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DIE FRAU IN SCHWARZ (Großbritannien 2012)

von Sebastian Moitzheim

Original Titel. THE WOMAN IN BLACK
Laufzeit in Minuten. 95

Regie. JAMES WATKINS
Drehbuch. JANE GOLDMAN
Musik. MARCO BELTRAMI
Kamera. TIM MAURICE-JONES
Schnitt. JON HARRIS
Darsteller. DANIEL RADCLIFFE . CIARÁN HINDS . JANET MCTEER . SOPHIE STUCKEY u.a.

Review Datum. 2012-03-27
Kinostart Deutschland. 2012-03-29

DIE FRAU IN SCHWARZ ist der wohl Prestige-trächtigste Release der legendären Hammer Film Productions seit deren Revival 2007. Der Film basiert auf dem gleichnamigen, in England bei Genre-Freunden offenbar sehr beliebten, Schauerroman von Susan Hill, zeigt Daniel Radcliffe in seiner ersten Post-POTTER-Hauptrolle und ist in Großbritannien bereits erfolgreich angelaufen, was trotz des prominenten Hauptdarstellers etwas verwundert (und erfreut), handelt es sich doch um einen klassischen Haunted-House-Film, der kaum Zugeständnisse an die Sehgewohnheiten des modernen Horror-Publikums macht.

Radcliffe spielt den jungen Witwer und Vater eines vierjährigen Sohnes Arthur Kipps. Der Anwalt soll in einem Provinznest den Nachlass der verstorbenen Alice Drablow verwalten und sich dafür in deren leerstehendem Anwesen durch den angesammelten Papierkram arbeiten. Von den Dorfbewohnern wird er dafür von Anfang an argwöhnisch betrachtet, lediglich der fortschrittliche, wohlhabende Sam Daily (Ciarán Hinds) heißt ihn willkommen. Wie sich jedoch herausstellt, sind die Anweisungen der Bewohner, Arthur solle sich von dem Anwesen fern halten, nicht unbegründet, denn es wird heimgesucht von einer mysteriösen Frau in Schwarz, die auch für die hohe Kindersterblichkeitsrate im Dorf verantwortlich zu sein scheint.

Eines der größeren Probleme der HARRY POTTER-Reihe war immer das Schauspiel ihres Hauptdarstellers. Es gab allen Grund, skeptisch zu sein, ob Radcliffe einen Part wie in DIE FRAU IN SCHWARZ meistern kann: Hier ist er in beinahe jeder Einstellung zu sehen, oft allein und nicht mehr unterstützt von der ersten Reihe britischer Schauspielkunst. Nachdem man sich jedoch an den Gedanken gewöhnt hat, dass jemand, der letztes Jahr noch ausschließlich als 17jähriger Teenager bekannt war, nun den Vater eines vierjährigen Sohnes spielt, erlebt man einen erfahreneren, gereiften Schauspieler, der sicher noch immer nicht gerade hinter seiner Rolle verschwindet, aber doch mittlerweile auch allein eine Szene tragen kann und genügend Präsenz besitzt, um den Spuk und die Angst des Protagonisten für den Zuschauer spürbar zu machen.

Das muss er auch, denn auf seinen Schultern liegt durchaus eine große Last: DIE FRAU IN SCHWARZ legt ein gemächliches Erzähltempo vor und deutet vieles nur an. Die Schocks sitzen, wenn sie kommen, doch sie sind spärlich gesäht - über weite Strecken sehen wir vor allem Radcliffe, allein in dem leeren Anwesen. Weniger die seltenen jump scares, eher die dichte Atmosphäre, die vor allem dem hervorragenden Set Design zu verdanken ist, macht den Horror von DIE FRAU IN SCHWARZ aus.

Natürlich bewegt sich der Film so auf einem schmalen Grat: Zwischen angenehm altmodisch, "Old-School-Horror" und klischeebeladen, überraschungsarm ist nicht allzu viel Platz. DIE FRAU IN SCHWARZ hätte auch zu Hammer-Hochzeiten entstehen können, was nicht nur ein Kompliment ist, sondern auch bedeutet, dass jeder, der schon irgendeinen Haunted House-Film gesehen hat, hier zu keinem Zeitpunkt überrascht sein wird. Von den geheimniskrämenden Dorfbewohnern, die Radcliffe als Eindringling sehen über Ciarán Hinds bei ebendiesen verhassten Skeptiker bis hin zur Hintergrundgeschichte der Frau in Schwarz hat man als Genre-Fan jedes Element des Films schonmal irgendwo gesehen, sodass DIE FRAU IN SCHWARZ auch reichlich mut- und ideenlos wirkt (dass man Oldschool- und Haunted House-Horror durchaus in einem frischen, modernen Gewand präsentieren kann, beweist beispielsweise Ti Wests brillanter THE INNKEEPERS).

Deswegen sei Genre-Kennern aber keinesfalls von DIE FRAU IN SCHWARZ abgeraten. Dass ein Horrorfilm sich auf seine Charaktere, seine Atmosphäre und oft auch die Vorstellungskraft seiner Zuschauer verlässt, ist heute selten genug. Die Geschichte des Films mag altbacken sein, doch die solide Inszenierung macht das durchaus wett. In Erinnerung bleiben dürfte der Film zwar bestenfalls als Radcliffes erster Schritt, sich vom Zauberer- und Teenie-Schwarm-Image freizuspielen, weniger als wirklich wichtiger Genre-Beitrag, doch wer subtilen, leicht nostalgischen Horror sucht, wird ihn bei DIE FRAU IN SCHWARZ finden.











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