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THE ENDLESS (USA 2017)

von André Becker

Original Titel. THE ENDLESS
Laufzeit in Minuten. 111

Regie. JUSTIN BENSON . AARON MOORHEAD
Drehbuch. JUSTIN BENSON
Musik. JIMMY LAVALLE
Kamera. AARON MOORHEAD
Schnitt. JUSTIN BENSON . AARON MOORHEAD
Darsteller. JUSTIN BENSON . AARON MOORHEAD . CALLIE HERNANDEZ . TATE ELLINGTON u.a.

Review Datum. 2018-06-02
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Es hört sich nach einer wenig innovativen Standardgeschichte eines Sekten-Thrillers mit Horror-Einschlag an: Zwei Brüder, die vor Jahren einer sektenähnlichen Gemeinschaft den Rücken gekehrt haben, erhalten ein mysteriöses Videoband, dass sie dazu bewegt noch einmal an den Ort ihrer Vergangenheit zurückzukehren. Dort finden sie jedoch keine Antworten auf ihre drängenden Fragen, sondern geraten in einen Strudel unerklärlicher Ereignisse, die ihre Weltsicht komplett auf den Kopf stellt.

Bei THE ENDLESS passt die Umschreibung Mindfuck ausnahmsweise einmal recht gut. Die im Segment des phantastischen Films bereits ausgiebig erfahrenen Regisseure Justin Benson und Aaron Moorhead (viel Lob für SPRING) liefern hier ein Panoptikum faszinierender Ideen und bizarrer Schauwerte ab. Es ist dabei gar nicht so sehr der Kult selbst, der die Filmdramaturgie vorantreibt, sondern der spezifische Ort, der mit seinen seltsamen Zeitzonen, den verschobenen Realitäten sowie den unheilvollen Steingebilden und Wegmarkierungen zum Faszinosum wird. Das was eigentlich eine verlässliche Erfahrungswelt sein sollte, gerät in diesem entrückten, von flirrender Hitze dominierten, Nicht-Ort zur, beständigen, schier endlosen Aushandlung dessen, was ist und tendenziell möglich sein kann.

Benson und Moorhead, die zudem in den Hauptrollen zu sehen sind, machen diesbezüglich allerdings nicht den Fehler ihr Publikum mit zu vielen Fragen komplett zu überfordern. Ihr Konstrukt aus Möglichkeiten, Verweisen und offenen Eckpunkten ist schwer durchschaubar, das durchaus, entzieht sich aber nie allumfassend dem Zugang des Zuschauers. So obliegt es zwar dem Rezipienten, wie er/sie das Gezeigte interpretiert, grundsätzlich sind die Antworten auf die rätselhaften Geschehnisse der Handlung aber nicht gänzlich außer Reichweite.

THE ENDLESS generiert trotz begrenzter Low-Budget-Voraussetzungen ein einzigartiges Filmerlebnis, dass auch nach dem Abspann noch sehr wirkungsvoll die grauen Zellen seines Publikums beschäftigt und hier einen Knoten hinterlässt, der sich nicht leicht entwirren lässt. Genau dies ist letztlich aber einer der großen Pluspunkte der Produktion, denn das Spiel mit Sehgewohnheiten, Erwartungshaltungen und filmischen Leerstellen beherrschen die Regisseure mehr als routiniert. Auf gewohnt eigenwillige Weise zeigen Benson und Moorhead somit das im Indie-Kino noch sehr viel Platz für aufregende Genre-Experimente ist.









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