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THE EDITOR (Kanada 2014)

von André Becker

Original Titel. THE EDITOR
Laufzeit in Minuten. 95

Regie. ADAM BROOKS . MATTHEW KENNEDY
Drehbuch. ADAM BROOKS . MATTHEW KENNEDY . CONOR SWEENEY
Musik. JEREMY GILLESPIE . NORMAN ORENSTEIN . CLAUDIO SIMONETTI
Kamera. ADAM BROOKS . MATTHEW KENNEDY . JONATHON STEBBE
Schnitt. ADAM BROOKS
Darsteller. ADAM BROOKS . PAZ DE LA HUERTA . MATTHEW KENNEDY . CONOR SWEENEY u.a.

Review Datum. 2016-07-03
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Der Giallo als Spielart des Thriller-Genres ist eigentlich ein totes Sub-Genre. Dies liegt ganz einfach daran, dass die aktuellen Produktionen, welche sich der exemplarischen Stilmittel des Giallo-Films bedienen meist nicht über den Status einer blanken Kopie hinauskommen. Da können noch so viele glänzende Messer, schwarze Handschuhe und geweitete Augen in Großaufnahme den Bildschirm ausfüllen, der ganz eigene Flair der Gialli aus den sechziger und siebziger Jahren bleibt in der Regel außer Reichweite.

Ganz furchtbar wird es wenn überambitionierte Filmemacher einfach alles, was sie irgendwie für giallo-typisch halten ohne jedes Feingefühl für Stimmungen und dramaturgische Zusammenhänge durch den Low-Budget-Reißwolf drehen. Blöderweise finden gerade diese Rohrkrepierer hierzulande Verleiher, die dann die Werke mit blumigen Worten und schön bunten (und gezeichneten, weil total old school) Covern in den Verleih bzw. den Verkauf bringen. Wunderlich, aber irgendwie auch folgerichtig, denn die Liste der missratenen Filme, die dem Giallo-Genre auf Biegen und Brechen huldigen wird immer länger.

Kommen wir aber nun zu einer der seltenen Ausnahmen. Was den, als Hommage angelegten, THE EDITOR von Adam Brooks und Matthew Kennedy aus der Masse herausstehen lässt ist seine klar erkennbare Schlagseite in Richtung Parodie. Und dieser Ansatz, man glaubt es kaum, gelingt tatsächlich ausgesprochen gut: Gerade das mitunter unklar ist, ob die kanadische Produktion die spezifischen Charakteristika des Genres parodiert und durch den Kakao zieht oder diese in schnörkelloser Form und mit vielen, vielen kleinen Details würdigt, erweist sich als großer Gewinn.

Allein die Story ist herrlich gaga und gleichzeitig sehr nah dran an dem, was italienische Regisseure vor einigen Dekaden so wunderbar enthemmt für das (Bahnhofs-)Kino fabrizierten. Im Fokus der Handlung steht der Cutter Rey (dargestellt vom Regisseur Adam Brooks) der während der Fertigstellung einer neuen Filmproduktion mit einer mysteriösen Mordserie konfrontiert wird. Schnell gerät der schüchterne Rey ins Visier der Polizei, für die er fortan als Hauptverdächtiger feststeht. Der trottelige Hauptkommissar, der bei den Ermittlungen mehr schlecht als recht vorankommt, ist seiner Aufgabe jedoch nicht annähernd gewachsen, so dass das Morden munter weitergeht. Rey ist dadurch aber noch lange nicht aus dem Schneider, da auch er bald in höchster Lebensgefahr schwebt.

Kenner des Genres werden ihren Spaß an THE EDITOR haben. Der Film nimmt seinen Gegenstand nämlich in jeder Sekunde ernst. Selbst in den Momenten, wo das Regieduo gnadenlos überspitzt das Genre auseinandernimmt, ist deutlich, dass hier Fans am Werke waren, die die Ingredienzien des Giallo aus dem Effeff kennen und zutiefst verehren. Hinzu kommt, dass der Film in Punkto Optik und Ästhetik tatsächlich wie ein Streifen aus den seligen Siebzigern wirkt. Das oben gennannte Flair der Gialli von damals, es ist in greifbarer Nähe. Von den Frisuren über die Kleidung, bis hin zu den kruden Handmade-Effekten, hier werden klare Pluspunkte gesammelt. Toll ist darüber hinaus die Musik, die das ganze Treiben sehr stimmungsvoll begleitet.

Vorwerfen kann man der Produktion, dass Brooks und Kennedy gerade gegen Ende zu viel wirre und vollkommen an den Haaren herbeigezogene Entwicklungen in den Handlungsverlauf packen. Weniger wäre in diesem Kontext eindeutig mehr gewesen. Dies gilt übrigens auch für die Splatter-Szenen, die mitunter zu sehr in ihrem Exzess zelebriert werden. Nichtsdestotrotz hinterlässt THE EDITOR (noch knapp) einen stimmigen Eindruck, der durch die spielfreudige Performance des Cast gefestigt wird. Mehrere Gastauftritte (u.a. Udo Kier) und die zahlreichen versteckten Zitate steigern den Unterhaltungswert des Films noch zusätzlich und sorgen dafür, dass sich der Film stets die volle Aufmerksamkeit des Publikums sichert.











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