der tödlichen Halloween-Nacht von einst hat die mittlerweile ergraute, aber kaum betagte ältere Dame mit den Folgen der Ereignisse zu kämpfen. Darunter leidet vor allem das Verhältnis zu ihrer Tochter (Judy Greer), die das paranoide Verhalten ihrer traumatisierten Mutter seit Jahren nicht mehr erträgt. Wesentlich besser, nichtsdestotrotz nicht gänzlich konfliktfrei, ist die Beziehung zu ihrer jugendlichen Enkelin Allyson (Andi Matichak), die stets versucht ist Mutter und Großmutter wieder zusammen zu bringen. Just am Halloween-Abend bewahrheiten sich schließlich auf grausame Weise die Befürchtungen von Laurie. Michael Myers, der seit Jahren schwer bewacht in einer psychiatrischen Anstalt verweilt, gelingt es bei einem Gefangentransport zu flüchten. Sein Ziel ist das verschlafene Nest Haddonfield. Jener Ort, der bereits Jahrzehnte vorher zum Schauplatz seiner brutalen Taten wurde.

Positiv hervorzuheben ist, dass das Skript bei der Wahl der Figuren auf geballte Frauenpower setzt. Die Strode-Familie stellt sich generationenübergreifend Myers entgegen. Als wehrhaftes, intelligent handelndes Trio aus Enkelin, Mutter und Großmutter. Insofern gibt es quasi gleich drei Final-Girls. Und die Strode-Frauen denken gar nicht daran kreischend die Opferlämmer zu geben. Das ist durchaus erfrischend und wird im feurigen Finale spannungstechnisch gekonnt zugespitzt. Die Zeit steht somit auch im Slasher-Genre nicht still.

Dummerweise verlagert der Film seinen Fokus im Verlauf zunehmend von Laurie auf Allyson. Das ist natürlich nicht per se schlecht und in Hinblick auf die Zielgruppe des Films freilich nicht ganz unklug. HALLOWEEN will eben auch ein klassischer Teen-Slasher sein. Und diesbezüglich gilt es lieber nicht zu viel anzuecken (wie etwa Rob Zombie mit seinem White-Trash-Figurenensemble). Leider macht Green in diesem Zusammenhang den Fehler bei der Peergroup von Allyson so richtig altbackene Klischee-Typen (der füllige beste Freund, der untreue Boyfriend, die laszive Babysitterin, der schluffige Kiffer usw.) vorzuschieben, die schnell arg nerven und vollkommen überraschungsfrei Myers vor das Messer rennen. Sex bedeutet diesbezüglich stets Tod, wobei Green sichtlich darauf achtet hier ja nicht zu viel (bzw. schlicht gar keine) nackte Haut zu zeigen.

Ebenfalls ärgerlich schmalspurig geschrieben (wenn auch aus anderen Gründen) ist die Figur des Arztes Dr. Sartain (Haluk Bilginer). Eine Art Nachfolger zum fast schon ikonisch überhöhten Dr. Loomis. Der Versuch mit dieser Figur an das Original-Skript anzuknüpfen geht jedoch von vornherein nach hinten los, da Green seinen überwiegend im Schlafmodus agierenden Protagonisten zur Randfigur verkommen lässt und man bereits kurze Zeit nach dem Abspann gar nicht mehr weiß, was genau mit dieser Figur eigentlich bezweckt werden sollte. Das gleiche gilt dann ebenso für das Reporter-Duo (Jefferson Hall sowie Rhian Rees), welches anfangs noch recht präsent den Filmverlauf bestimmt, aber dann alsbald im Nirwana der Bedeutungslosigkeit verschwindet.

HALLOWEEN bietet vielleicht eine nicht ganz so große Angriffsfläche wie das polarisierende 2007-Remake von Rob Zombie. Letztendlich macht das den Film allerdings auch wesentlich uninteressanter. Ganz einfach, weil Green weniger wagt und sich unterm Strich zu sehr auf dem routinierten Abhaken von genre-spezifischen Standardsituationen ausruht. So bleibt von diesem Neuanfang wenig hängen, was den angepeilten, neuerlichen Start als Horror-Reihe qualitativ gesehen rechtfertigen würde. Im Endeffekt steht und fällt aber alles mit den Besucherzahlen. Und die sind nach dem US-Startwochenende bereits mehr als ordentlich. Weitere Sequels und ein Erstarken des formelhaftesten aller Horror-Subgenres sind deshalb wohl unausweichlich.











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