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GOOD TIME (USA/Luxemburg 2017)

von André Becker

Original Titel. GOOD TIME
Laufzeit in Minuten. 100

Regie. BENNY SAFDIE . JOSH SAFDIE
Drehbuch. RONALD BRONSTEIN . JOSH SAFDIE
Musik. ONEOTHRIX POINT NEVER
Kamera. SEAN PRICE WILLIAMS
Schnitt. RONALD BRONSTEIN . BENNY SAFDIE
Darsteller. ROBERT PATTINSON . BENNY SAFDIE . BUDDY DURESS . JENNIFER JASON LEIGH u.a.

Review Datum. 2017-11-01
Kinostart Deutschland. 2017-11-02

Manchmal sagt ein Blick mehr als tausend Worte. In diesem Fall der des Kleinkriminellen Connie (Robert Pattinson), der wutentbrannt und wild fluchend seinen geistig behinderten Bruder Nick (Benny Safdie) aus einem Therapiegespräch reißt. Man ahnt es bereits in dieser frühen Szene des Films: Diese jungen Männer rennen in ihr Verderben.

Und ja, man behält Recht. Ein hastig durchgeführter Raubüberfall der Beiden endet in einem Desaster. Connie kann zwar fliehen, Nick landet jedoch in einer Zelle in Untersuchungshaft. An diesem Punkt entwickelt sich nun die eigentliche Geschichte. Connie braucht dringend Kohle. Schnellstmöglich. Die missliche Lage seines Bruders vor Augen lässt er nichts unversucht um den nötigen Betrag für die Kaution aufzutreiben. Als Mitinsassen Nick krankenhausreif zusammenknüppeln beschließt Connie ihn kurzerhand aus der Krankenstation zu befreien.

In GOOD TIME gibt es nur Verlierer. Connies Aktionen führen ihn immer näher an einen bodenlosen Abgrund, der nur darauf wartet ihn mit jeder Faser seines Seins zu verschlingen. Jede seiner Handlungen hat Folgen, nicht nur für ihn, sondern für alle, die den Fehler machen seinen Weg zu kreuzen. Nick hingegen ist der Spielball seines Bruders, nach Liebe lechzend und scheinbar bereit für ihn zu sterben. Auch alle anderen Figuren, die durch Zufall auf Connie treffen (ein Drogendealer, ein junges Mädchen) oder mit ihm auf irgendeine Weise zu tun haben (u.a. Jennifer Jason Leigh in einer kleinen Rolle) enden emotional oder körperlich versehrt. Einen Wachmann erwischt es diesbezüglich besonders hart.

Die Brüder Benny und Josh Safdie inszenieren die Odyssee von Connie als fiebrige Großstadtballade, die ihr Publikum atemlos zurück lässt. Begleitet von einem hypnotisch-wabernden Elektro-Score schmiegt sich die Kamera an Connie und schafft so eine sehr unmittelbare Nähe zur Hauptfigur. Eine Nähe, die trotz der unmissverständlich ausartikulierten schlechten Charaktereigenschaften der Hauptfigur anziehend wirkt. Die Safdie-Brüder begehen dabei nicht den Fehler ihre Milieu-Betrachtung mit fadenscheiniger Sozialromantik oder erhobenen Zeigefinger abzumildern. Die Abwärtsspirale, die Connie in Gang setzt, ist ein Teufelskreis aus dem es kein Entkommen gibt und der außerhalb der gesellschaftlichen Oberfläche in einer Parallelwelt mit eigenen Regeln abläuft.

GOOD TIME ist ein besonderer Film. Das liegt nicht nur an der sehr einnehmenden Dynamik der Bilder, sondern ebenfalls an der eindringlichen Performance von Pattinson, der hier beängstigend gut den gehetzten Delinquenten mimt. Da wird selbst ein profaner Vorgang wie das Haarefärben in einer heruntergekommen Wohnung durch sein nuancenreiches Schauspiel mit Bedeutung aufgeladen. Der fast komplett im dämmrigen Licht der New Yorker Nacht verortete Film generiert dabei eine außergewöhnliche Atmosphäre, die fast jenseitig und seltsam zeitlos anmutet. Die verwendeten Großstadt-Impressionen lassen dabei in ihrer eigenwilligen Ausgestaltung Erinnerungen an die Darstellung urbaner Räume in klassischen und modernen Genre-Werken wach werden (von SUBWAY, über PUSHER bis hin zu DRIVE). Die Stadt ist ein gefährlicher Ort, Erlösung gibt es für niemanden. Mehr braucht man über diesen tollen Film eigentlich nicht zu sagen.











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