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GHOSTBUSTERS (USA 2016)

von Heiner Gumprecht

Original Titel. GHOSTBUSTERS
Laufzeit in Minuten. 116

Regie. PAUL FEIG
Drehbuch. PAUL FEIG . KATIE DIPPOLD
Musik. THEODORE SHAPIRO
Kamera. ROBERT D. YEOMAN
Schnitt. MELISSA BRETHERTON . BRENT WHITE
Darsteller. MELISSA MCCARTHY . KRISTEN WIIG . KATE MCKINNON . LESLIE JONES u.a.

Review Datum. 2016-07-31
Kinostart Deutschland. 2016-08-04

Ist es eine Fortsetzung? Ist es ein Remake oder ein Reboot? Ist es vielleicht eine Hommage? Wir wissen es nicht. Es lies sich beim Sichten von GHOSTBUSTERS einfach nicht sagen. Sicher ist nur: mit dem Original hat dieses Machwerk nicht viel zu tun. Beide teilen sich im Prinzip eine Grundidee, da hört jegliche Argumentation im positiven Sinne auch schon fast wieder auf. Vielleicht könnte man noch sagen, dass die Version von 2016 ganz allgemein gesprochen einer Erzählung folgt, die gar nicht mal so schlecht wäre. Doch für diese Aussage fehlt es einem eigenständigen Werk an Ideen und es würde am Erzählstil doch einiges zu bemerken geben. Und einem Remake, das unsere Nostalgie kitzeln soll, fehlt es am Respekt. Man vergisst nämlich, dass der Mix aus Situationskomik, leichten Horrorelementen und unvergesslichen Charakteren den Erfolg einbrachte und nicht ein Feuerwerk aus Sprüchen und coolen Gadgets.

Die vier Hauptdarsteller komplett durch eine weibliche Besetzung auszutauschen, hätte eigentlich viel Spielraum für neue Persönlichkeiten geboten, die sich in ihrer Art ergänzen und deren agieren miteinander für den nötigen Witz sorgt. Doch man hat diese Idee ausgeschlagen und setzt stattdessen auf viele Oneliner. Jede Hauptfigur hat eine Macke, die auch schon ihre ganze Persönlichkeit darstellt. Melissa McCarthy geht unbeirrbar ihren Weg und spricht die Offensichtlichkeiten während abgedrehter Momente laut aus. Kristen Wiig ist die Ruhige, die immer alles abbekommt und sich zur Lachnummer machen muss. Kate McKinnon spielt einen Egon auf LSD und haut einen unpassenden Spruch nach dem anderen heraus und Leslie Jones ist quasi nur da.

Der gesamte Humor spielt sich in dieser Zeit knapp über dem Boden ab und erreicht nur selten andere Höhen. Das wird dadurch verschlimmert, dass man Probleme in der Logik auf lediglich zwei Arten angeht. Entweder eifert man GHOSTBUSTERS aus dem Jahr 1985 nach und jongliert einfach ein bisschen mit Begriffen, die sowieso keiner versteht. Oder man ignoriert sie komplett und hofft darauf, dass sie den Zuschauer nicht weiter stören. Da helfen leider auch die schönsten Special Effects nichts, wenn man nur einzelne Grundideen im Kopf hat, aber nicht weiß, wie man diese clever miteinander verbinden soll. Der erste Teil war damals auch nicht durchdacht ohne Ende, jedoch machte er in seinem eigenen Universum und für sich selbst stehend wenigstens Sinn.

Und dann wäre da ja auch noch Kevin, die männliche Sekretärin, gespielt von Chris Hemsworth. Seine Figur sollte wohl besonders lustig und einprägsam sein. Zumindest kann man das nur hoffen. Denn rausgekommen ist eine Beleidigung an so ziemlich jeden Geschmack. Blöder als die Figuren Lloyd und Harry aus DUMMER UND DÜMMER und komplett auf sein Äußeres beschränkt, wirkt er wie der müde Versuch, sich für jedes dumme Blondchen der 1980er Kinowelt zu entschuldigen. Was man aber in Wirklichkeit macht, ist der gleiche dumme Sexismus wie eh und je. Wäre er jetzt wenigstens auf eine originelle Weise doof oder wenigstens erträglich. Aber Kevin ist eine Zumutung und lockert das Geschehene in keiner Weise auf, sondern untergräbt lediglich alle Chancen, GHOSTBUSTERS ernst nehmen zu können.

Es gibt zwar noch andere Faktoren, die für und auch gegen diesen Film sprechen, letztendlich bleibt es aber bei dem, was bereits erwähnt wurde. Und schicke Geister und hübsche Effekte entschuldigen zu keiner Zeit so viel Faulheit. Den Storylauf unterbrechende Cameos ohne Mehrwert sind kein Freifahrtsschein für eindimensionale Figuren. Und nette Anspielungen auf das Original rechtfertigen niemals solch lustlose Versuche, witzig zu sein. Es mag Popcornkino sein und es ist bekannt, dass das ab und zu mehr als ausreichend ist. Aber wozu damit herumschlagen, wenn Teil 1 so gut gealtert ist, dass er immer noch die bessere Wahl wäre? Selbst die umstrittene Fortsetzung von 1989 hat da noch mehr Pluspunkte, als dieser warme Aufguss ohne Liebe.











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