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DER GOLDENE KOMPASS (USA/Großbritannien 2007)

von Rajko Burchardt

Original Titel. THE GOLDEN COMPASS
Laufzeit in Minuten. 113

Regie. CHRIS WEITZ
Drehbuch. CHRIS WEITZ . PHILIP PULLMAN
Musik. ALEXANDRE DESPLAT
Kamera. HENRY BRAHAM
Schnitt. ANNE V. COATES . PETER HONESS . KEVIN TENT
Darsteller. NICOLE KIDMAN . DANIEL CRAIG . DAKOTA BLUE RICHARDS . EVA GREEN u.a.

Review Datum. 2007-12-03
Kinostart Deutschland. 2007-12-06

Wer sich wie ich schon länger gefragt hat, was eigentlich Clare Higgins, die Frau mit den schrecklich toupierten roten Haaren aus HELLRAISER, so macht, der ist hier richtig. Man nehme das Design des Senatsplaneten Coruscant aus STAR WARS, die vermenschlichten und sprechenden Tiere aus THE CHRONICLES OF NARNIA und mische dazwischen so ziemlich alles aus dem unerschöpflichen Tolkien-Fundus:

Das kleine Mädchen Lyra besucht ein College in Oxford – von innen sieht das übrigens schwer nach HARRY POTTER aus – und verbringt die meiste Zeit mit ihrem (Tier-)Dämon Pantalaimon, sowie dem Jungen Roger. Dazwischen wird viel gesabbelt, erklärt und wichtigtuerisch das als Parallelwelt angelegte Reich vorgestellt, bis Lyra mithilfe eines goldenen Kompasses (=Ersatzrelikt für den einen Ring) in die Arktis reist, wohin nämlich nicht nur Roger, sondern auch zahlreiche andere Kinder entführt wurden. Auf ihrer Reise muss sie sich mit Feen, Piraten und Eisbären herumschlagen, ehe es zu einem finalen Kampf mit den Tataren (aka. Kosaken) kommt.

"His Dark Materials" heißt der Romanzyklus von Philip Pullmann, dessen erster Teil nun unter der Fittiche von Chris Weitz inszeniert wurde. Der ABOUT A BOY-Regisseur stieg zwischenzeitlich aus dem Projekt aus, da er sich mit Größe und Verantwortung überfordert fühlte, kehrte schließlich aber wieder zurück. Die Unsicherheiten merkt man dem fertigen Film zu jeder Zeit an: THE GOLDEN COMPASS ist ein alles andere als gradliniger, homogener Fantasyfilm, sondern verhindert mit einer penetranten, kindischen Erklärungswut jeden Zugang zum Stoff. Nie wird die Geschichte visuell erzählt, immer tauchen neue Begrifflichkeiten auf, sprechen die Figuren weitere ellenlange Dialoge vor sich hin. Im Gegensatz zu Peter Jacksons LORD OF THE RINGS-Trilogie erschließt sich die Welt des Films nicht von allein, sondern muss dauerhaft ihre Eigenständigkeit unter Beweis stellen.

Das ganze ist deshalb leider überaus didaktisch ausgefallen, sehr langweilig, holprig und uninteressant. Der Film besteht aus lauter Einzelteilen, die sich selbst erklären und ausstellen, vielen kleinen Szenen, Elementen und situativen Stückchen, die aneinandergereiht fürchterlich öde wirken. Dem Stoff, zumindest in Filmform, fehlt es an jeglichem Subtext und Bedeutung, die Geschichte funktioniert weder als Initiationsmetapher noch Identitätssuche, bleibt also im Gegensatz zur Tolkien-Verfilmung nicht nur formal, sondern auch inhaltlich ohne Belang. Letztlich wirkt THE GOLDEN COMPASS wie eine Ideenrevue ohne Ordnung und Zusammenhalt.

Besonders fehlt es der Adaption an starken Persönlichkeiten. Die Figuren sind durchweg platt, tauchen hier und da mal auf, haben aber eigentlich nicht wirklich etwas zu tun. Das gilt umso mehr für ihre Schauspieler, die alle entweder völlig unbeteiligt bleiben (Kidman, Craig oder Elliott) oder sich mit Mini-Sprechrollen von Tieren zufrieden geben müssen (Kathy Bates, Freddie Highmore). Richtig nervig ist das Unvermögen der Hauptdarstellerin: Die kleine Göre ist nicht nur unsympathisch und dumm, sondern auch noch eingebildet und aufgeblasen. Wenn sie dem Eisbärenkönig gegenübersteht, weiß sie anscheinend nicht, wo sie hingucken soll (CGI, wo bist du?), und auch sonst kann sie kaum einen vollständigen Satz geradeaus sprechen. Trauriger Tiefpunkt: Christopher Lee in einer einzigen Einstellung. Trauriger Hochpunkt: Ian McKellen als Stimme eines Eisbären.

Dass THE GOLDEN COMPASS auch dramaturgisch wenig Sinn ergibt (der Bärenkampf beispielsweise hält die Handlung nur auf), liegt wohl an den Kürzungen, Auslassungen, Umrandungen gegenüber der Vorlage, die aber schon merklich anders sein muss, um besser als dieser filmische Murks dastehen zu wollen. Immerhin ist Weitz' Film trotz seiner Ähnlichkeiten zum NARNIA-Käse nicht mit christlicher Ideologie aufgeladen (man erinnere sich an den Weihnachtsmann, der Kindern Waffen in die Hand gab). Dass im Buch gar das Gegenteil der Fall sein soll, ist indes allerdings auch nicht zu vermerken. So bleibt dann ansonsten doch alles beim Alten: New Line will eine neue epische Trilogie generieren – und der LORD OF THE RINGS schlägt noch immer hohe Wellen. Mir tut's nur für Frau Higgins leid, die hat schon wieder so eine hässliche Frisur abbekommen.











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