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FIRST LOVE (Japan/Großbritannien 2019)

von André Becker

Original Titel. FIRST LOVE
Laufzeit in Minuten. 108

Regie. TAKASHI MIIKE
Drehbuch. MASA NAKAMURA
Musik. KOJI ENDO
Kamera. NOBUYASU KITA
Schnitt. AKIRA KAMIYA
Darsteller. MASATAKA KUBOTA . SAKURAKO KONISHI . SHOTA SOMETANI . JUN MURAKAMI u.a.

Review Datum. 2019-12-02
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Das Schicksal ist manchmal ein mieses Arschloch. Diese Erkenntnis muss auch der Boxer Leo (Masataka Kubota) machen. Während eines wichtigen Kampfes erleidet der junge Mann einen Ohnmachtsanfall, der sich kurze Zeit später als Vorbote einer ernsthaften Erkrankung herausstellt. Nun heißt es: Die Zeit läuft, das Ende naht. Jeden Tag, jede Minute gilt es bestmöglich zu nutzen. Mit allen Sinnen zu genießen.

Leichter gesagt als getan. Leo schlafwandelt lieber durch das abendliche Gewusel der Stadt. Seine Boxerinstinkte sind dennoch hellwach und so streckt er ohne mit der Wimper zu zucken den Verfolger einer jungen Dame nieder, die zufälligerweise seinen Weg kreuzt. Eine folgenreiche Begegnung. Monica (Sakurako Konishi) hat nämlich nicht nur die Yakuza am Hals, sondern ist ebenfalls in weitere kriminelle Aktivitäten verstrickt, die sie zur Zielscheibe für eine ganze Reihe finsterer Gestalten macht.

FIRST LOVE setzt für einen Film von Takashi Miike ungewöhnlich stark auf die komödiantischen und schwarzhumorigen Elemente der Geschichte. Das Humorverständnis des Films gestaltet sich nicht ganz so überdreht wie in dem Haudrauf-Spektakel YAKUZA APOKALYPSE. Besonders subtil geht der Regisseur allerdings auch nicht vor, wenn er Plüschtiere als Bombenzeitzünder einsetzt oder seinen Antagonisten (Sh?ta Sometani) als Trottel vom Dienst zeigt. Insgesamt zündet der Großteil der Gags, echte Ausfälle sind selten. Miike gelingt es dabei ebenso die tragischen Aspekte der Handlung geschickt einzubinden. Tragik und Humor treten teils gemeinsam auf und verleihen dem Film eine angenehm tiefsinnige Grundierung. Insbesondere bei der weiblichen Hauptfigur leistet sich Miike einen erstaunlich feinfühligen Blick auf ihre Traumata und die skurrilen Auswüchse ihres Verfolgungswahns (Stichwort: ein halbnackter, tanzender Mann in der U-Bahn).

Miikes Schwerpunkt bildet allerdings die schweißtreibende Hetzjagd durch die grellen Lichter der Großstadt. Der Actionanteil wird hier schrittweise erhöht und gipfelt in einem ausgedehnten Showdown mit allerlei faustdicken Einschusslöchern und dem einen oder anderen durch die Luft segelnden Körperteil. FIRST LOVE inszeniert diese Gewalt stets als überdrehten Slapstick. Aus den Bahnen der Actionkomödie bricht der Film jedenfalls nie aus. Krasse Brüche in der Tonalität oder ein Vor-den-Kopf-Stoßen des Publikums gibt es in diesem Feel-Good-Movie nicht. Die Zeiten der ganz großen Provokationen scheinen bei Miike somit endgültig vorbei.

FIRST LOVE ist ein sehr drolliger Mix aus Action, Komödie, Yakuzafilm-Parodie, Drama und Love Story. Eine albern-überdrehte, blutig-verrückte Großstadtballade in dem die Frauen ordentlich austeilen und die Männer sich (mit wenigen Ausnahmen) komplett lächerlich machen. Miike muss nach über hundert Filme niemanden mehr etwas beweisen. Das er mit so einer Unterhaltungsgranate ganz unprätentiös um die Ecke biegt ist deshalb keine große Überraschung. Der 104. Film kann gerne kommen und wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht lange auf sich warten lassen.










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