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GRAVITY (USA/Großbritannien 2013)

von Florian Lieb

Original Titel. GRAVITY
Laufzeit in Minuten. 90

Regie. ALFONSO CUARÓN
Drehbuch. ALFONSO CUARÓN . JONÁS CUARÓN
Musik. STEVEN PRICE
Kamera. EMMANUEL LUBEZKI
Schnitt. ALFONSO CUARÓN . MARK SANGER
Darsteller. SANDRA BULLOCK . GEORGE CLOONEY . ED HARRIS . PAUL SHARMA u.a.

Review Datum. 2013-10-01
Kinostart Deutschland. 2013-10-03

Edgar Mitchell, der sechste Mensch auf dem Mond, sagte beim Anblick der Erde: "Mein Blick auf unseren Planeten offenbarte mir einen Schimmer des Göttlichen". Auch George Clooneys Astronaut Matt Kowalski bewundert in der Eingangsszene zu Alfonso Cuaróns GRAVITY den Blick zur Erde. Die Person, an die er seine Worte richtet, hat derweil ganz andere Probleme. Zwar schätzt die Zivilistin Dr. Ryan Stone (Sandra Bullock) die Ruhe des Weltalls, aber aus ganz anderen, weitaus persönlicheren Gründen. Aller Country-Musik und der Erde als wahrhaftiges Hintergrundbild zum Trotz, avanciert GRAVITY nach wenigen Minuten zu einem rasanten Zeitspiel auf Leben und Tod, als ein Trümmerhaufen eines russischen Satelliten über Kowalski, Stone und Co. hereinbricht.

Die Stimme von Ed Harris informiert aus Houston über den nahenden Schutt, der in Höchstgeschwindigkeit zu tödlichen Projektilen mutiert. Der Weltraumspaziergang von Kowalski und Stone nimmt ein abruptes Ende, als ihr Shuttle von den Überresten des russischen Satelliten getroffen wird. Stone schießt minutenlang unkontrolliert ins All, die Kamera dabei aus der Ego-Perspektive das Publikum an dem Horror von Bullocks Figur teilhaben lassend. Aus der Ferne naht Clooneys Weltraumveteran mit Jetpack und sammelt die nicht ausgebildete Astronautin wieder ein. 90 Minuten haben beide nun, um zur Internationalen Raumstation zu gelangen, ehe der Satellitenschutt seine Runde um den Erdorbit gedreht hat und erneut attackiert. Wenig hilfreich ist, dass sich zudem Stones Sauerstoff dem Ende neigt.

GRAVITY, das ist laut dem Box-Office-Monster James Cameron "der beste Weltraumfilm aller Zeiten" - vermutlich nicht nur, weil Cameron im Abspann persönlich gedankt wird. In dem Statement verbirgt sich weniger fehlender Respekt für Ridley Scotts ALIEN und Stanley Kubricks 2001: ODYSSEE IM WELTRAUM - denen Cuarón auf subtile Weise beiden eine Hommage widmet - als eine Aussage darüber, dass GRAVITY die meiste Zeit seiner Dauer ausschließlich im Erdorbit und damit im Weltraum spielt. Wer nun denkt, dass dies kaum sonderlich spannend ausfallen dürfte, wird von Cuarón und seinem Sohn, mit dem er das Drehbuch geschrieben hat, eines Besseren belehrt. Sie entwickelten zwar ein streckenweise ziemlich konstruiertes Stück Film, aber dennoch eines, das einen mit seiner Intensität packt.

Clooney, der in der Produktion Robert Downey Jr. ersetzte, darf völlig in seinem natürlichen Charme aufgehen, wenn das Chaos ausbricht und Kowalski die Ruhe weg hat. Dessen Coolness soll vermutlich die aufgelöste Panik von Bullocks Dr. Stone ausgleichen, dennoch wirkt Kowalski etwas zu locker angesichts des Dramas, das sich in der Erdumlaufbahn abspielt. Bullock wiederum gefällt wie schon lange nicht mehr, abzüglich eines kitschigen Klischee-Subplots als vermeintlicher Charakterprofilierung. Die Cuaróns scheinen nicht realisiert zu haben, dass der Ballast der Erde für ihr Weltraumabenteuer keine Rolle spielt. GRAVITY ist somit weniger Zwei-Personen-Stück als eine Tour de Force für Bullock. Allerdings ist sie nicht die einzige, die hier einen positiven Eindruck hinterlässt.

Die heimlichen Stars des Films sind Komponist Steve Price sowie Sound Designer Glenn Freemantle, die GRAVITY zum wahrscheinlichen Tonspur-Meisterstück des Jahres machen. Die Musik wird stets in den richtigen Momenten mit entsprechend Kraft und Pathos eingesetzt, das Sound Design verleiht dem stummen Weltraum einen authentischen Realismus durch kleine Details. Zwar reicht Emmanuel Lubezkis Kamera nicht an seine Arbeiten für Terrence Malick heran, fügt sich aber dennoch nahtlos in einen technisch perfekt umgesetzten Film ein. Dessen größte Probleme - und dies war in gewisser Weise vorhersehbar - liegen im narrativen Bereich. So schön ein Zitat von 2001 auch ist, nur um seiner selbst Willen und ohne Zweck für die Geschichte ist es relativ belanglos.

Der Überlebenskampf von Sandra Bullock gerät zudem in seiner zweiten Hälfte etwas repetitiv und gerade im Finale arg gekünstelt. Ein etwas realistischerer Ton wäre dem Film hier zum Vorteil gereicht, ebenso wie eine verlängerte Exposition, die jene später eher nebenbei eingestreute emotionsarme Hintergrundinfo zu Stone egalisiert hätte. GRAVITY versucht hier vielleicht etwas zu sehr, den Erwartungen des Massenpublikums gerecht zu werden, anstatt standhaft zu bleiben. Dies ist aber weitaus verzeihbarer als der größtenteils auf ein Gimmick reduzierte 3D-Effekt, der auch hier wieder nur dem Aufpreis dient, ohne der Geschichte sonderlich mehr Tiefe zu verleihen. Ein Pflichttermin für Sci-Fi-Fans ist GRAVITY in 2013 aufgrund seiner Intensität und Spannung aber allemal. Der Blick birgt zwar keineswegs einen göttlichen Film, immerhin aber ein paar göttliche Einstellungen.











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