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GOLDEN SLUMBER (Japan 2010)

von Björn Lahrmann

Original Titel. GÔRUDEN SURANBÂ
Laufzeit in Minuten. 139

Regie. YOSHIHIRO NAKAMURA
Drehbuch. KOTARO ISAKA
Musik. nicht bekannt
Kamera. nicht bekannt
Schnitt. nicht bekannt
Darsteller. YÛKO TAKEUCHI . NAO OMORI . TERUYUKI KAGAWA . AKIRA EMOTO u.a.

Review Datum. 2010-03-14
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

GOLDEN SLUMBER ist ein Verschwörungsthriller mit dem Herzen eines Slackers. Sein hasenfüßiger Held, Aoyagi mit Namen, dem ein Bombenattentat auf den japanischen Präsidenten in die viel zu kleinen Schuhe geschoben wird, steht in einer Traditionslinie mit Cary Grant in DER UNSICHTBARE DRITTE, Dr. Richard Kimble und Tony Scotts STAATSFEIND NR. 1. Zugleich ist er ein hemmungslos nostalgischer Träumer, der auch nach Jahren noch an der Trennung von seinen drei besten Studienfreunden leidet. Wie das zwanghafte Reminiszieren seiner Flucht immer wieder in die Quere kommt, wie der Blick zurück den Blick nach vorn diktiert: darin liegt das Besondere dieser im Grunde recht konventionellen Räuberpistole.

In seiner Vergangenheit nämlich liegt der Schlüssel zu Aoyagis Verderben wie Rettung gleichermaßen: Einer seiner alten Kommilitonen, stellt sich heraus, hatte ihn den Verschwörern als Strohmann in die Hände geliefert; und seine ehemalige Geliebte Haruko wird es sein, die ihm beim Beweis seiner Unschuld behilflich ist. Die Verankerung der nationalen Krise im familiären Rahmen nimmt dem Film die paranoide Protzigkeit, die dem Genre üblicherweise anhaftet: Die Beweggründe für das Attentat, die Identität der wahren Terroristen geraten nie in den Blick; statt dessen widmet der Film sich mit urigem Understatement dem Dilemma, Freundschaften aus Jugendtagen ins Erwachsenenalter zu überführen. Da mag der Plot noch so wilde Haken schlagen (u.a. bekommt Aoyagi es mit einem Serienkiller und einem Doppelgänger seiner selbst zu tun): Die Dimensionen bleiben, wohl auch aufgrund des eher geringen Budgets, auf liebenswerte Weise klein und unspektakulär.

Regie-Routinier Yoshihiro Nakamura, der mit GOLDEN SLUMBER bereits zum dritten Mal einen Roman von Kotaro Isaka verfilmt, inszeniert hier gewissermaßen den Triumph des Privaten über das Öffentliche: Egal, wie viele Überwachungskameras, GPS-Tracker und Abhörantennen auf Aoyagi gerichtet sind – seine Freunde sind den Verfolgern immer einen Schritt voraus. Aus ihrem gemeinsamen Wissensfundus, den der Film in Rückblendenform aufblättert, schöpfen sie Lösungsmethoden, halten konspirative Treffen an früheren Geheimverstecken, kommunizieren per Zettelbotschaft miteinander. Lo-Tech schlägt Big Brother: eine herzige Utopie. Lediglich die Plotmechanik erweist sich dem wachsamen Zuschauer als etwas arg gläsern; die uralte Formel, dass eine Waffe, die im ersten Akt an der Wand lehnt, spätestens im dritten zum Einsatz kommt, wird von A bis Z befolgt.

Der Titel des Films ist einem späten Beatles-Stück entlehnt: Golden Slumbers, eine wehmütige McCartney-Ballade, die zum Ende hymnisch aufbricht. Für Aoyagi ist das Lied eine Art Nostalgie-Trigger, nicht zuletzt, weil es sich dabei um eine der letzten Aufnahmen vor der Trennung der Fab Four handelt. Pausenlos summt er es vor sich hin auf seiner Flucht, während auf dem Soundtrack eine inbrünstige japanische Coverband für die notwendige Verkitschung sorgt. Jene Art Bombast wird da zelebriert, die man sich gut als Untermalung eines Feuerwerks vorstellen könnte. Und siehe da: Manchmal hat Vorhersehbarkeit auch etwas Schönes.











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