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THE GRUDGE 3 (USA 2009)

von Andreas Neuenkirchen

Original Titel. THE GRUDGE 3
Laufzeit in Minuten. 90

Regie. TOBY WILKINS
Drehbuch. BRAD KEENE
Musik. SEAN MCMAHON
Kamera. ANTON BAKARSKI
Schnitt. JOHN QUINN
Darsteller. SHAWNEE SMITH . MIKE STRAUB . AIKO HORIUCHI . JOHANNA BRADDY u.a.

Review Datum. 2009-06-08
Kinostart Deutschland. direct-to-video

Falls ich auch mal eine Meinung außerhalb des Kanons formulieren darf: Mir hat THE GRUDGE 2 gefallen. Beim Frisör hätte ich vielleicht gesagt: Vorne etwas kürzer und hinten so lassen. Aber geschenkt. Schön, dass man sich für die Fortsetzung eines Remakes anstatt für das Remake einer Fortsetzung entschieden hatte. So wurde die potenzielle Serie behutsam vom japanischen Original emanzipiert und nach Amerika überführt. THE GRUDGE 3 hat nun die gar nicht so schwierige Aufgabe, diese Steilvorlage zu verwandeln. Ich liebe Fußballmetaphern. Fußball ist meine Welt. Neben Automobilmessen, Hanteltraining und berittener Zobeljagd.

Leider versemmelt. Eines von vielen großen Problemen ist, dass man THE GRUDGE 3 ansieht, was es ist. Direct-to-video bzw. direct-to-DVD ist heute bestimmt kein Schimpfwort mehr; welcher Film ohne Will Smith kommt schon noch ins Kino. Eine preisgünstige DVD-Fortsetzung eines teureren Kinofilms muss nicht zwangsläufig sichtbar zurückstecken. Technik kostet heutzutage schließlich nichts mehr, und auf Stars können gerade Horrorfilme ohne Verlust verzichten. Nun spielt THE GRUDGE 3 aber fast ausschließlich in dem Chicagoer Mietshaus, in das Geister-Mami Kayako und Sohnemann Toshio in THE GRUDGE 2 aus Tokio rübergemacht haben. Und mit der Feststellung, dass der ganze Film in einem Haus spielt, ist auch schon die Handlung erschöpfend beschrieben. In dem Haus leben halt Leute. Manchmal, aber nur selten, haben sie unheimliche Begegnungen. Manchmal, aber noch viel seltener, kommt dabei einer um. Brav schlurft die Geschichte von A nach B nach C. Von der gewagten Vermischung von Zeitebenen der früheren Filme ist ebenso wenig geblieben wie von den abwechslungsreichen Spielorten. Ein paar Alibiszenen in Japan gibt es, aber die tragen sich ebenfalls ausschließlich in Innenräumen zu. Dass sowohl die Chicago- wie auch die Tokio-Szenen aus Kostengründen in Bulgarien gedreht wurden, ist eine Erklärung, aber keine Entschuldigung.

Die Beschränkung auf einen einzigen Handlungsort hat Horrortradition und ist ein feines Ding, wenn künstlerisch-dramaturgisches Konzept dahinter steckt. In THE GRUDGE 3 steckt aber offensichtlich nur finanzielles Konzept dahinter. Hätte trotzdem funktionieren können, wenn es sich wirklich um das Mietshaus handeln würde, dass uns Takashi Shimizu in THE GRUDGE 2 gezeigt hatte, jene schmutzige, grün-schwarze Vorhölle, in der jedes Tapetenmuster und jedes Treppengeländer Unheil atmete. Aber Toby Wilkins' Inszenierung fehlt in jeder Hinsicht Shimizus Finesse, sowohl was die generelle Atmosphäre als auch die Umsetzung der Horrorszenen angeht. Vielleicht hat man auch nach zwei japanischen Fernsehfilmen, zwei japanischen Kinofilmen und zwei amerikanischen Kinofilmen zweimal zu oft gesehen und gehört, wie Kayako mit den Knochen knackt und Toshio Katzengeräusche macht.

Der Film sitzt unglücklich zwischen den Stühlen. Wer sich mit den Grudge/Ju-On-Filmen bestens auskennt, findet hier nichts Neues. Wer noch nie einen Grudge/Ju-On-Film gesehen hat, wird keine verdammte Ahnung haben, worum zum Teufel es in THE GRUDGE 3 geht. Eine geschmackvolle visuelle Was-bisher-geschah-Zusammenfassung im Vorspann hilft ebenso wenig wie der übliche schwurbelige Textprolog. Sowas sollte man eigentlich lassen, das machen heute nur noch George Lucas und Uwe Boll. Immerhin bringt man gleich zwei Figuren von außen ins Haus, die offenbar keine andere Aufgabe haben, als begriffsstutzigen oder unerfahrenen Zuschauern den Film zu erklären. Die eine ist eine Psychiaterin, gespielt von Shawnee Smith, der Verrückten aus SAW (Episode I - III). Wenn sie ungefähr zur Mitte des Films bei Adam und Eva mit dem Erklären anfängt, werden uninitiierte Zuschauer längst abgeschaltet haben, und die anderen wissen das alles schon. Die andere nutzlose Person ist Naoko, Kayakos Schwester. Ach, JETZT erfahren wir, dass die eine Schwester hat? Dann kann sie ja gleich in THE GRUDGE 4 mitspielen, denn in Teil 3 gibt es leider nicht viel für sie zu tun. Und genau dafür, als Brücke zu weiteren Fortsetzungen, scheint die Rolle auch vorgesehen, ohne zu viel verraten zu wollen.

So kann man THE GRUDGE 3 vielleicht mit ganz, ganz viel gutem Willen, und weil heute die Sonne scheint, als Übergangsfilm durchwinken und schnell vergessen. Denn ja, ich hege noch immer sentimentale Gefühle für diese alberne kleine Serie, und wie der Idiot, der ich bin, werde ich auch bei Teil 4 wieder auf der Matte stehen. Noch ist nicht aller Tage Highlander.











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